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Asien

Elektro-Bikes auf Chinas Straßen

Elektro-Autos statt Spritfresser, um Klima und Umwelt zu schonen - davon träumt Europa. In China ist die sogenannte E-Mobilität schon Alltag, allerdings: auf zwei Rädern. Elektroräder erobern die Straßen.

Elektroräder in Shanghai (Foto: DW)

Elektroräder gehören auf Shanghais Straßen mittlerweile dazu

Krach machen Elektroräder nur, wenn sie stehen: wenn man beim Einparken auf den oft vollgestopften Zweiradparkplätzen aus Versehen eine Alarmanlage auslöst. Ansonsten surren die E-Bikes nahezu geräuschlos über die Shanghaier Strassen. Das ist nicht ungefährlich. Denn die elektrischen Flitzer sind schnell - und sie sind überall. Insgesamt sausen über Chinas Straßen mittlerweile über 140 Millionen E-Bikes.

E-Bike-Händler Ye Jian (Foto: DW)

E-Bike-Händler Ye Jian

Eine lautlose Revolution der Fortbewegung, über die sich Ye Jian freut. Der stämmige Mittvierziger ist Filialleiter im Zweiradladen Kai-Kai im Norden Shanghais. Das Angebot reicht von Fahrrädern mit Hilfsmotor bis hin zu luxuriös wirkenden Elektrorollern im Vespa-retro-Stil. Im Durchschnitt verkauft Ye zehn Räder täglich. Die Preisspanne reicht von rund 200 Euro bis zu 420 Euro. Einige arbeiten mit 24, andere mit 48 Volt. Und auch beim Gewicht gibt es deutliche Schwankungen - zwischen 35 und 50 Kilogramm. Die Zukunft - da ist sich Ye sicher - liegt in den Lithium-Batterien. "Sie sind leicht, sauber, einfach zu benutzen und zu transportieren."

Lithium contra Blei-Säure

Noch fahren allerdings 95 Prozent aller chinesischen Elektroräder mit klassischen Bleisäurebatterien - es ist die gleiche Technik wie bei Autobatterien, erklärt der Fachmann. "Die Räder mit den Bleisäurebatterien haben größere Reichweiten, können mehr transportieren und wirken luxuriöser." 50 bis 60 Kilometer schaffen diese E-Bikes mit einer Batterieladung. Für den Alltagsbetrieb in der Stadt reicht das völlig aus.

Deshalb ist auch Zhang Ping in das Geschäft gekommen. Sie selbst hat schon ein Elektrorad; jetzt will sie eins mit Lithium-Batterie für ihre Tochter kaufen. "Mit der U-Bahn braucht sie zwar nur eine halbe Stunde zur Arbeit, aber sie muss zweimal umsteigen. Mit dem Rad ist es viel bequemer - und wenn sie will, kann sie auch ein bisschen trainieren und mit in die Pedale treten."

Blauer Himmel statt grauer Dunst

Ein weißes E-Bike im Laden (Foto: DW)

Ein nagelneues E-Bike im Geschäft

Die massenhafte Verbreitung der Elektroräder in China ist dabei weniger das Ergebnis umweltbewusster Förderung von oben. Sie ist die Reaktion von Herstellern und Verbrauchern auf staatliche Gängelung. In den 90 größten Städten des Landes ist der Verkauf von Mopeds und Motorrädern nämlich verboten oder zumindest beschränkt. Guo Jianrong, der Generalsekretär der Shanghaier Fahrradvereinigung, findet diese Entwicklung natürlich positiv. "Vor zehn Jahren war Shanghai voll von Motorrollern. Viele haben den Treibstoff nicht richtig verbrannt, die Luftverschmutzung war gigantisch", erinnert er sich. Heute sei das deutlich anders. "Häufig können wir um diese Jahreszeit blauen Himmel und weiße Wolken sehen. Vor zehn Jahren war das unmöglich."

Elektroräder sind von den Beschränkungen ausgenommen. Sie gelten als Fahrräder, dürfen auf den Radwegen fahren. Außerdem braucht man keinen Führerschein und muss sie nicht anmelden. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr chinesische Fabriken 24 Millionen E-Bikes produziert haben. Nach dem heimischen Markt will China nun die Welt erobern.

Wettbewerbsvorteile und geschickte Rechnungen

E-Bike (Foto: DW)

E-Bikes - auch als Lastentransporter geeignet

Guo Jianrong zufolge hat China im letzten Jahr bereits 650.000 Elektroräder exportiert. "Im Bereich der E-Bike-Technologie ist China führend in der Welt. Wir haben einen großen Vorsprung in der Produktionstechnik." Und das sei noch nicht alles, so Guo Jianrong weiter. Darüber hinaus könnten europäische Produkte mit dem chinesischen Preis-Leistungs-erhältnis nicht mithalten. "Bei uns kostet ein Lithium-Batterie-Rad nur rund 300 Euro. Wenn man sieht, dass sie in Deutschland 1000 bis 1500 Euro kosten, liegt unser Preisvorteil auf der Hand."

So begrüßenswert der Trend zur massenhaften Elektromobilität in China auf den ersten Blick ist - E-Bikes sind am Ende immer nur so umweltverträglich wie der Strom, der sie antreibt, betont Martin Lockström von der China-Europe International Business School in Shanghai. "Die Fahrzeuge selbst stoßen zwar kein CO2 aus. Aber wir müssen uns anschauen, wie der Strom hergestellt wird. Und zur Zeit produziert China 70 Prozent seiner Elektrizität mit Kohle." Anders ausgedrückt bedeutet das: Der Dreck kommt einfach woanders herunter.

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Esther Broders

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