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Bildung

Elite! Für alle? Elite? Für Alle!

Einmal im Jahr lobt das Deutsche Studentenwerk unter Designstudenten einen Wettbewerb zu bildungspolitischen Themen aus. Dieses Jahr war das Thema besonders umstritten. Es ging um Elite.

Henning Kreitel: 'Zieh' einfach'

Henning Kreitel: "Zieh' einfach"

Eine Hand, die dem Betrachter vier Streichhölzer hinhält. Eines davon ist durch den Schriftzug Elite ersetzt. Wer zieht den kürzeren, wer zieht das große Los? Mit seiner Arbeit "Zieh' einfach" wollte Henning Kreitel Elite als "eine gewisse Lotterie" darstellen. Das Deutsche Studentenwerk verlieh dem Stuttgarter Kommunikations-Design-Studenten für diesen Entwurf den ersten Preis in seinem Plakatwettbewerb.

Ein Streichholz auf dem Weg

Antje Kammrath: 'Elitegedeck'

Antje Kammrath: "Elitegedeck"

Zum 23. Mal hat das Studentenwerk unter Designstudenten einen Plakatwettbewerb zu hochschulpolitischen Themen ausgeschrieben. "Elite! Für alle?" – so lautete diese Jahr das Thema. Die Idee zu dem Plakat kam Kreitel beim Spazieren gehen mit seiner Freundin, der übrigens auch die Hand auf dem Plakat gehört. "Bei den nicht kreativen Aktionen kommen einem die besten Ideen", meint der Designstudent. Er habe ein Streichholz entdeckt und dann sei die Idee einfach da gewesen.

"Ich finde es schön, wie der Begriff hier so vielschichtig dargestellt wurde, aber ich vermeide ihn lieber, das ist auch politisch korrekter", gibt Henrik Enderlein auf der Preisverleihung zu. Er ist jemand, für den Elite zum täglichen Geschäft gehört. Enderlein leitet die Hertie School of Governance. Eine private Managementschule mit 80 Studenten pro Jahr. 5000 Euro kostet das Studium pro Semester.

Preisträgerinnen und Preisträgern

Die Preisträger mit den Organisatoren des Wettbewerbs

In Deutschland klingt der Ruf nach Elite-Universitäten ein bisschen unerhört. "Bildung für alle" hieß hier jahrzehntelang der Anspruch, unter dem sich Bildungspolitik präsentierte – ob sie das nun eingehalten hat oder nicht. Seit einigen Jahren hat sich aber der Begriff Elite in die Debatte eingeschlichen. Die Bundesregierung möchte, dass auch staatliche Universitäten den Anspruch entwickeln, sich von der Masse abzuheben. Von Elite mag man im Ministerium zwar nicht sprechen, aber immerhin von Exzellenz. Neun Universitäten wurden in einem Wettbewerb zu sogenannten Exzellenzuniversitäten gekürt und mit Forschungsmitteln ausgestattet. "Egal, ob in den USA oder in China, diese Initiative hat enorm Furore gemacht", erklärt Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium.

Ohne Basis keine Spitze

Für Andreas Redeker, der für die "Allgemeinen Studentenausschüsse" in der Jury saß, ist das eine Provokation. Viele Studenten lehnen die Exzellenzinitiative ab, weil sie der Ansicht sind, dass dabei eine kleine Minderheit auf Kosten der Mehrheit der Studierenden gefördert wird. "Ich glaube nicht, dass wir Leistungseliten trimmen müssen", erklärt er, "sondern dass wir verantwortungsvolle Personen an verantwortungsvollen Positionen brauchen, und genau daran fehlt es an vielen Enden, wie wir zur Zeit in der Krise sehen."

Sebastian Knickmann Ohne Basis keine Spitze

Sebastian Knickmann: "Ohne Basis keine Spitze"

Ein Aspekt, über den Bildungspolitiker, Experten und Studenten endlos weiterdiskutieren können. Viele der 344 Entwürfe, die 218 Studenten eingereicht haben, thematisieren diese Fragen. So zeigt ein Plakat einen Berggipfel, der untere Teil des Bildes ist abgeschnitten. In kleiner Schrift steht auf der weißen Fläche: "Ohne Basis keine Spitze". Die Jury entschied sich für weniger didaktische Entwürfe. Den zweiten Platz erhielt Antje Kammrath von der Hochschule Wismar mit einem Plakat, das ein Brustpiercing zeigt, von dem in Metallbuchstaben das Wort Elite herabhängt.

Aufmerksamkeit durch Provokation

Antje Kammrath: 'Elitepiercing'

Antje Kammrath: "Elitepiercing"

Die abgebildete Brust gehöre einem Bekannten, der Friseur sei, erzählt sie. "Und der hat auch wirklich dieses Piercing so gehabt, wie es zu sehen ist. Es ist nichts montiert, es ist alles echt."

Ein Zufallsfund wie die Streichhölzer also, aber einer, der den Gesetzen der Werbung gehorcht. Die mehrfach durchstochene Brustwarze verursacht einem schon beim Hinschauen ein leichtes Ziehen. Dass links oben auch noch ein Tatoo ins Bild hineinreicht verstärkt den Hingucker-Effekt. "Mit Provokation bekommt man Aufmerksamkeit. So ist das", kommentiert Antje Kammrath.

Und mit dieser Einstellung gewann sie dann auch gleich noch Platz Drei dazu. Ihr zweiter Entwurf zeigt einen vornehm gedeckten Tisch, auf dem ein angebissener Hamburger liegt. Quer über das Arrangement ist mit Ketchup das Wort Elite geschmiert. Der Name des Werkes: "Elitegedeck".


Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Gaby Reucher