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Afrika

El Kaida im islamischen Maghreb

Das Terrornetzwerk El Kaida ist auch in Nordafrika und im Sahel äußerst aktiv. Nun droht es mit der Ausweitung des Dschihad, des sogenannten Heiligen Krieges, auf das krisengeschüttelte Nigeria.

El Kaida-Geiselnahme (Foto: dpa)

Terroristen haben eine Geisel genommen

Tief in der Sahara: Entlang der schier endlosen Grenze zwischen Algerien, Mauretanien, Mali und Niger liegt weites Niemandsland. Banditen verschieben hier alles – Waffen, Drogen, illegale Einwanderer, die nach Europa wollen. Doch in dieser kaum zugänglichen Region haben sich auch Terroristen sichere Rückzugsgebiete geschaffen. Terroristen, die immer wieder durch Entführungen Schlagzeilen machen. Im Sommer 2009 töten sie eine britische Geisel.

Die "Wüstenfiliale"

Für den Terrorexperten Mathieu Guidère die eindeutige Handschrift von El Kaida im islamischen Maghreb, kurz AQMI: "Entführte Ausländer sind für die Terroristen nichts anderes als Kriegsgefangene, die sie als Trumpf bei Verhandlungen benutzen, um Lösegeld zu bekommen oder verhaftete Genossen freizupressen." Nur wenn eine westliche Regierung - wie in diesem tragischen Fall Großbritannien – nicht mehr verhandeln wolle, dann gehe El Kaida bis zum Äußersten und töte seine Geiseln.

Die "Wüstenfiliale" von El Kaida entstand Ende 2006 aus der GSPC, einem undurchsichtigen Netz algerischer Terrorzellen. Ihr Anführer hatte sich damals persönlich an Osama Bin Ladens Stellvertreter Al Sawahiri gewandt. Seitdem trägt die GSPC den Markennamen El Kaida im islamischen Maghreb und verfügt sozusagen über "firmeninternes Know-How". Die Gruppe fühlt sich ideologisch der El Kaida-Zentrale in Afghanistan verpflichtet, operiert jedoch unabhängig.

Verlagerung in den Süden

Terroranschlag in Algerien (Foto: AP)

Terroranschlag in Algerien

Mathieu Guidère betont, El Kaida im islamischen Maghreb konzentriere sich schon lange nicht mehr nur auf westliche Ziele in Algerien, sondern verlagere seine Aktivitäten immer weiter in Richtung Süden. Das Terrornetzwerk sei dabei, den so genannten Heiligen Krieg in den Sahel zu tragen, ins Afrika südlich der Sahara.

"Terroranschläge und die vielen Geiselnahmen bedeuten außerdem eine Katastrophe für den Tourismus in der Region. Die Angst vor solchen Zwischenfällen schreckt Reisende aus aller Welt ab und schadet dem Ruf und der Wirtschaft des jeweiligen Landes massiv." El Kaida vergleiche den Tourismus mit einer neuen Form von Kolonisierung, von Imperialismus. Die Terroristen wollten keine Ungläubigen auf muslimischem Boden.

Krisenherd Nigeria

Gewalt in Nigeria (Foto: AP)

Nigeria als mögliche El Kaida-Basis?

Hass auf Europa, Hass besonders auf die USA, die nördlich des Niger Malis Armee für den Anti-Terror-Kampf ausbilden: Die Ablehnung des westlichen Einflusses wird auch im verarmten Norden Nigerias immer lauter und deutlicher. Sekten wie Boko Haram erklären sich zu Taliban und kämpfen für den islamischen Gottesstaat. An der Nahtstelle zwischen dem muslimischen Norden und dem christlich geprägten Süden kommt es immer wieder zu Unruhen mit hunderten Toten. AQMI, der nordafrikanische Zweig des Terrornetzes El Kaida, drängt nun genau in diesen Krisenherd. Gerade haben die Terroristen angekündigt, ihre radikalislamischen Bundesgenossen in Nigeria zu unterstützen. Mit Kämpfern, Waffen, Munition.

Der Westen als Zielscheibe

Für den Terrorforscher Mathieu Guidère war das nur eine Frage der Zeit: "Noch ist Nigeria keine neue El Kaida-Basis. Aber die Lage ist hoch explosiv." Zu den ganzen Konflikten komme ja noch eine schwache, führungslose Regierung, der Präsident sei nach wie vor krankheitsbedingt im Ausland. Kein Wunder, dass da islamische Extremisten am Werk seien, die immer mehr Anhänger rekrutierten.

Doch die Islamisten drohen nicht nur den Sahel in einen Strudel der Angst zu ziehen: El Kaida im islamischen Maghreb beschränkt sich nicht allein auf Wüstenterror, sondern zielt von dort aus auf die westliche Welt. Der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, der verhinderte Terrorbomber von Detroit, war ein von El Kaida trainierter Einzeltäter. Doch wenn man den Geheimdiensten glaubt, dann hat El Kaida im islamischen Maghreb bereits ein halbes Dutzend Terrorzellen in Europa eingeschleust. Noch sind es Schläfer.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Katrin Ogunsade

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