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Afrika

El Niño ist nur der Anfang

Der Boden vertrocknet, die Ernte verbrannt. Wetter-Extrem El Niño hat eine schwere Dürre verursacht. Am Horn und im Süden Afrikas sind bis zu 50 Millionen Menschen betroffen. Schuld daran ist auch der Klimawandel.

Frau sammelt vertrocknete Erdnussbüsche ein, Copyright: CARE

Die Provinz Inhambane in Mosambik: Eine Farmerin sammelt vertrocknete Erdnussbüsche ein.

Simbabwe, Malawi, Südafrika, Mosambik, Äthiopien - die Dürre am Horn und im südlichen Afrika hat verheerende Ausmaße angenommen. "Viele Menschen haben ihre Nahrungsmittel aufgebraucht und versuchen jetzt, Hühner, Ziegen und Kühe zu verkaufen, um ihre Familien zu versorgen", sagt Marc Nosbach, Landesdirektor der Hilfsorganisation CARE in Mosambik. Doch mit den Nutztieren gehe den Menschen die letzte Lebensgrundlage verloren. Jetzt schon seien 170.000 Mosambikaner auf Nothilfe angewiesen, sagt Nosbach der DW - doch diese Zahl könne sich in den nächsten Wochen verzehnfachen. Laut CARE sind 14 Millionen Menschen im südlichen Afrika akut von Hunger bedroht.

Das Wetter ist aus den Fugen geraten. Seit über 30 Jahren hat es im südlichen Afrika zwischen den Monaten Oktober und Dezember nicht mehr so wenig geregnet wie im vergangenen Jahr, teilt das UN-Welternährungsprogramm (WFP) mit - und benennt auch gleich einen Schuldigen: El Niño. Das Wetterphänomen tritt in Abständen von zwei bis sieben Jahren auf. In diesem Winter ist es besonders heftig und lang ausgefallen - stärker als in den letzten 35 Jahren.

Simbabwe Dürre Hilfslieferung

In der Provinz Masvingo sammeln Kinder am Straßenrand Getreidekörner auf, die von einem Laster mit Hilfslieferungen gefallen sind. Wegen der Dürre hungern allein in Simbabwe 2,5 Millionen Menschen. Das Land hat den Notstand ausgerufen

El Niño kann sich

ganz unterschiedlich auswirken:

Zum Beispiel führen veränderte Warmwasserströme im Südpazifik in manchen Regionen zu mehr Regen und Überschwemmungen - wie etwa in Teilen Kenias und im südlichen Äthiopien. Andernorts bleibt der Regen ganz aus. In Äthiopien kommen Dürre und Überschwemmungen sogar zusammen. Allein dort sind nach UN-Angaben schon jetzt zehn Millionen Menschen von Lebensmittelspenden abhängig.

El Niño und der Klimawandel

Doch wie kommt es, dass El Niño in diesem Winter so extrem ausgefallen ist? Darauf haben auch Experten keine Antwort. Zwar gebe es Hinweise, dass sich zukünftige El Niño-Ereignisse durch den Klimawandel verstärken könnten - gesichert sei das aber noch nicht, sagt Jacob Schewe. Er beschäftigt sich am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung mit langfristigen Klimaveränderungen. El Niño sei ein "hochgradig unberechenbares" Wetterereignis, sagt er im DW-Gespräch. Die Ausmaße und Abstände des Phänomens seien starken Schwankungen unterworfen, so dass sich auch über Jahrzehnte kein Trend feststellen lasse.

Auf schlimme Dürren müssten die Menschen am Horn und im südlichen Afrika aber in jedem Fall gefasst sein, so Schewe: "Generell beobachten wir rund um die Welt eine Zunahme in Extremereignissen. Das gilt für Temperaturen genauso wie für Regenfälle." Hier spiele eben nicht nur El Niño eine Rolle, sondern auch der vom Menschen verursachte Klimawandel.

Afrika: Klimaerwärmung um bis zu sechs Grad

"Wir können davon ausgehen, dass sich die Effekte von El Niño durch den Klimawandel verstärken", sagt Marc Nosbach von CARE. Diese Kombination habe im südlichen Afrika schwere Schäden angerichtet. Er berichtet von Gesprächen mit Bauern im Süden des Landes: "Im Dezember und Januar gab es dort nur ein, zwei Tage Regen", so Nosbach.

Zerstörte Erdnüsse, Copyright: CARE

Dürre in der Provinz Inhambane in Mosambik: Die Erdnussernte ist zerstört

Die Folge: Die Maisernte werde völlig ausbleiben. Bis Mai werde sich der "El Niño-Effekt" abschwächen, ist die Hoffnung. Doch erst, wenn im Oktober die nächste Regenzeit beginnt, können die Bauern ihre Felder wieder bestellen. Hilfsorganisationen wie CARE bemühen sich kontinuierlich, die Landwirte für solche Krisen zu wappnen - etwa, indem sie dürreresistentes Saatgut verteilen. Doch wenn mehrere schlechte Ernten aufeinanderfolgen, gehen die Reserven zur Neige - und es bleibt nur noch die Nothilfe.

Und das wird in Zukunft häufiger der Fall sein, sagt Nick Nuttall. Als Pressesprecher des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) kennt er die Prognosen bis ins Detail. "Seit Beginn des Industriezeitalters ist die Temperatur im Schnitt um ein Grad gestiegen", sagt Nuttall im DW-Gespräch. Doch in Teilen Afrikas verlaufe die Erderwärmung noch schneller als im globalen Durchschnitt: "Afrika könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis sechs Grad erwärmen. Das würde sich vernichtend auf die Ernten und die Menschen auswirken."

Dem Klima trotzen

Für Klimaexperten Jacob Schewe steht fest: "Wir müssen daran arbeiten, wie wir uns von den Schwankungen zwischen Extremen unabhängiger machen können." Zum einen müsse man versuchen, den andauernden Klimawandel weiter zu begrenzen und den am schlimmsten betroffenen Regionen Hilfe anzubieten - so geschehen auf der Pariser Klimakonferenz im vergangenen Dezember. Dort verpflichten sich die UNFCCC-Mitgliedsstaaten, die Entwicklungsländer bis 2020 mit 100 Milliarden Dollar zu unterstützen. Das Geld

soll in erneuerbare Energien und andere Projekte

gesteckt werden, um den Klimawandel abzumildern. Doch um die Herausforderung zu meistern, sei es entscheidend, dass dieses Geld wirklich fließe, betont Nick Nuttall.

Zum anderen gehe es aber auch darum, zu lernen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Dafür seien schon viele Schritte gemacht worden - besonders in den betroffenen Ländern entlang der afrikanischen Ostküste. So setze Kenia ein Beispiel, wenn es

um Wiederaufforstung

gehe, erzählt Nick Nuttal von den Vereinten Nationen. "Eine Gebirgsregion dort, der Mao-Wald, ist Quellregion für zwölf große Flusssysteme. Deshalb gibt es große Bemühungen, dieses Gebiet wieder aufzuforsten." Durch die neuen Baumbestände könnten künftige Trockenperioden abgefedert werden, denn die Bäume schützten den Boden vor Erosion und hielten den Niederschlag in der Erde. Das ist Schadensbegrenzung und Prävention zugleich. Denn der Klimawandel begünstigt extreme Wetterphänomene wie El Niño. Und die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

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