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Kultur

Eisschmelze bedroht 40 Prozent der Weltbevölkerung

Der Rückgang eisbedeckter Gebiete durch den Klimawandel bedroht nicht nur 40 Prozent der Weltbevölkerung, sondern kann seinerseits die globale Erwärmung beschleunigen, so ein Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP).

Der Himalaya im Jahr 1976, Foto: AP

Himalayagletscher: In 50 Jahren verschwunden?

Die sich beschleunigende Gletscherschmelze zeugt laut einem UN-Bericht nicht nur von der globalen Klimaerwärmung, sondern trägt ihrerseits wiederum zu einer rascheren Erwärmung der Erdatmosphäre bei. In den vergangenen 30 Jahren sei das Packeis der Antarktis im Winter um bis zu sieben Prozent und im Sommer um bis zu zwölf Prozent zurückgegangen, hieß es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) zum Weltumwelttag am 5. Juni. "Schnee und Eis reflektieren bis zu 80 Prozent der Sonnenenergie, Wasser absorbiert sie. Wenn Schnee und Eis weiter schmelzen, wird dies die Erderwärmung verstärken", warnte einer der Autoren, Paal Prestrud, am Montag (4.6.) bei der Vorstellung der Ergebnisse im norwegischen Tromsö. Die Konsequenzen für Menschen, Tiere und die Natur seien verheerend, sagte er weiter.

Morteratschgletscher bei Pontresina im Oberengadin, Foto: dpa

Morteratschgletscher bei Pontresina im Oberengadin: Auf der Suche nach der Gletscherzunge

Nach Einschätzung der UNEP wären allein von der Schnee- und Gletscherschmelze in Asien 40 Prozent der Weltbevölkerung betroffen. "6,5 Milliarden Menschen haben ihr Leben auf diesem Planeten an einer bestimmten Realität ausgerichtet", sagte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner. "Diese Realität verändert sich schneller als erwartet." Diese beschleunigte Veränderung mache es gleichzeitig schwieriger, Prognosen über die Zukunft zu treffen, betonte Steiner.

Gletscher im Himalaya schmelzen weg

Laut UNEP-Regionaldirektor Surendra Shrestha könnten die Gletscher im Himalaya in 50 Jahren völlig verschwunden sein, sollten die Temperaturen weiter ansteigen. Schon jetzt habe die Eisschmelze die Gletscherseen auf ein alarmierendes Ausmaß anschwellen lassen, sagte Shrestra in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Die Oberfläche einiger Seen habe sich um bis zu 200 Prozent ausgedehnt. Andere stünden kurz davor, überzulaufen und zahlreiche Bergdörfer zu zerstören. "Es reicht ein kleines Erdbeben, und das Wasser wird die Berge herabstürzen, auf dem Weg nach unten an Geschwindigkeit aufnehmen und dann wie eine Planierraupe alles niederwalzen", warnte er.

Winterlandschaft im Omsker Gebiet (Sibirien), Foto: dpa

Sibirien: Treibhausgas unter dem Dauerfrostboden?

Laut Steiner wäre die Trinkwasserversorgung für 40 Prozent der Weltbevölkerung gefährdet, wenn die Gletscher im Himalaja wie vorausgesagt schmelzen würden. Sie versorgen Asiens Flüsse mit Wasser. Schnee- und Eisflächen reflektierten zudem die Sonnenstrahlung. Schrumpfen sie, könnte sich die Erderwärmung beschleunigen.

Freisetzung von Methan

In dem Bericht warnen Experten zudem vor dramatischen Folgen, wenn der Dauerfrostboden in Sibirien taut. Dadurch werde das Treibhausgas Methan freigesetzt, das den Klimawandel beschleunigen würde. In den arktischen Dauerfrostböden vermuten die Forscher zudem riesige Mengen organischen Kohlenstoffs und damit mehr, als derzeit in der gesamten Atmosphäre gelöst ist.

Überschwemmungen in Bangladesch 2002, Foto: AP

Bald der Regelfall? - Überschwemmungen in Bangladesch (Archiv)

UNEP-Chef Achim Steiner warnte vor der Annahme, die Folgen des schmelzenden Eises beträfen nur entlegene Weltregionen: "Menschen in den Tropen sind davon genauso betroffen wie die Bevölkerung von Berlin oder Peking." Steigende Temperaturen könnten dem Bericht zufolge in diesem Jahrhundert einen Anstieg des Meeresspiegels um 20 bis 80 Zentimeter zur Folge haben. Damit könnten in tief liegenden Gebieten wie beispielsweise Bangladesch Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren. Selbst in küstenfernen Regionen würden die Folgen durch Überschwemmungen und einen Rückgang der Trinkwasservorräte zu spüren sein, erklärten die rund 70 Wissenschaftler, die an der Studie beteiligt waren.

Steiner forderte Regierungen auf, sich bis zur Weltklimakonferenz im Dezember auf der indonesischen Insel Bali auf verbindliche Mechanismen zur Begrenzung von Treibhausgasen zu einigen. Der Chef des UN-Umweltprogramms rief die Weltbevölkerung auf, Druck auf ihre jeweilige politische Führungen auszuüben. (ina)

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