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Wirtschaft

Elektrische Rekordfahrt

Nonstop von München nach Berlin: Weltweit zum ersten Mal hat ein Elektroauto eine Strecke von rund 600 Kilometern ohne Aufladen zurückgelegt. Der Versuch wird als Durchbruch für die Branche gefeiert. Zweifel bleiben.

Elektroauto (Foto: dpa)

So lange hielt noch kein E-Auto durch

Das Projekt wurde von dem jungen Berliner Technologieunternehmen DBM Energy und dem Energieanbieter lekker Energie durchgeführt. Die Distanz, die der umgebaute Audi A2 zurücklegte, ist die weiteste jemals ohne Ladestopp gefahrene Strecke. Eigentlich war der Versuch erst für 2015 geplant gewesen.

Im Schnitt Tempo 90

Das Elektromobil ist nach Angaben der Unternehmen wie ein herkömmliches Auto ausgestattet. Es hat vier Sitze, Klimaanlage, Radio, Sitzheizung, einen vollständig nutzbaren Kofferraum, Servolenkung, Airbags und Antiblockiersystem. Im Schnitt fuhr der Wagen mit 90 Kilometern die Stunde. Die Langstreckenfahrt sei nur durch eine neuartige Akkutechnik möglich gewesen, die in dem Auto eingesetzt worden sei, teilten die Unternehmen mit. Erst kürzlich sei ein mit ähnlichen Akkus ausgestatteter Gabelstapler 32 Stunden gefahren. Normalerweise seien vergleichbare Gabelstapler nur acht Stunden einsatzbereit.

Elektroauto (Foto: dpa)

600 Kilometer mit einer Ladung - allerdings nur bei 90 Stundenkilometer

"Jetzt geht das Verkaufen los"

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle feierte die Weltrekordfahrt als "Durchbruch". "Jetzt kommt es darauf an, dass aus dieser Meisterleistung made in Berlin ein Welterfolg wird", sagte Brüderle nach der Ankunft des Autos im Hof seines Ministeriums. Deutschland habe damit einmal mehr bewiesen, dass es weltweiter Technologieführer sei. "Der erzielte Langstrecken-Weltrekord zeigt, dass Entfernungen von 600 Kilometern mit einem Elektrofahrzeug keine Utopie sind."

Der Geschäftsführer der lekker Energie, Thomas Mecke, sagte: "Die Forschung ist abgeschlossen, jetzt geht das Verkaufen los". Es gehe nun darum, auch große Autokonzerne von der besonderen Technologie zu überzeugen. Die Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis kann nach Unternehmensangaben bis zu 500.000 Kilometer schaffen, bevor sie ausgetauscht werden muss. Sie ist bisher nicht zu kaufen und soll nun zur Serienreife weiterentwickelt werden.

Vorbereitungen rund um die Uhr

Elektroauto (Foto: dpa)

Ein neuer Akku macht's möglich

DBM-Chef Mirko Hannemann berichtete, dass vor der Weltrekordfahrt 50 Experten sechs Wochen lang fast rund um die Uhr an der Technik gefeilt hätten. Viele Außenstehende hätten nicht an den Erfolg geglaubt, da es sich um ein sehr junges Unternehmen handelt, sagte der 27-Jährige. Das Projekt wurde von Brüderles Ministerium unterstützt. Die Bundesregierung hatte in ihrem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität erst für das Jahr 2015 Fahrten mit alltagstauglichen E-Autos von mehr als 300 Kilometern ohne Aufladen angepeilt. Ähnliche Langstrecken-Versuche sind bereits mit Experimentalautos unternommen worden. So war es im Mai dem Japan Electric Vehicle Club gelungen, mit einem Elektroauto 1000 Kilometer zu fahren, ohne die Batterie zwischendurch aufzuladen. Allerdings kann dieses Gefährt nicht im Alltag eingesetzt werden.

Bis 2020 will die Regierung eine Million Elektroautos auf die Straße bringen. Neben dem Klimaschutz spielt das knapper werdende Öl eine wichtige Rolle. Eine Kaufprämie zur Ankurbelung der Elektromobilität lehnt die Bundesregierung aber ab.

Autor: Arne Lichtenberg (dpa, afp)
Redaktion: Rolf Wenkel