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Politik

El-Kaida bekennt sich zu Anschlagsserie in Amman

Das erste Mal gab es einen Terroranschlag in Jordanien. Mehr als 60 Menschen starben nach Bombenexplosionen in drei Luxus-Hotels. Die meisten Opfer sind Jordanier.

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In einem am Donnerstag (10.11.2005) veröffentlichten Bekennerschreiben im Namen der Gruppe, die bisher im Irak operierte und von dem Jordanier Abu Mussab Al-Sarkawi angeführt wird, heißt es, König Abdullah II. sei ein Verräter, der diese Hotels zu einem "Garten für die Feinde der Religion" gemacht habe. Die Planung der Anschläge sei wegen des wachsamen jordanischen Geheimdienstes nicht leicht gewesen. Für die Echtheit des auf einer Internetseite von Islamisten veröffentlichten Schreibens gab es zunächst keinen Beweis.

Am Mittwochabend waren bei drei koordinierten Bombenanschlägen auf westliche Hotels in Amman mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Kurz hintereinander waren drei Sprengsätze in den Hotels Radisson SAS, Grand Hyatt und Days Inn explodiert. Die Hotels liegen alle in einem wohlhabenden Viertel von West-Amman.

Die meisten Todesopfer sind nach Angaben von Ärzten Jordanier, aber auch einige Iraker, die in Jordanien Zuflucht vor den Unruhen in ihrem Land gesucht hatten.

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Aus Sicherheitskreisen in Amman hieß es, der erste und stärkste Sprengsatz sei in einem Festsaal im Radisson-Hotel explodiert, in dem gerade eine Hochzeitsfeier stattfand. Die meisten der zehn Todesopfer seien Hochzeitsgäste. Kurz darauf habe sich ein Selbstmordattentäter in der Eingangshalle des Grand Hyatt Hotels in die Luft gesprengt, der ebenfalls rund zehn Menschen mit in den Tod riss.

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Eine Autobombe sei dann vor dem Days Inn Hotel explodiert. Dort seien drei Angehörige einer chinesischen Delegation getötet worden. In Jordanien hatte es zuvor noch nie Selbstmordattentate gegeben.

Vorwarnungen

Karte Amman Jordanien

Die Behörden hatten in den vergangenen zwei Jahren mehrfach über die Festnahme mutmaßlicher Terroristen berichtet, die Anschläge in Jordanien geplant haben sollen. Wenige Stunden vor den Anschlägen hatten die jordanischen Behörden die Festnahme von sechs mutmaßlichen Mitgliedern einer Terrorzelle bekannt gegeben. Zu der "Chatab-Brigade", wie sich die Gruppe nannte, gehörten nach Angaben des Generalstaatsanwalts vier Jordanier und zwei Palästinenser.

Die Islamisten sollen Sprengstoffanschläge auf amerikanische Touristen in Hotels in Amman und in dem jordanischen Badeort Akaba am Roten Meer geplant haben. Die Anschlagserie in Amman erinnert an die Bombenserie gegen Touristen im ägyptischen Scharm al-Scheich.

Erste Festnahmen

Inzwischen sind mehrere Verdächtige festgenommen worden. Sie würden weiter befragt, sagte Brigadegeneral Baschir Daidscha von der Behörde für Öffentliche Sicherheit. Angaben zur Zahl der Festgenommenen und zu ihrer Nationalität lagen zunächst nicht vor. Die Grenzen zu den Nachbarländern, die nach den Explosionen am Mittwochabend geschlossen worden waren, sind inzwischen wieder geöffnet.

Reaktionen

Der jordanische König Abdullah II. verurteilte die Anschläge als ein Verbrechen und kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen den Terrorismus an. Die feigen Anschläge würden seine Regierung nicht davon abhalten, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, erklärte der König. Die Behörden erklärten den Donnerstag zum nationalen Trauertag.

US-Präsident George W. Bush verurteilte die Terroranschläge scharf. "Der Präsident hat dem jordanischen König Abdullah und dem jordanischen Volk sein Mitgefühl übermittelt", sagte Präsidentensprecher Scott McClellan. Jordanien sei ein enger Verbündeter der USA. Washington biete jede erdenkliche Hilfe bei den Ermittlungen an, um die dafür verantwortlichen Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen.

Papst Benedikt XVI. hat sich "tief betroffen" über die Anschläge geäußert. Der Kirchenführer "hat für die Opfer gebetet, drückt der ganzen Nation sein Beileid aus und bittet um das Geschenk des göttlichen Trostes für diejenigen, die ihre Lieben verloren haben", hieß es in einem Telegramm an den jordanischen König Abdullah II. Er ermutige dennoch alle, die sich für dauerhaften Frieden und den Respekt der Menschenrechte einsetzen, mit ihrer Arbeit fortzufahren, erklärte Benedikt. (kas)

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