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Deutschland

Elbflut: Halten die Deiche?

Das Elb-Hochwasser nimmt ab - trotzdem bleibt die Lage heikel. Die größte Gefahr droht den durchweichten Deichen aber nicht von der Wasserseite. Schwachstelle ist vielerorts die andere Deichseite, die Landseite.

Die Pegelstände der Elbe fallen - aber sie fallen langsam. Noch einige Tage wird die Flut auf hohem Niveau verharren und die Deiche enorm belasten. Die Gefahr, dass Deiche brechen, bleibt also noch bestehen. Den gesamten Flusslauf entlang kontrollieren Freiwillige in regelmäßigen Abständen den Zustand der Schutzwälle.

Deichläuferinnen wie Heike Mertens (rechts) und ihre Kollegin überprüfen Deiche auf Schadstellen, um diese dann zu melden - (Foto: Alexander Drechsel/DW)

Deichläuferinnen: Heike Mertens (rechts) und ihre Kollegin suchen Sickerstellen

Auch Heike Mertens ist mehrmals am Tag mit einer Kollegin als sogenannte Deichläuferin an der Elbe unterwegs. "Wir achten darauf, dass kein Treibgut anschwemmt und den Deich beschädigt", sagt sie. Zudem halten die beiden nach Stellen Ausschau, wo Wasser durch den Deich dringt. Ihre wichtigsten Waffen sind Handy und rot-weiße Fahnen.

Sollten sie eine Sickerstelle entdecken, dann markieren sie diese mit einer Fahne und informieren umgehend den Krisenstab. "Und dann wird getan, was getan werden kann", sagt Heike Mertens. Es bliebe dann noch genügend Zeit. "Der Deich bricht ja nicht mit einem Mal."

Wasser auf der Landseite ist die größte Gefahr

Sickerstellen seien jetzt die größte Gefahr, bestätigt Andreas Sassenhagen vom Deichverband Lauenburg. Wenn wegen des anhaltend hohen Pegelstands Wasser durch den Deich dringt, kann es passieren, dass es dabei auf der Landseite Erde abträgt und der Damm an dieser Stelle instabil wird.

Neu gebaute Deiche sind jedoch besser gegen Durchweichen geschützt. In Lauenburg beispielsweise wurden sie nach dem Elbhochwasser 2002 modernisiert. In den neuen Deichen sind entweder spezieller Lehm oder Matten aus Mineralien verbaut, die die Dämme gewissermaßen wasserdicht machen. Erst hinter diesen Dichtungen befindet sich vom Ufer aus betrachtet der eigentliche Deichkern. Er besteht aus Sand und ist der eigentliche Stützkörper des Deiches.

Deiche werden modernisiert

Allerdings gibt es nicht im gesamten Verlauf der Elbe Deiche wie in Lauenburg, sagt Experte Sassenhagen. "Aber man baut jetzt überall Dichtungssysteme ein - insbesondere seit dem Hochwasser 2002."

Andreas Sassenhagen ziegt auf einen Deich (Foto: Alexander Drechsel/DW)

Deichbau-Experte Sassenhagen: "Zusätzliche Dichtungssysteme"

Und so sind es die älteren Deiche, die nur aus Sand bestehen und die die Krisenstäbe entlang der Elbe mit Sorge beobachten. Sollten dort Sickerstellen festgestellt werden und Deichbauexperten wie Sassenhagen eine Gefahr erkennen, muss es schnell gehen. Dafür sind dieser Tage entlang des Flusses Tausende Bundeswehr-Soldaten, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk stationiert, um im Fall des Falles Hunderte von Sandsäcken am Deich aufzustapeln und ihn so zu stabilisieren.

Aber auch jetzt sind schon Hunderttausende, wenn nicht Millionen Sandsäcke entlang der Elbe verbaut. In mehreren Lagen wurden sie in den vergangenen Tagen auf die Deichkronen gestapelt, um Höhe zu gewinnen. Denn ursprünglich war ein noch höherer Pegelstand erwartet worden, der vielleicht mancherorts die Hochwasserschutzanlagen überspült hätte.

Wohin mit den Sandsäcken?

Diese Schichten müssten aber wieder runter - wahrscheinlich schon in den kommenden Tagen. "Wenn der Deich sich ein bisschen aufweicht, muss dieses zusätzliche Gewicht wieder entnommen werden", sagt Dirk Baumann, Chef der Feuerwehr in Amt Neuhaus in Niedersachsen. Spätestens nach der Flut würden die Sandsäcke zurückgebaut. "Das heißt, alle Sandsäcke werden wieder ausgeschüttet." Und zwar an bestimmten Orten entlang des Deiches. "Da wird der Sand wieder hingekippt und dann haben wir den Sand für das nächste Mal", so Baumann.

Überflutete Altstadt von Lauenburg - (Foto: Alexander Drechsel/DW)

Altstadt von Lauenburg: Rekord-Hochwasser

Im nördlichen Elbverlauf haben die Deiche dem Elb-Hochwasser bislang standgehalten. Und trotzdem standen auch in Norddeutschland Häuser unter Wasser. In Lauenburg beispielsweise ist die untere Altstadt nicht durch einen Deich geschützt, weshalb die Elbe häufig Straßen überspült und Gebäude umflutet. Nun gilt es, den Stadtteil wieder bewohnbar zu machen.

Intensive Aufräumarbeiten

"Nach dem Rückgang des Wassers werden die Versorgungsbetriebe die Leitungen überprüfen", erläutert Feuerwehrsprecher Hauke Pannen das Vorgehen. Dazu zählen Gas-, Strom- und Wasserleitungen sowie die Kanalisation. Statiker prüfen zudem die Stabilität von Häusern und Straßen - immerhin könnten Fundamente unterspült worden sein. Erst danach dürfen die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren.

Aber auch dann gibt es noch Probleme: "Es ist davon auszugehen, dass nicht nur hier aus Lauenburg Fäkalien ins Elbwasser gelangt sind, sondern auch aus anderen Gebieten, wo Kläranlagen, Öltanks oder Ähnliches überspült worden sind. Insofern müssen die Hausbewohner die Gebäude schnellstmöglich reinigen, um diesen Schlamm, der von der Elbe jetzt mit eingetragen wurde, zu beseitigen", sagt Pannen. Angesichts eventueller Gesundheitsgefahren empfiehlt er, vorerst das Leitungswasser abzukochen, bevor es getrunken wird oder wenn es der Essenszubereitung dient.

Lauenburg verzeichnete zwar mit rund 9,60 Meter einen neuen Rekord-Pegelstand, aber eigentlich war mit etwas mehr als zehn Metern gerechnet worden. Wahrscheinlich, da sind sich alle einig, hat die Elbe diese Höchstmarke nicht erreicht, weil flussaufwärts bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ein Deich brach. Große Wassermassen waren dabei ins Hinterland geströmt. Dort wird die Beseitigung der Schäden Jahre dauern und nicht wie in Lauenburg nur einige Tage.

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