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Aktuell Nahost

ElBaradei in Kairo zu früh ins Rennen geschickt?

Sogar seine Vereidigung als Chef der ägyptischen Übergangsregierung war schon angekündigt worden: Jetzt stellte ein Präsidentensprecher klar, dass der Oppositionspolitiker ElBaradei dafür lediglich favorisiert werde.

Mohamed ElBaradei solle noch am Samstag vereidigt werden, so hatte es die Tamarod-Bewegung bereits verkündet, die maßgeblich an den Protesten gegen den entmachteten islamistischen Staatschef Mohammed Mursi beteiligt war. Andere Aktivisten der Opposition und auch Militärs in Kairo stimmten ein. Der vom Militär ernannte vorläufige Nachfolger Mursis, der Verfassungsrechtler Adli Mansur, ist inzwischen in den Kairoer Präsidentenpalast eingezogen. Die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtet, der Interimspräsident habe ElBaradei als künftigen Regierungschef dorthin zu sich geladen.

In der Nacht zum Sonntag rudert das Präsidentenamt zurück: Nein, ElBaradei sei keineswegs schon nominiert. Er sei aber sicher einer derjenigen, die auf einer Liste von möglichen Bewerbern "die logische Wahl" für diesen Posten wären, erklärte Präsidentenberater Ahmed al-Muslimani vor der Presse. Zuvor hatten führende Islamisten ihre Ablehnung gegen den prowestlichen ElBaradei bekräftigt.

Muslimbrüder in Kairo bei einer Kundgebung mit Plakaten (foto: AFP/Getty Images)

Die Muslimbrüder wollen weiter für die Wiedereinsetzung ihres gestürzten Präsidenten Mursi kämpfen

Nach jahrzehntelanger diplomatischer Tätigkeit war ElBaradei ein Jahr vor dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak in seine Heimat zurückgekehrt. Dort hatte er sich für einen demokratischen Wandel in dem nordafrikanischen Land stark gemacht. Für seine Arbeit bei der Internationalen Atomenergieagentur IAEA hatte er 2005 den Friedensnobelpreis erhalten.

Heftige Unruhen

Drei Tage nach dem politischen Umsturz in Ägypten ist die Lage noch immer angespannt. Der Machtkampf zwischen Anhängern und Gegnern von Mursi war in der Nacht auf Samstag in blutigen Straßenschlachten eskaliert. Nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes starben mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden verletzt.

Mursis Anhänger wollen nach eigenem Bekunden so lange mobil machen, bis ihr gestürzter Präsident wieder im Amt ist. Eine Beteiligung an einer künftigen Übergangsregierung lehnen sie ab. Islamistische Gruppen kündigen hartnäckige Proteste an, "bis der Militärputsch rückgängig gemacht und der legitime Präsident wieder eingesetzt ist".

Ägyptens Sicherheitskräfte wappnen sich derweil für neue Zusammenstöße. Bewaffnete Bereitschaftspolizisten haben Stellung an mehreren Straßenkreuzungen und Brücken der Hauptstadt Kairo bezogen.

rb/sc (afpe, rtre, APE)

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