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Aktuell Kultur

El Greco: Von Nazis geraubt und jetzt zurück

Der jüdische Industrielle Julius Priester verlor 1938 seine Kunstsammlung an die Nazis, darunter das Ölbild "Portrait eines Edelmannes". Jetzt kommt das wertvolle Gemälde wieder in den Familienbesitz zurück.

Die Erben des Bankiers und Industriellen Julius Priester (1870-1954) erhielten das Ölbild "Portrait eines Edelmanns" des spanischen Malers El Greco von einer Londoner Galerie jetzt zurück, wie die Organisation "Commission for Looted ART in Europe" am Dienstag (24.03.2015) mitteilte. "Es handelt sich um ein frühes Werk von El Greco", sagte die Vorsitzende, Anne Webber, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Portrait Anne Webber von der Commission for Looted ART in Europe

Anne Webber von der "Commission for Looted ART in Europe"

Der jüdische Industrielle Julius Priester wurde 1938 in Wien von den Nazis seiner wertvollen Kunstsammlung beraubt. Er musste als Jude im März 1938 vor den Nazis nach Mexiko fliehen, wo er im Exil den Holocaust überlebte. 1944 beschlagnahmte die Gestapo das wertvolle Gemälde von El Greco und brachte Priesters gesamte Kunstsammlung in einem Depot in Wien unter. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs machte sich Julius Priester auf die Suche nach seinen geraubten Kunstwerken, konnte aber nur einen Bruchteil seiner kostbaren Sammlung wieder auftreiben. Nach Angaben von Anne Webber fehlen bis heute 21 von insgesamt 50 wertvollen Gemälden. "Ein Bild wurde in einem italienischen Museum entdeckt", sagte die Leiterin der "Commission for Looted ART in Europe" gegenüber dpa.

Internationaler Raubkunsthandel

Bei der Recherche nach den Raubkunstbildern stellte sich heraus, dass das El Greco-Bild aus Wien zuerst an einen New Yorker Kunsthändler verkauft wurde. Über mehrere Stationen ging es zuletzt an einen bekannten Londoner Kunsthändler, der es 2003 an eine Schweizer Privatsammlung verkaufte. Im Juni 2014 wurde es in New York wieder zum Verkauf angeboten. Das war der Moment, als die "Commission for Looted ART in Europe" Ansprüche anmeldete, das Gemälde an die rechtmäßigen jüdischen Besitzer zurückzugeben. Die Erben von Julius Priester bekamen das Bild in diesen Tagen ausgehändigt.

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Jahrzehntelang hatte die Familie immer wieder versucht mit den jeweiligen Kunsthändlern Kontakt aufzunehmen - ohne Erfolg. "Die Geschichte der Beschlagnahmung und des Handels - speziell mit diesem Gemälde über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren - zeigt, in welchem Umfang der Kunsthandel in die Veräußerung von Nazi-Raubkunst involviert war und wie schwierig es für die Enteigneten ist, ihr Eigentum zurückzubekommen", erläuterte Anne Weber. Erst das offizielle Eintreten der Londoner Kommission hatte zur erfolgreichen Restitution geführt.

Obwohl bekannt war, dass es sich bei dem Gemälde um Nazi-Raubkunst handelt, war es nach dem Krieg zweimal öffentlich ausgestellt worden. Der Londoner Kunsthändler, der zuletzt damit gehandelt hatte, will - laut Webber - nicht namentlich in der Öffentlichkeit auftreten.

hm/as (dpa/clae news)

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