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Welt

Eliteuni Cambridge: Hart arbeiten ist cool

Die Universität Cambridge steht bei internationalen Rankings nicht ohne Grund ganz oben: Sie bietet den Studierenden eine intensive persönliche Betreuung. Außerdem blickt sie auf eine 800 Jahre alte Tradition zurück.

Studenten vor dem Eingang des Kings House der Universität Cambridge (Foto: Ruth Rach)

In schönen Gebäuden lässt es sich gut studieren

Das College ist sehr klein, sehr fein, und sehr sehr alt. Es zählt Nobelpreisträger zu seinen Absolventen, ehemalige Premierminister, bekannte Dichter, legendäre Schauspieler. Aber man lege allerhöchsten Wert auf die Privatsphäre, betont die Leitung. Die interviewten Studenten dürften nur mit Vornamen erwähnt werden, und das College selbst müsse anonym bleiben. Understatement auf die Spitze getrieben. Nun ja, die Universität Cambridge hat eben keine Publicity nötig.

Plakat zum 800. Jubiläum der Universität Cambridge (Foto: Ruth Rach)

Seit 800 Jahren wird hier schon gebüffelt

Die Colleges sind akademisch und finanziell eigenständig. Ihre Namen werden mit Ehrfurcht ausgesprochen. Kings College, Magdalen College, Trinity – das sind nur einige der 31 Colleges, die zur Universität Cambridge gehören. Dieses Jahr feiert diese weltberühmte Instititution ihren 800. Geburtstag. Ein Studien-Abschluss aus Cambridge ist auf jedem Lebenslauf ein ungeheures Plus.

Harte Aufnahmebedingungen

"In Cambridge ist es durchaus cool, hart zu arbeiten. Jeder arbeitet wie besessen", sagt Edmund. Der Student schiebt sein rostiges altes Fahrrad in Richtung College. Er ist gerade einmal 20 Jahre alt, wirkt locker und selbstbewusst. Gar nicht wie ein Streber. "Wenn meine Schwester zu Besuch kommt, findet sie, die Leute wirken nicht ganz normal, jeder scheint in Gedanken versunken", erzählt Edmund. "Aber klar, Cambridge ist ja auch ein kleiner Ort, proppevoll mit Intellektuellen, wie ein Internat oder ein Campus, und da wird die Atmosphäre schon ziemlich intensiv."

Edmund kommt aus Schottland. In Cambridge studiert er Englische Literatur und Französisch. Sein Bildungsweg ist typisch für viele seiner Kommilitonen: erst eine staatliche Grundschule, dann eine gute Privatschule. Aber für Cambridge braucht man nicht nur die besten Noten. Man muss sich auch in einem persönlichen Bewerbungsgespräch behaupten: Da wird man auf Herz und Nieren geprüft. Edmund hat die Situation mit seinen Lehrern und Freunden wochenlang durchgespielt und war dennoch überrascht, als er es schaffte: Die Bewerber aus vornehmen Internaten hätten viel eloquenter gewirkt, aber nach einem halben Jahr seien die Unterschiede nicht mehr zu merken.

Gebäude und Garten der Universität Cambridge (Foto: Ruth Rach)

Nobelpreisträger und Berühmtheiten zählen zu den Absolventen. Unter ihnen: der Forscher Charles Darwin, der Physiker Isaac Newton, Prinz Charles und der Komiker Sacha Baron Cohen

Butler in der Mensa

Edmund stellt sein Fahrrad neben der mittelalterlichen Portiersloge ab. Das Mittagessen wird in der Hall serviert, ein dunkles, holzgetäfeltes Gebäude mit Butzenscheiben und dunklen Ölportraits. Die Studenten tragen T-Shirts und Jeans. Ein formell gekleideter Butler weist ihnen den Weg.

Edmund erklärt die Grundeinstellung der Collegeleitung: "Wir stellen Leute an, um euer Bett zu machen, euer Geschirr abzuwaschen, auf euch aufzupassen, euch zu kontrollieren, euch das Essen zu kochen, und Ihr müsst euch auf eure Arbeit konzentrieren."

Nicht nur Tutorials, auch Dinners sind anstrengend

Eingang des Peter House der Universität Cambridge (Foto: Ruth Rach)

Draußen Idylle pur - drinnen fleißige Studenten

Edmund muss jede Woche zwei Essays schreiben und zweimal in der Woche zu einem persönlichen Tutorial gehen: Ab und zu besucht er Vorlesungen, aber zumeist ist er sich selbst überlassen. Die Einzel-Tutorials sind anstrengend. "Das ist wie ein Verhör", erzählt Edmund, "man muss jede Bemerkung genau rechtfertigen. Was man dabei lernt, ist, schnell zu denken, schlagfertig zu sein, gute Nerven zu bewahren und unbequemen Fragen geschickt auszuweichen - ein ausgezeichnetes Training für Politiker." Auch formelle Dinners seien kein Vergnügen. Wer neben einem Professor sitzt, muss versuchen, intellektuell zu brillieren. Er muss sich Gegenargumente ausdenken und genau erklären, was er meint. Auch das sei im späteren Leben äußerst nützlich, so Edmund.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Brücke über den Graben am Queens Kollege der Universität Cambridge (Foto: Ruth Rach)

Cambridge bietet seinen Studenten ein hervorragendes berufliches Netzwerk

Abendstimmung im College - in der mittelalterlichen Kapelle wird zur Abendmesse geläutet. Weniger als eine Hand voll Studenten versammeln sich im geschnitzten Chorgestühl. In der Bar hingegen drängen sich die Studenten, entspannen sich vor Video-Konsolen, trinken Bier aus der Flasche. Auf dem feinen Rasen im Innenhof spielt sich währenddessen ein anderes Ritual ab: Die "First Years," die Studenten im ersten Jahr, schreiten zum Dinner. Es herrscht Dresscode: tief dekolletiertes Abendkleid, eleganter Smoking.

In einem Jahr macht Edmund seine Abschlussprüfung. Seine Zunkunftspläne sind noch nicht ausgereift. Ein Praktikum hat er bereits in einer Bank in der Londoner City gemacht, ein anderes bei der BBC. In den nächsten Ferien will er in einem Verlag mitarbeiten. Für Cambridge Studenten ist es kein Problem, interessante Praktika zu bekommen. "Solange mir meine Arbeit Spaß macht, ist es eigentlich egal, was ich werde. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde etwas Wichtiges machen, wenn ich die Universität verlasse."

Autorin: Ruth Rach
Redaktion: Pouyeh Ansari

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