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Wirtschaft

Elektro-Trend auf zwei Rädern

Stark, schnittig, formschön – das Elektro-Fahrrad hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Die Industrie hofft: Es könnte Menschen zurück in den Sattel holen, die heute gar kein Fahrrad mehr fahren.

Ein Elektrofahrrad der Baureihe Saphir präsentiert eien Mitarbeiterin im Diamant Fahrradwerk (Foto: Hendrik Schmidt)

Elektrofahrrad des deutschen Herstellers Diamant

Was Kurt Schär aus den Anfängen seiner Schweizer Firma Biketec berichtet, hat mit modernen Elektro-Fahrrädern nichts mehr zu tun: Ein junger Konstrukteur, der auf einem Hügel wohnte und im Tal arbeitete, fuhr immer zum Mittagessen mit seinem Fahrrad nach Hause den Berg hinauf. Das war ihm auf die Dauer zu anstrengend. "Und er hat sich eine Autobatterie und einen Scheibenwischermotor an ein Fahrrad zusammengebastelt. Hat funktioniert, war nicht wahnsinnig schön, aber hat funktioniert", erzählt Schär. Bei modernen Elektro-Fahrrädern aber ist die klobige Batterie verschwunden. Und der Motor inzwischen so klein, dass er in die Radnabe passt.

Ausgereiftes Serienprodukt

Das Elektrofahrrad ist längst kein Einzelstück für Bastler mehr, sondern ein tausendfach hergestelltes Serienprodukt. Und dieses Produkt boomt, bestätigt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV: "Wir hatten im Jahr 2007 noch einen Markt von 70.000 Stück und sprechen jetzt für 2010 von über 180.000 Stück, die nach unseren Prognosen verkauft werden." Im letzten Jahr lag der Marktanteil der Elektro-Räder in Deutschland bei vier Prozent. Wichtige Märkte sind außerdem die Niederlande und Skandinavien.

Ein Mitarbeiter der Diamant Fahrradwerke GmbH montiert ein Pedelec in den Diamant-Fahrradwerken in Hartmannsdorf (Foto: Jan Woitas)

Gesamtgewicht unter 20 Kilo: Montage eines Pedelec

Den weitaus größten Teil der E-Räder machen sogenannte Pedelecs aus. Das sind Räder mit einem unterstützenden Elektro-Antrieb. Wenn der Fahrer in die Pedale tritt, arbeitet auch der Motor mit. Entscheidende Voraussetzung für den Pedelec-Boom war eine technische Innovation vor etwa sieben Jahren. " Wir haben die Einführung der Lithium-Ionen-Batterien miterlebt, die das ganze Produkt natürlich erheblich attraktiver gemacht haben. Weil die Batterie kleiner ist bei höherer Kapazität und auch nicht so stark auf den Memory-Effekt reagiert“, erklärt Neuberger.

Gesundheit und Mobilität

Zwei Messebesucher betrachten auf der Messe Bike Expo 2010 in München (Oberbayern) das nach Auskunft der Hersteller schellste und teuerste E-Bike der Welt (Foto: Frank Leonhardt dpa)

Teuer und schnell: Luxus-Elektrofahrrad auf der Messe Bike Expo 2010 in München

Vom Boom profitieren alle in der Fahrradbranche. Unternehmen wie Kurt Schärs Biketec aus der Schweiz, das seit 1995 allein auf E-Fahrräder setzt. Und auch die etablierten Fahrradhersteller, die mittlerweile fast alle auch E-Räder im Angebot haben. So wie die Panther-Werke aus dem westfälischen Löhne, die seit über 100 Jahren Fahrräder produzieren. Und vor einiger Zeit schon in das Geschäft mit E-Mobilität eingestiegen sind, wie Marketingleiter Kai Wippermann berichtet. "Weil wir vor zehn Jahren eine Chance gesehen haben, in dieser Nische unser gesamtes Produktportfolio mit abzubilden. Auch in einem Nischenbereich muss man aktiv werden, weil es zum Einen lukrativ ist und zum Anderen auch die gesellschaftlichen Megatrends abbildet: Gesundheit und Mobilität."

Bei den Panther-Werken hängen mittlerweile 120 Arbeitsplätze direkt an den Elektro-Rädern. Auch die anderen deutschen Fahrradmarken produzieren ihre E-Räder fast ausschließlich in Deutschland. Wie viele Arbeitsplätze das insgesamt ausmacht, kann auch der Branchenverband ZIV nicht so genau beziffern. Aber in diesen Tagen ist zum Beispiel auch der Elektronik-Riese Bosch Mitglied im Industrieverband Zweirad geworden. Die Schwaben stellen auf der Fahrradmesse Eurobike einen neuen Hochleistungsantrieb für Elektro-Räder vor.

Alle Marktnischen besetzt

Kurt Schär, der Geschäftsführer von Biketec, ist zuversichtlich, dass auf einem wachsenden Markt Platz für alle Anbieter ist, auch für die kleineren. Denn alle Hersteller versuchen, sich zu positionieren: "Wer ein Mittelklasse-Produkt will, geht in der Regel zum Fahrradhersteller und holt sich da ein qualitativ gutes Elektrorad. Und wer die Premium-Kategorie will, holt sich sein Rad vom Spezialisten. So gehen wir davon aus, dass jeder seine Nische pflegt und jeder bestehen kann."

Momentan, so Schär, reichen die Kapazitäten aller Hersteller zusammengerechnet nicht aus, um die Nachfrage nach Elektro-Fahrrädern zu befriedigen. Für 2018 sagen Experten den E-Rädern einen Marktanteil von 20 Prozent voraus. Die nächsten technischen Entwicklungen dürften leistungsfähigere Akkus und Motoren sein. Die Elektro-Flitzer könnten die Menschen zurück auf die Pedalen holen, die heute eigentlich kein Fahrrad mehr fahren, hofft die Industrie.

Autor: Christian Siepmann

Redaktion: Klaus Ulrich

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