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Amerika

El Salvador gedenkt Mordes an Oscar Romero

Am 24. März 1980 wurde Erzbischof Oscar Romero erschossen – der Auftakt des Bürgerkriegs in El Salvador. Erstmals rief Präsident Funes jetzt einen nationalen Gedenktag aus - aufgeklärt ist der Mord noch immer nicht.

Demonstration in San Salvador anlässlich des 30. Todestag Oscar Romeros am 24. März 2010 (Foto: AP)

Lebendiges Gedenken - in El Salvador ist Romero längst eine Ikone

An der langen Warteschlange vor der Krypta der Kathedrale von San Salvador ist es bis heute abzulesen: die Beliebtheit von Monseñor Oscar Romero ist ungebrochen. Tag für Tag erweisen Hunderte dem Grab des vor 30 Jahren, am 24. März 1980 ermordeten Erzbischofs der salvadorianischen Hauptstadt ihre Reverenz. Erst kürzlich besuchte der wohl mächtigste Politiker Lateinamerikas, Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva, das Grab des Kirchenmannes. Auch Ecuadors Präsident Rafael Correa und sein Amtskollege aus Paraguay, Fernando Lugo, machten unlängst der letzten Ruhestätte Romeros ihre Aufwartung.

Für Staatsmänner wie dem ecuadorianischen Präsidenten Correa, Sozialist und bekennender Katholik zugleich, hatte die Stippvisite dabei mehr als nur symbolischen Charakter. Viele linksgerichtete Politiker Lateinamerikas reichern ihre Programme mit Elementen der auf dem Kontinent immer noch populären Befreiungstheologie an, als deren prominenter Vertreter Romero bis heute gilt.

Touristen besuchen am 23. März 2010 das Grab Oscar Romeros in der Kathedrale von San Salvador (Foto: AP)

Pilgerort auch für Lateinamerikas linke Staatsmänner: Die Krypta mit dem Grab Oscar Romeros in der Kathedrale von San Salvador

Vom Konservativen zum "Bischof der Armen"

Der Vatikan zeigt sich indessen zögerlicher im Umgang mit dem populären Bischof. Seit 1994 läuft ein Verfahren zur Seligsprechung Romeros. Während eines Gedenkgottesdienstes am Sonntag (21.03.2010) forderten in San Salvador laut Zeitungsberichten mehrere tausend Menschen die sofortige Seligsprechung Romeros. Der guatemaltekische Weihbischof Rodolfo Mendoza, bat die Menschen jedoch um Geduld: "Belassen wird die Entscheidung über die Seligsprechung Oscar Romeros in der Hand Gottes."

Der 1917 als Sohn eines Telegrafenarbeiters geborene Oscar Romero wurde 1977 zum Erzbischof von San Salvador berufen. Als konservativ geltend, war er Wunschkandidat der päpstlichen Kurie und des in Salvador herrschenden Obristen Arturo Armando Molina. Doch einmal im Amt, wandelte sich Romero zu einem Ankläger gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Als "Bischof der Armen" erlangte er Bekanntheit in ganz Mittelamerika und schließlich weltweit. Am 24. März 1980 wurde Oscar Romero während einer Messe in San Salvador von Scharfschützen erschossen. Tags zuvor hatte der Kirchenmann die damalige Militärdiktatur kritisiert.

Generalamnestie versus Aufklärung

Der Präsident El Salvadors Mauricio Funes bei der Einweihung eines Wandbilds zu Ehren Oscar Romeros in einem Vorort von San Salvador (Foto: AP)

Sonderbriefmarken und Wandbilder zum Gedenktag: Präsident Funes

Bis heute tut sich El Salvador schwer mit der Aufklärung des Mordes – der als Auftakt für den Bürgerkrieg in dem mittelamerikanischen Land gilt. In dem zwölf Jahre dauernden Blutvergießen kamen mutmaßlich 75.000 Menschen ums Leben. Laut einem UN-Bericht kommen die Mörder Romeros aus dem Umfeld der Armee und der bis 2009 regierenden Rechtspartei ARENA. Dass beide noch immer einflussreich sind, ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass eine nach Ende des Bürgerkriegs 1992 eingeführte Generalamnestie bislang nicht aufgehoben wurde. Sie gilt als Haupthindernis für eine Aufklärung des Mordes.

Der 2009 ins Amt gewählte linksgerichtete Präsident Mauricio Funes räumte erstmals eine Mitverantwortung des Staates an der Ermordung des Bischofs ein. Seine Regierung erklärte den 24. März zum nationalen Feiertag, der mit Konzerten und einer Sonderbriefmarke begangen wurde. Zudem bat Funes öffentlich um Vergebung.

Hinsichtlich der zuletzt im November von der Interamerikanischen Menschrechtskommission geforderten Aufhebung der General-Amnestie, beließ es Funes jedoch mit einem Hinweis, das sei allein Sache das Parlaments. Zugleich argwöhnen Kritiker, er habe laute Stimmen, die nach Aufarbeitung des Falles rufen, verstummen lassen, indem er sie in seine Regierungsmannschaft einband.

Die salvadorianische Staatsanwaltschaft hat indes für den 30. Todestag des Bischofs einen ausführlichen Bericht angekündigt.

Autor: Sven Töniges (kna, epd)

Redaktion: Mirjam Gehrke

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