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Sport

Elfenbeinküste holt den Afrika-Cup

120 torlose Minuten plus 22 Elfmeter plus eine Menge Glück: All das benötigte die Elfenbeinküste um im Finale des Afrika-Cups gegen Ghana zu gewinnen. DW-Reporter Adrian Kriesch war dabei.

Die Stimmung zum Spielbeginn im Block der Ghana-Fans ist prächtig. Nana Fredua steht mittendrin, ist erst vor wenigen Stunden mit einem Fan-Flieger von Accra nach Bata in Äquatorialguinea geflogen. Leicht hat er sich die Entscheidung nicht gemacht, nachdem im Halbfinale gegen Äquatorialguinea knapp 500 Fans aus Ghana erst durchs Stadion, dann durch die Stadt gejagt wurden. Die Nacht mussten sie aus Sicherheitsgründen in ihrer Botschaft verbringen.

"Klar haben wir darüber gesprochen", sagt der junge Mann, der gerade sein Studium beendet hat. "Aber nachdem uns die Regierung von Äquatorialguinea Sicherheit versprochen hat, haben wir uns dafür entschieden, unser Land hier zu unterstützen." Sein Freund Prince Nasir neben ihm lacht: "Meine Frau hat mir gesagt, dass ich sehr vorsichtig sein soll - sie will keine Witwe werden."

Durchschnittliches Spiel, spannendes Elfmeterschießen

Im nur halbvollen Stadion von Bata beginnt das Spiel vorsichtig, bis auf ein paar Distanzschüsse gibt es kaum gute Torchancen. Erst in der 26. Minute wird es kurz laut im Fanblock der Ghanaer, nachdem Atsu den Pfosten trifft. Erst Ende der zweiten Hälfte entwickelt sich ein munterer Schlagabtausch. Aber auch nach 90 Minuten und zusätzlichen 30 Minuten Verlängerung fallen keine Tore. Elfmeterschießen.

Ghana Fan Nana Fredua auf der Tribüne (Foto: DW/A. Kriesch)

Noch kann Ghana-Fan Nana Fredua lächeln

Im Fanblock der Ghanaer zieht sich Nana Fredua nervös ein Trikot über den Kopf und wischt sich den Schweiß ab. "Das ist wie eine Wiederholung der Geschichte. 1992 im Senegal haben wir auch so gegen die Elfenbeinküste gespielt", erinnert er sich. Das Spiel verlor Ghana 10:11.

"Man darf nie aufgeben, das ist das Wichtigste im Fußball"

Aber diesmal läuft es gut für Ghana. Bony und Tallo scheitern bei den ersten zwei Elfmetern für die Elfenbeinküste, Ghana trifft. Doch dann zeigen Acquah und Acheampong Nerven, es steht wieder unentschieden. Alle folgenden Spieler treffen, dann muss Ghanas Torhüter Razak Brimah ran - und verschießt. Sein Kollege Boubacar Barry macht es besser - und Spieler und Fans der Elfenbeinküste sind im Freudenrausch. "Man darf nie aufgeben, das ist das Wichtigste im Fußball", sagt Trainer Hervé Renard nach dem Spiel. Die Geschichte von 1992 hat sich wiederholt.

Besonders glücklich darüber ist Yaya Touré, Mannschaftskapitän und Afrikas Fußballer des Jahres. "Das ist wirklich etwas Unglaubliches", so der Mittelfeldspieler von Manchester City. "Ich bin jetzt seit acht Jahren in der Nationalelf. Zwei Mal bin ich im Finale gescheitert. Darauf habe ich lange gewartet."

Lob für Äquatorialguineas schnelle Organisation

Mit dem Sieg der Elfenbeinküste kehrt jetzt auch im kleinen westafrikanischen Land Äquatorialguinea langsam wieder Ruhe ein. Der autokratisch regierende Präsident Teodoro Obiang Nguema hatte dem afrikanischen Fußballverband CAF spontan angeboten, das Turnier auszurichten, weil Marokko aus Angst vor Ebola absagte. "Ich denke, Äquatorialguinea hat unglaublich gute Arbeit geleistet, weil es den Afrika-Cup in kürzester Zeit organisiert hat", sagt Frédéric Kanouté im Gespräch mit der DW. Der ehemalige französisch-malische Fußballer schaute sich selbst einige Spiele vor Ort an und betont, dass das Land nur zwei Monate Vorbereitungszeit hatte.

Ebola hat sich während des Turniers nicht als Problem erwiesen, was sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch die CAF bereits vor Beginn vorausgesagt hatten. Trotzdem engagierte Äquatorialguinea 50 Ärzte aus Kuba für Kontrollen an den Flughäfen. Bei jedem Zutritt ins Stadion mussten sich die Zuschauer die Hände desinfizieren.

Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang Nguema mit Pokal (Foto: S. De Sakutin/AFP/Getty Images)

Präsident Obiang bei der Gruppenauslosung für den Afrika-Cup im vergangenen Dezember

Gescheiterte Image-Politur für Präsident Obiang

Ein Problem für Präsident Obiang, der vor 35 Jahren gegen seinen Onkel putschte und ihn anschließend hinrichten ließ, waren hingegen Kritiker. Der Menschenrechtsaktivist und ehemalige Universitätsprofessor Celestino Okenve verteilte vor Turnierbeginn kritische Flyer: Das Turnier sei zu teuer, die Ölnation stecke wegen der niedrigen Erdölpreise in einer Wirtschaftskrise. 17 Tage wurde er deshalb ohne Anklage in Haft genommen.

"Obiang wollte mit dem Afrika-Cup sein Image säubern. Aber die Gewalt in Malabo und auch meine Verhaftung sind Beweise, dass sein Image jetzt noch schlechter ist", so Okenve gegenüber der DW. Er kritisiert seit Jahren die mangelnde Meinungs- und Pressefreiheit im Land, sowie die massive Armut vieler seiner Landsleute trotz des Ölreichtums.

Der Fußballfan Nana Fredua aus Ghana hat von diesen Problemen nichts gesehen. Im Gegenteil, er war begeistert von der modernen Infrastruktur in Bata. Trotzdem nimmt er schlechte Erinnerungen mit nach Hause - aus sportlichen Gründen. "Wir hatten viele Chancen, aber letztendlich ist es doch ein Spiel", sagt Fredua kurz nach dem Abpfiff und vor seinem Rückflug. "Wir haben verloren, also müssen wir es nächstes Mal noch mal versuchen.“

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