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Musik

Elisabeth Pott: "Gegen Ängste hilft nur die Aufklärung"

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung erklärt, wie Opernmelodien ein wirksames Mittel gegen eine weltumspannende Krankheit sein können - und was noch zu tun ist.

Deutsche Welle: Es gibt alljährliche Operngalen für die Deutsche AIDS-Stiftung in Bonn, Düsseldorf und Berlin. Bei all dem müssten Sie inzwischen jede Opernarie kennen…

Elisabeth Pott: Entscheidend ist, dass eine schöne Atmosphäre entsteht und dass die Präsentation durch immer wieder andere Künstler neu ist. Und ich glaube, dass wir hier in Bonn ein Klima in der Oper haben, die bei anderen Veranstaltungen nur ganz selten herzustellen ist.

Wie viel machen die Erlöse aus den Operngalen von Ihrem Finanzbedarf aus?

Einen großen Teil. Durch die finanzielle Leistung von Sponsoren und die kostenlose Beteiligung der Künstler - auch dadurch, dass wir hier ohne Kosten an der Bonner Oper sein können - ergibt das eine gute Rendite sozusagen.

Deutschland Elisabeth Pott stellt Initiative zur Prävention von sexuellem Missbrauch vor (dapd)

Elisabeth Pott

Ist das Bonner Publikum spendabel?

Der Ertrag dieser Galen ändert sich immer wieder, aber in erster Linie geht es darum, das Thema HIV und AIDS im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Die Deutsche AIDS-Stiftung unterstützt einzelne Hilfsbedürftige. Was macht sie sonst noch? 

Wir setzen uns auch für den Abbau von Diskriminierung und Vorurteilen ein, auch gegen die Ausgrenzung von Betroffenen. Das tun wir, indem wir mit Partnern das Thema aufgreifen, beispielsweise in Arztpraxen und Krankenhäusern. Dort werden HIV-Infizierte immer noch diskriminiert: Sie kommen entweder als letzte dran oder werden nur in einer Extra-Sprechstunde behandelt. Eine solche Behandlung erfolgt aufgrund von Ängsten und Vorurteilen. Angst ist aber irrational, und je besser man sich informiert, desto geringer sind Vorurteile oder Verachtung.

Sie helfen Einzelnen auf Antragsbasis. Ist das nötig, weil staatliche Leistungen nicht ausreichen?

Ja, denn es geht auch um Empfänger von Sozialhilfe, und staatliche Leistungen reichen manchmal nicht für Extras, wie etwa einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine - auch wenn es in Bezug auf hygienische Erfordernisse sogar um lebensrettende Extras geht. Wir leisten auch ganz viel Nothilfe. Prävention gehört dagegen nicht zu unseren primären Aufgaben. Ich war 30 Jahre lang Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und sie hat in Deutschland gute Erfolge verzeichnet. Ein neueres Thema, was uns beschäftigt, ist die Betreuung von Infizierten und Erkrankten unter den Migranten. Da ist zurzeit noch viel Bedarf.

Sie sind auch im subsaharen Afrika unterwegs. Warum?

Da wollen wir noch viel mehr tun. Aber überall, wo es Gewalt gibt und wo Menschenrechte missachtet werden, ist die Gefahr der Verbreitung dieser Krankheit groß.

Wie ist die Situation in Europa?

Die richtigen Krisenherde sind in Osteuropa, zum Beispiel in Russland und der Ukraine.

Gehören dort männliche Homosexuelle zu der Hauptrisikogruppe?

Man weiß das nicht so genau, denn in den Ländern werden Homosexuelle diskriminiert. Jedenfalls ist es nicht ganz einfach,  Länderzahlen zu vergleichen. Ganz klar dagegen ist: Überall, wo der Staat Präventions- und Aufklärungsarbeit leistet, geht die Rate an Neuinfektionen deutlich zurück. Wenn aber die Regierung wechselt und diese Arbeit vernachlässigt wird, steigt sie wieder. 

Zurück zur Operngala: Sie und Ihre Kollegen leisten eine mitunter traurige Arbeit. Hilft es dann, eine solche Veranstaltung zu organisieren? Ist der Kontakt mit den Künstlern und mit der Musik eine Entlastung?

Unsere Arbeit ist sehr befriedigend, denn es geht darum, Menschen zu helfen - auch wenn viele traurige Einzelschicksale dabei sind. Und ja, niemand hat etwas gegen ein paar schöne Stunden in der Oper.

Seit Januar 2015 ist Elisabeth Pott ehrenamtliche Vorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung in Bonn. Von 1985 bis 2015 wirkte sie als Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und gehört zu den herausragenden Experten auf dem Gebiet von HIV/AIDS.

Das Gespräch mit ihr führte Rick Fulker.

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