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Kultur

Eklat um PEN-Preis für "Charlie Hebdo"

Sechs PEN-Schriftsteller protestieren in den USA dagegen, dass der Verband der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" einen Preis für ihren Mut zur Meinungsfreiheit verleiht. Die Jury hält an ihrer Entscheidung fest.

Aus Protest gegen die Wahl der Jury hätten die Autoren ihre Teilnahme an der Preisgala am 5. Mai abgesagt, berichtete die "New York Times", darunter der Kanadier Michael Ondaatje, der Australier Peter Carey und die US-Amerikanerinnen Rachel Kushner und Francine Prose.

Die Schriftsteller begründeten ihre Entscheidung mit der "kulturellen Intoleranz" der französischen Satire-Zeitschrift, die immer wieder religionskritische Karikaturen veröffentlicht hatte. Sie empörten sich über die in "Charlie Hebdo" veröffentlichten Darstellungen von Muslimen und "die allgemeine Entrechtung". "Ich war schockiert, als ich von dem Preis hörte", zitiert der "Guardian" aus einem Interview mit Prose, die auch schon PEN-Präsidentin war. Sie sei für grenzenlose Meinungsfreiheit und verurteile die Anschläge, aber solch ein Preis drücke auch "Bewunderung und Respekt" für die Arbeit der Gewinner aus. Die Preisverleihung ist der Höhepunkt des alljährlichen PEN-Festivals "World Voices", das künstlerische Erfolge und künstlerischen Ausdruck feiert.

Jury von der Angemessenheit des Preises überzeugt

Der Schriftstellerverband PEN zeigte sich überrascht von der Ankündigung der sechs Mitglieder. "Wir wussten alle, dass es eine in einigen Hinsichten kontroverse Entscheidung war", sagte PEN-Präsident Andrew Solomon. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass das Thema diese speziellen Bedenken bei diesen speziellen Autoren auslösen könnte." Er betonte weiterhin, dass man stark von der Angemessenheit des Preises überzeugt sei. "Charlie Hebdo" habe nicht nur Muslime, sondern alle Religionen aufs Korn genommen. "Wir sind nicht der Ansicht, dass wir alle die Inhalte der 'Charlie Hebdo'-Karikaturen gutheißen müssen, um die Prinzipien zu bejahen, für die sie stehen", so Solomon.

Im Januar waren in Paris zwölf Redaktionsmitglieder bei einem islamistischen Anschlag ums Leben gekommen, die Zeitschrift machte trotzdem weiter; der Preis wurde"Charlie Hebdo" für die erste Ausgabe nach dem Attentat im Januar zugesprochen.

Böse Worte von Salman Rushdie

Vor allem der frühere PEN-Präsident und Bestseller-Autor Salman Rushdie, der seit den 1980er Jahren aufgrund seines Romans "Satanische Verse" selbst wegen massiver Morddrohungen unter Personenschutz stand, kritisierte die Bedenken der Schriftsteller mit scharfen Worten und bezeichnete sie auf Twitter sogar als "Weicheier". "Wenn PEN als Organisation der Meinungsfreiheit nicht die Menschen verteidigen und feiern kann, die dafür getötet worden sind, Bilder zu zeichnen, dann ist die Organisation ihren Namen nicht wert. Was ich Peter, Michael und den anderen sagen würde? Ich hoffe, ihr werdet niemals verfolgt."

suc/pg (dpa, stern)