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Wirtschaft

Eldorado der Geschäftemacher

Nicht erst seit der Pleite des Medienrechtevermarkters Kirch ist deutlich geworden: Am Fußball wollen viele ein Vermögen verdienen. Doch Vorsicht ist geboten beim Jonglieren mit den Millionen.

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Aufgeblasenes Spektakel = gutes WM-Geschäft?

Die Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea soll für die krisengeschüttelten Ausrichter vor allem ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Japan und Südkorea unternahmen gewagt hohe finanzielle Anstrengungen, um die WM ins Land zu holen: Rund sieben Milliarden Euro steckten die beide Länder in den Bau von Stadien und Infrastruktur. So teuer war die Weltmeisterschaft noch nie.

Entsprechend hoch ist das Risiko, dass sich nach der WM einige Ausgaben als Fehlinvestition herausstellen. Stadien wie zum Beispiel das "Big Eye" in Oita, wo es noch nicht einmal einen erstklassigen Fußballclub gibt, könnten nach dem 30. Juni leer stehen.

WM Stadion in Seoul, Südkorea

WM-Stadion in Seoul, Südkorea

Schaut man auf vergangene Fußballweltmeisterschaften, könnte sich der Aufwand dennoch lohnen. Denn das wichtigste internationale Sport-Turnier kann die Wirtschaft des Ausrichters ankurbeln wie kaum eine andere internationale Veranstaltung. Dies gilt vor allem dann, wenn die eigene Mannschaft in dem Turnier sehr weit kommt. Das Dentsu Institut in Tokio schätzte den wirtschaftlichen Effekt der WM in Asien auf umgerechnet 28 Milliarden Euro - vorausgesetzt Japan erreicht das Viertelfinale. Der stagnierende Inlandskonsum könnte laut Dentsu um 15,3 Milliarden Euro steigen.

Gewagte Rechnung

Gerhard Wagner, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW), hält solche Prognosen für sehr gewagt. "Der Japaner kann sein Geld nur einmal ausgeben. Wer jetzt mehr Bier trinkt, weil er Siege der japanischen Mannschaft feiert, der wird anschließend weniger trinken. Dadurch ist es völlig offen, ob es wirklich einen positiven Nettoeffekt geben wird", sagt Wagner und ergänzt: "Die ökonomischen Effekte derartiger Großereignisse werden regelmäßig überschätzt."

Premiere bald Pleite?

Kameramann des Pay TV Senders "Premiere World"

Zur Finanzierung der WM tragen vor allem TV Sender und Sponsoren bei. Kirch zum Beispiel zahlte 920 Millionen Euro für die Europarechte an der WM und verkaufte die deutschen Rechte für 128 Millionen Euro an ARD und ZDF. 16 Sponsoren fungieren als Partner der FIFA, darunter Coca Cola, McDonalds, Philips, Toshiba und Hyundai.

Bühne für Sponsoren

Auch der deutsche Sportartikelhersteller Adidas ist mit von der Partie. Er zahlt rund 40 Millionen Euro für die WM und die Unterstützung mehrerer Nationalmannschaften. "Wir wollen uns die Bühne der Fußball-WM als größtes Sportereignis der Welt nicht entgehen lassen, um mit unserer Kernmarke Adidas dominant in Erscheinung zu treten", erklärt Pressesprecherin Anne Putz die Ausgaben des Unternehmens. Die WM soll Adidas in Asien dieses Jahr zu einem zweistelligen Umsatzwachstum verhelfen. Weltweit rechnet das Management dagegen mit einer Steigerung der Erlöse um etwa fünf Prozent.

Ob Puma oder Lilie....

Ob Puma oder Lilie....

Damit das Unternehmen nicht das Risiko eingeht, auf das falsche Pferd zu setzen, hat es sein Engagement auf zehn Mannschaften verteilt, darunter Frankreich, Argentinien und Japan. Sollte eine von ihnen Weltmeister werden, wird sich das nach Meinung von Anne Putz positiv auf das Geschäft ihres Unternehmes auswirken. "Im Jahr 1999 haben wir zum ersten Mal wieder Nike als Nummer Eins im französischen Markt abgelöst. Das kam durch unser Sponsoring der französischen Nationalmannschaft, die als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist. Seitdem wachsen wir in Frankreich."

Den Fussballfans rund um den Erdball dürften die Rechenspiele der Ausrichter und Sponsoren egal sein. Sie hoffen auf spannende, torreiche Spiele und werden mit ihren Spielern fiebern, egal welcher Sponsoren-Name auf ihren Trikots prangt.

  • Datum 02.06.2002
  • Autorin/Autor Christian Fuchs/mas
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2NGt
  • Datum 02.06.2002
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