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Politik

El Kaida Maghreb bekennt sich zu Algier-Anschlägen

Einen Tag nach den Anschlägen von Algier ist die Anzahl der Todesopfer noch immer unklar. Bekannt sind dagegen die Täter: Die Terrororganisatiion El Kaida Maghreb.

Zwei UNO-Gebäude wurden zerstört (11.12.2007, Quelle: DPA)

Ziel der Anschläge: die Vereinten Nationen

Noch immer ist unklar, wie viele Menschen bei dem Doppelanschlag von Algier ums Leben kamen. Die algerische Zeitung "El Watan" berichtete am Mittwoch (12.12.2007) von 72 Toten und 200 Verletzten. Mediziner sprachen von 60 bis 70 Getöteten. Die Behörden gaben die Opferzahl zuletzt mit 26 Toten und 177 Verletzten an. Unter anderem kamen mindestens elf Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben.

El Kaida veröffentlicht Fotos der Attentäter

Das Gebäude des Obersten Gerichtshofs in Algier (11.12.2007, Quelle: AP)

Noch immer werden Personen in den Trümmern der Gebäude gesucht

Zu den Anschlägen bekannte sich die El Kaida im Maghreb, der nordafrikanische Zweig des Terrornetzwerks. Die Terrororganisation veröffentlichte im Internet die Fotos der

Attentäter. Die Selbstmordattentäter hätten zwei Lastwagen mit jeweils 800 Kilogramm Sprengstoff vor die beiden Gebäude gefahren, erklärte die Organisation im Internet. Die UN-Vertretung wurde als "Zentrale des Lagers der internationalen Ungläubigen" bezeichnet. Die Anschläge seien ein Beitrag zur "Verteidigung der verwundeten Nation des Islams".

Ein Gebäude mit UN-Büros stürzte ein, das andere wurde schwer beschädigt. Die algerische Zeitung "Le Jour" berichtete, vor dem Gericht seien drei Polizisten umgekommen. Bürger hätten ihre Waffen eingesammelt und der Polizei übergeben. Wenige Meter vom Tatort entfernt hatten das algerische Justizministerium und das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Tag des Anschlags eine Konferenz zum Kinderschutz veranstaltet.

Ziel des Anschlags: die UNO

Die Anschläge richteten sich gegen den Obersten Gerichtshof von Algerien und gegen die Mission der Vereinten Nationen. Unter den Toten sind zwei algerische Fahrer des Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Im UN-Hauptquartier in New York herrschte am Dienstag eine gedrückte Stimmung. Die Fahne der Vereinten Nationen wehte auf Halbmast. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der sich zurzeit auf der Weltklimakonferenz auf Bali befindet, ordnete eine Überprüfung aller Sicherheitsvorkehrungen an. "Es gibt keine Worte für meine Gefühle von Schock, Wut und Ärger über die Terroranschläge auf die Mission der Vereinten Nationen in Algier", sagte Ban.

Die Klimakonferenz in Nusa Dua auf Bali mit Vertretern aus 150 Ländern begann am Mittwoch mit einer Schweigeminute für die Opfer von Algier. Die algerische Oppositionspartei RCD (Sammlung für Kultur und Demokratie) machte Präsident Abdelaziz Bouteflika für das Massaker verantwortlich. Er mache den Islamisten beständig Zugeständnisse. Bouteflikas Versöhnungspolitik sei "total gescheitert", sagte RCD-Chef Saïd Sadi der Zeitung "Le Parisien". Die in Öldollars schwimmende Führung habe keinen Kontakt zur Wirklichkeit. Die Zeitung "Le Quotidien d'Oran" schrieb, der wirtschaftliche und soziale Notstand bringe die Jugend zur Verzweiflung. Einige wanderten nach Europa aus, andere gingen zu Terroristen.

"Anschläge nicht überbewerten"

Der Terrorismusforscher Kader Abderrahim vom Institut für internationale und strategische Beziehungen IRIS mahnte, den "spektakulären Terror" nicht überzubewerten. Zum Vergleich führte er den "schmutzigen Krieg" der 90er Jahre an. Seine Kollegin Khadija Mohsen-Finan vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen IFRI meinte hingegen, anders als früher gingen die Terroristen jetzt über das Ziel eines islamischen Staates hinaus. El Kaida habe "allen politischen Führern der Region, die sie als unrein, korrumpiert und den USA unterworfen ansieht, den Krieg erklärt".

Experten halten das Datum des Terroranschlags für symbolträchtig. Seit dem 11. September 2001 haben islamische Extremisten wiederholt am 11. eines Monats zugeschlagen, so am 11. April 2002 in der tunesischen Stadt Djerba und am 11. März 2004 in Madrid. Am 11. April dieses Jahres wurden bei Terroranschläge in Algier 33 Menschen getötet. Der 11. Dezember ist in Algerien auch der Jahrestag von Demonstrationen der Unabhängigkeitsbewegung gegen die französische Kolonialherrschaft im Jahr 1960. Das Gebäude des Obersten Gerichtshofs hat die Adresse Boulevard des 11. Dezember. (mg)

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