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Politik & Gesellschaft

Eiszeit in Europa

Erstmals in diesem Winter hat der deutsche Wetterdienst zweistellige Minusgerade im gesamten Bundesgebiet gemessen. In Osteuropa gibt es über 120 Kältetote. Selbst im Süden Europas herrscht frostiges Chaos.

Obdachlose wärmen sich bei minus 21 Grad Celcius an einem Feuer und warten auf ihr kostenloses Abendessen nahe Moskau (Foto: dapd)

Obdachlose wärmen sich an einem Feuer nahe Moskau


Besonders betroffen ist Osteuropa: 63 Menschen sind in der Ukraine der Kälte zum Opfer gefallen, wie das Zivilschutzministerium mitteilte. Alleine am Mittwoch erfroren weitere 13 Menschen bei minus 30 Grad. Die meisten Kälteopfer waren Obdachlose. Hunderte Menschen liegen mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Seit Dienstag lassen sich circa 7500 Menschen in öffentlichen Wärmestuben mit kostenlosem Essen und Getränken versorgen.

Dramatische Situation in Osteuropa

Ähnlich dramatisch sieht die Situation in Polen aus. Hier ist die Zahl der Erfrorenen auf 20 angestiegen. Besonders die Bewohner von schlecht beheizten Altbauten leiden an der sprichwörtlichen sibirischen Kälte. Im polnischen Fernsehen werden Rentner gezeigt, die in voller Winterbekleidung in ihren Wohnungen sitzen und frieren. Kohleöfen reichen oft als Heizung nicht mehr aus. Doch Vorsicht ist geboten, denn auch beheizte Zimmer können zur tödlichen Falle werden: Seit vergangenem Freitag sind in Polen elf Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben, 90 weitere haben sich vergiftet. Der Auslöser war, dass zahlreiche Heizöfen defekt waren und die Menschen aufgrund der eisigen Kälte nicht mehr gelüftet haben. Um Menschen ohne feste Unterkunft vor der Kälte zu schützen, appellierte Polens Regierung an die Bevölkerung: "Nicht die Kälte tötet Menschen, sondern Gleichgültigkeit."

In Rumänien stieg die Zahl der Kältetoten auf 14, alleine sechs davon sind in den letzten 24 Stunden ums Leben gekommen. Im Osten Tschechiens wurde ein Obdachloser tot auf einer Wiese gefunden. Auch in Deutschland ist ein Obdachloser in Magdeburg erfroren. Der Notarzt konnte am Donnerstagmorgen nur noch den Tod des 55-jährigen Mannes feststellen.

Auch Südeuropa leidet unter den eisigen Temperaturen

40.000 Haushalte im Südosten Frankreichs mussten zeitweise ohne Strom auskommen. Der Auslöser waren starke Schneefälle. Schnee, Eis und Kälte behindern den Verkehr im Norden Italiens. Seit Donnerstag fahren die Zuglinien nach einem „Schnee-Plan“ mit weniger Zügen. In einigen Gemeinden im Norden Italiens haben Schüler Frost-Ferien bekommen. Selbst der Spielplan der Fußball-Ligen wird von der dem sibirischen Tief durcheinander gebracht. Am Mittwoch mussten mehrere Spiele abgesagt werden.

In der Türkei behindert der anhaltende Schneefall den Verkehr und die Energieversorgung. In Istanbul ist fast ein halber Meter Schnee gefallen. Am Flughafen Atatürk in Istanbul sind laut türkischen Medien am Mittwoch 180 Flüge ausgefallen.

Nicht nur Europa ist von der Kälte betroffen

Die Polnische Regierung hat 48 Heizöfen in Warschau für die Fussgänge aufgestellt. (Foto: dapd)

Die Polnische Regierung hat 48 Heizöfen in Warschau für die Fussgänge aufgestellt.

Auch die Japaner kämpfen mit eisigen Temperaturen. Nach amtlichen Angaben sind bereits 50 Menschen bei Unfällen im Schnee ums Leben gekommen. Die meisten Todesopfer sind ältere Menschen, die beim Schneeräumen von den Dächern ihrer Häuser fielen. Da es wenig junge Menschen in ländlichen Gebieten gibt, müssen viele Alte selber Schneeschippen.


gco/wl (dapd/ dpa/ afp)

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