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Fußball international

Elftal im tiefen Tal

Dem Nationalteam der Niederlande droht der K.o. in der WM-Qualifikation. Händeringend wird nach der Entlassung von Bondscoach Danny Blind nach einem Nachfolger gesucht. Wer auch immer es wird, er ist nicht zu beneiden.

Geht es nach den niederländischen Fußball-Fans, wird der neue Nationaltrainer ein alter Bekannter. In einer Online-Umfrage der Zeitung "De Telegraaf" stimmten 39 Prozent für Louis van Gaal, der das Oranje-Team 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien auf den dritten Platz geführt hatte. Auf Platz zwei folgten der frühere Nationalspieler Frank de Boer und der deutsche Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit jeweils 17 Prozent.  Zwölf Prozent entschieden sich Ronald Koeman, fünf Prozent für Ruud Gullit, beide in ihrer aktiven Zeit Vertreter der "Goldenen Generation" des niederländischen Fußballs.

Stevens: "Das schafft Oranje nicht"

Das Nachbarland Deutschlands steht nach dem 0:2 in der WM-Qualifikation in Bulgarien immer noch unter Schock. Mit nur sieben Punkten liegt das niederländische Team in seiner Qualifikationsgruppe nur auf Platz vier hinter Frankreich (13 Punkte), Schweden (10) und Bulgarien (9). "Das schafft Oranje nicht mehr", glaubt der langjährige Bundesliga-Trainer Huub Stevens. Auch Stürmer Rafael van der Vaart hat kaum noch Hoffnungen. "Es wird ganz schwer, sich zu qualifizieren", sagte der 109-malige Nationalspieler, der jetzt in Dänemark spielt: "Wenn du gegen Bulgarien nicht gewinnst, dann ist das schon ein Schock."

Arjen Robben nach der Niederlage in Sofia. Foto: Reuters

Arjen Robben, Kapitän des Oranje-Teams, war nach der Pleite in Sofia bedient

Einmaliger Auftritt für Fred Grim

Es war der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ. Der niederländische Verband KNVB entließ nach der Pleite in Sofia Bondscoach Danny Blind. Fast alle sind sich einig: Die knapp 20 Monate, in denen der Ex-Nationalspieler Oranje trainierte, waren ein einziges Missverständnis. Erst die verpasste Qualifikation für die Euro 2016, und jetzt auch noch der drohende K.o. für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Schlimmer geht es kaum. "Wir hoffen, schnell mit einem neuen Bondscoach zu einer Einigung zu kommen, aber es wird sicherlich nicht schon in einer Woche klar sein", sagte KNVB-Direktor Jean Paul Decossaux. Zumal der Verband selbst unruhige Zeiten hinter sich hat. Vor einigen Wochen hatten neben Sportdirektor Bert van Oostveen auch die Trainer-Assistenten Dick Advocaat und Marco van Basten den KNVB verlassen. Im Testspiel am Dienstagabend gegen Italien wird Blinds Assistent Fred Grim auf der Trainerbank sitzen, ein wohl nur einmaliger Auftritt als Hauptverantwortlicher.

Beton angerührt

Großbritannien Manchester United Trainer Louis Van Gaal (picture-alliance/dpa/N. Roddis)

Der Ruf nach Louis van Gaal wird lauter

Der immer lauter werdende Ruf nach Luis van Gaal zeigt auch einen gewissen Grad an Verzweiflung. Denn der inzwischen 65-Jährige ist nicht gerade der Sympathieträger schlechthin in den Niederlanden. Zweimal führte van Gaal bereits die "Elftal", von 2000 bis 2002 und von 2012 bis 2014. Seine erste Zeit als Bondscoach endete vorzeitig, als die Niederlande in der WM-Qualifikation scheiterten. Und auch bei seinem zweiten Auftritt als Nationaltrainer kritisierten viele trotz Platz drei bei der WM in Brasilien die Defensivtaktik van Gaals, der zeitweise sogar mit einer Fünfer-Abwehrkette „Beton anrührte". Nach seinem insgesamt eher enttäuschend verlaufenen Gastspiel als Trainer des Premier-League-Traditionsvereins Manchester United - einziger Erfolg war der FA-Cup-Gewinn 2016 - hatte sich der Trainer im vergangenen Jahr ins Privatleben zurückgezogen.

Fehler in der Nachwuchsarbeit

Egal wie er heißen wird, der neue Bondscoach ist nicht um seine Aufgabe zu beneiden. Erfahrene Spieler wie Kapitän Arjen Robben (33 Jahre alt) oder Wesley Sneijder (32) stehen im Herbst ihrer Karriere. Der Mittelbau fehlt, und die ganz junge Talente wie der 17 Jahre alte Verteidiger Matthijs de Ligt, den Danny Blind in Bulgarien in die Startelf gestellt hatte, wirken noch überfordert. Überhaupt rücken viel weniger Nachwuchsspieler nach als zu den Glanzzeiten des niederländischen Fußballs, als die Kaderschmiede von Ajax Amsterdam als Paradebeispiel gelungener Jugendarbeit galt. "Unser Problem ist, dass Spieler mit 16 oder 17 Jahren ins Ausland gehen, obwohl sie nie vorher als Profi in Holland gespielt haben", sagt Ruud Gullit, der einst bei Ajax ausgebildet wurde und die Elftal 1988 zum Europameistertitel führte. "Aber im Ausland spielen sie nur in der zweiten Mannschaft und sammeln keine Erfahrung." Kapitän Arjen Robben bringt es die Krise des niederländischen Fußballs auf den Punkt: "Uns fehlt schlicht die Qualität."

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