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Kultur

Electronic meets Salsa - der Musiker Señor Coconut

Man nennt ihn auch den Mann der 1000 Masken: Señor Coconut alias Uwe Schmidt. Ob Electric Salsa oder Electrolatino - seine Genres erfindet der Musiker selbst.

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Uwe Schmidt

Ob in den USA oder Asien - weltweit überboten sich die Kritiker mit Lobeshymnen. Jetzt legt Señor Coconut nach und verneigt sich vor dem "Yellow Magic Orchestra", dem fernöstlichen Gegenstück zu Kraftwerk. Er ist ein Meister der Verwandlung: Uwe Schmidt, alias Señor Coconut. "Eines Tages hatte ich Fieber, eine Grippe - und ich bekomme immer sehr hohes und sehr kurzes Fieber", erzählt er. "Und da hatte ich irgendwie so eine Fiebervision, in der sich Señor Coconut in meinem Kopf festgebrannt hat, ich hatte das Foto vom ersten Cover im Kopf mit diesem Schriftzug: Señor Coconut."

Zerlegen und erschaffen

Die Vorreiter der elektronischen Popmusik, die deutsche Gruppe Kraftwerk, hat er schon erfolgreich gecovert: Auf seinem Album "El Baile Aleman" mit Coversongs der Band kreierte Señor Coconut eine neue Form des Electric Salsa. Jetzt kommt das japanische Pendant Yellow Magic Orchestra dran. Elektronik trifft auf lateinamerikanische Rhythmen - und wird zu Electrolatino.

"Mein Ansatz ist der, einfach auch verschiedene Wege aufzuzeigen für lateinamerikanische Musik, genauso wie für elektronische Musik", sagt Schmidt. "Also diese Fusion, die ich als Señor Coconut erstelle, öffnet eigentlich so Türen in beide Wege." Für sein neues Album hat er eine komplette Liveband aufgenommen und auf dem Laptop neu zusammengesetzt. Señor Coconut zerlegt und erschafft sich und seine Songs neu.

Musik in Schichten

Seine Arbeit bewegt sich im Rahmen des Sachzwangs. "Bei Señor Coconut gibt's keine Millionenbudgets, das heißt, ich kann nicht mir Musiker suchen und die drei Monate proben lassen, bis es so perfekt klingt, wie ich das will", erzählt Schmidt. "Sondern ich hab den Sound im Kopf, die Perfektion im Kopf, wie tight das sein soll, wie präzise, oder wie viele Wechsel, wie viele Breaks. Und es gibt keine Möglichkeit, das auf andere Art und Weise so hinzubekommen, wie eben die Musik in Schichten aufnehmen."

Sein elektronisches Handwerkszeug hat Schmidt in Frankfurt gelernt. Sein eigenes Label "Rather Interesting" beherbergt unzählige Künstler, die doch alle nur ein Künstler sind: Uwe Schmidt selbst, egal ob sie Lassigue Bendthaus oder Atom Heart heißen, egal ob Acid House oder Jazz. Er habe eben seine Genres immer lieber selber erfunden, als von irgendjemandem in einen Kasten gesteckt zu werden und einen Stempel zu bekommen. "Und hab mit der Frankfurter Musikszene so Anfang der 1990er natürlich was zu tun gehabt, aber sehr, sehr kurz. Ungefähr, zwei, drei Jahre und war dann auch schon ein bisschen frustriert darüber."

Schmidt packte seine Koffer, ging nach Chile und wurde zu Señor Coconut. Inzwischen bringt Uwe Schmidt fast monatlich ein neues Album heraus. Ein neues steht schon wieder kurz vor der Veröffentlichung - vielleicht als Señor Coconut, vielleicht flüstert ihm ein Fieber-Traum wieder einen neuen Namen ein.

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