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Alltagsdeutsch – Podcast

Eishockey

Voller Körpereinsatz ist gefragt, beim Eishockey. Die schnellste Mannschaftssportart der Welt hat ihre treuen Fans – und eine eigene Sprache. Poesie ist in dieser Sportart fehl am Platz. Dort sind harte Töne gefragt.

Sprecherin:

Harte Rockmusik, Trockeneisnebel und ein Meer von Wunderkerzen. Einlauf der heimischen Gladiatoren im Düsseldorfer Eisstadion.

Sprecher:

Begeistert begrüßen die mehr als 10.000 Zuschauer jeden einzelnen Spieler der Düsseldorfer Eishockeygemeinschaft. Schon seit Tagen ist das Lokalderby mit den Kölner Haien ausverkauft. Traditionell gehört das Spiel der beiden Erzrivalen vom Rhein zu den Höhepunkten der Eishockey-Saison. Dementsprechend lautstark und nicht gerade freundlich ist die Begrüßung der Kölner Spieler durch das Düsseldorfer Publikum.

Sprecherin:

Rund 600, mit rot-weißen Trikots bekleidete Fans haben ihre Mannschaft nach Düsseldorf begleitet. Ihre Faszination für Eishockey hat viele Gründe:

O-Töne:

"Der Sport ist schnell, rasant, hart." / "Es geht immer auf und ab beim Eishockey." / "Schnelles Spiel, viel Action, schöne Männer." / "Die Geschwindigkeit, die Dynamik, es gibt nichts anderes, was ähnlich schnell wäre und wo es so zur Sache geht." / "Schöne harte Checks oder aber ganz einfach nur harte Zweikämpfe, ohne dass jetzt unbedingt der eine dem anderen das Stockende in die Kieferleiste schiebt."

Sprecher:

Harte Zweikämpfe und harte Checks. Eishockey ist ein Sport, in dem es zur Sache geht. Der Begriff "Sache" steht im Mittelpunkt vieler Redensarten. Seine ursprüngliche Bedeutung Streit, Krieg oder Prozess zeigt sich zum Beispiel in der Redewendung Eine Sache ist vor Gericht anhängig, das heißt, sie muss noch von den Richtern entschieden werden. Doch der Ausdruck hier geht es zur Sache, hat eine andere Bedeutung. Er beschreibt eine Handlung, in der die Beteiligten – in diesem Fall also die Eishockeyspieler – ohne Umschweife direkt zum Wesentlichen kommen. Das Wesentliche, das ist beim Eishockey die harte körperliche Auseinandersetzung von Mann zu Mann. Dazu gehört auch der so genannte Bodycheck, ein hartes Rempeln des Gegners, ein im Eishockey erlaubtes Verhalten. Verboten ist dagegen, dem Gegner das Stockende in die Kieferleiste zu schieben, es also auf gut Deutsch gesagt, gegen das Gebiss des Gegners zu schlagen.

Sprecherin:

Die 36. Spielminute. Riesenjubel bei den Kölner Fans. Querpass auf den Kanadier Dwayne Norris, ein harter und platzierter Schuss des Stürmerstars. Düsseldorfs Torwart kann den Puck nicht festhalten. Die Hartgummischeibe trudelt über die Linie. Das 1:0 im Derby mit der Düsseldorfer EG: Grund genug für Jubelgesänge.

Sprecherin:

Doch nicht immer drücken sich die Fans so vornehm aus. Besonders zwischen Kölnern und Düsseldorfern sind derb-deftige Sprüche an der Tagesordnung. Alles halb so wild, meinen die Anhänger der Kölner Haie:

O-Töne:

"Hassgefühle sind das also nicht, keine richtigen. Das ist so ein bisschen Spaß, man muss ein bisschen Wettern gegen die anderen Fans und das macht aber Spaß und wenn einer neben mir steht, deswegen wird er nicht angegriffen oder so was. Wie gesagt, das ist halt die Rivalität vom Rhein." / "Das ist halt der besondere Spaß daran, dass man sich halt mit Worten und mit Gesten und mit Gesängen halt eben ein bisschen anmacht gegenseitig. Und solange die Grenze nicht überschritten wird und es fliegen hier eben keine Fäuste, ist das in Ordnung."

Sprecher:

Nicht nur beim Eishockey ist es üblich, dass sich die Fans gegnerischer Mannschaften verbal anmachen. Die Redewendung entstammt der Jugendsprache und kann sowohl positiv als auch negativ besetzt sein. Wenn ein Mann eine Frau anmacht, dann versucht er, sie für sich zu begeistern. Wer dagegen jemanden dumm anmacht, der beleidigt ihn und sucht möglicherweise Streit. Im Extremfall fliegen dann schnell die Fäuste, das heißt, es kommt zur Schlägerei.

Sprecherin:

Doch im Gegensatz zum Fußball bleibt es beim Eishockey auf den Rängen fast immer friedlich. Hooligans sind unbekannt. Und sogar Kölner und Düsseldorfer Fans, wie Toni Richter wissen, dass sie im Endeffekt aufeinander angewiesen sind:

Toni Richter:

"Ja, das ist halt wie so eine Erzfeindschaft, Düsseldorf – Köln. Wobei man sagen muss, ohne einander geht es eigentlich nicht. Die DEG war ja mal eine Zeit lang weg, die sind ja jetzt erst wieder in die DEL gekommen und da hat man eigentlich gesehen, dass etwas fehlt. Also dann lieber die Schmähgesänge und die DEG is wieder dabei und das verkraften wir dann schon."


Sprecher:

Der Erz- oder Erbfeind, in diesem Fall die Düsseldorfer EG, ist eine Person oder eine Gruppe, die traditionell von Grund auf gehasst wird. Erz stammt aus dem Spät-Lateinischen und heißt so viel wie "der Erste" oder "das Oberste". Der Begriff Erbfeind war wahrscheinlich auf den Teufel gemünzt, den schlimmsten Feind der Christen. Doch auch als Bezeichnung für einen irdischen Glaubensfeind wurde der Begriff genutzt. Im 15. Jahrhundert galt zum Beispiel der türkische Sultan als Anti-Christ und Erbfeind. Als eine traditionelle Erbfeindschaft wurde bis Anfang der 50er Jahre auch das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen angesehen. Im Eishockey ist dieser Begriff aber übertrieben.

Sprecherin:

Die 39. Spielminute im Lokalderby. Diesmal Riesenjubel auf der Düsseldorfer Seite, Strafzeit für den Kölner Dieter Kalt. Im Überzahl-Spiel erlöst der Düsseldorfer Gary Shuchuk die Fans der DEG. 1:1 – der Ausgleich. Die Kölner haben sich zu früh gefreut. Ab sofort haben auch die Düsseldorfer Fans wieder einen Grund zu singen.

Sprecher:

Ob Anzugträger oder Jeans-Typ – die Faszination für den schnellsten Mannschaftssport der Welt vereint nicht nur in Düsseldorf oder Köln Menschen aus allen Altersklassen und sozialen Schichten. Komplette Familien, Großmutter inklusive, begeistern sich für die einmalige Mischung aus Ästhetik und Brutalität.

Sprecherin:

Im Düsseldorfer Eisstadion geht es inzwischen richtig zur Sache. Ungebremst rasen zwei Spieler der DEG auf einen Kölner Stürmer und pressen ihn mit einem lauten Knall an die Kunststoffbande. Fäuste fliegen, das Publikum johlt bis der Schiedsrichter eingreift und Zeitstrafen für beide Teams verhängt. Die Fans sind begeistert.

O-Töne:

"Dat ist auch schön, dat Harte. So ein bisschen checken und dat muss schon sein. Also nur schönes Spiel. Dat is auch nichts, so nen bisschen Aggression muss da drin sein." / "Es soll eine gesunde Härte sein, keine Brutalität. Im Prinzip kann da nichts passieren, wenn man da fair drangeht und irgendwo gehört es dazu. Auch so ein kleiner Faustkampf, das macht den Sport aus."

Sprecherin:

Auch Harold Kreis, Co-Trainer der Kölner Haie, hat Verständnis für eine gelegentliche Überreaktion seiner Spieler auf gegnerische Provokationen.

Harold Kreis:

"Es geht um viel. Die Jungs sind müde, die werden gereizt. Das ist oft nicht ein Zwischenfall, sondern das ist eine Ansammlung von Sticheleien, so ein provoziertes Verhalten des Gegners, das sich über das Spiel hinüber weg zieht. Na, das ist dann manchmal dann die letzte Reaktion des Spielers, dass dem Spieler dann einfach irgendwann mal die Sicherung durchbrennt und wir sind ja alle mit so was aufgewachsen und wir verstehen, dass es auch so was gibt."

Sprecher:

Der Begriff Stich – beziehungsweise Sticheleien – entstammt vermutlich dem ritterlichen Turnierwesen, bei dem die Teilnehmer sich mit Lanzen bekämpften. Wenn ein Ritter seine Gefährten in einer Auseinandersetzung verließ, blieben diese im Stich des Gegners. Daraus entstammt die Redewendung jemanden im Stich lassen. Ein Übermaß an Sticheleien kann dazu führen, dass bei einer Person eine Sicherung durchbrennt, sie also die Kontrolle über ihre Handlungen verliert. Doch ob kontrolliert oder unkontrolliert, die körperliche Auseinandersetzung mit dem Gegner ist auch für Spieler wie den Kölner Stürmer Dieter Kalt ein wesentlicher Bestandteil des Eishockeys.

Dieter Kalt:

"Die Härte ist ganz wichtig für den Sport, also es ist Mann gegen Mann. Es ist ganz wichtig sich durchzusetzen, dorthin zu gehen, wo man auch Weh bekommt, vors Tor, in die Ecken, die Drecksarbeit zu machen sozusagen, also Räume schaffen für die Mitspieler."

Sprecherin:

Dreck, das ist in der Umgangssprache das Wertlose, Nichtige, Anstößige oder Unangenehme. Die Drecksarbeit ist also die undankbare und möglicherweise gefährliche Arbeit, die niemand machen möchte. Die Drecksarbeit im Eishockey ist zugegebenermaßen ziemlich gut bezahlte Drecksarbeit. Doch das Risiko ist hoch. Auch Dieter Kalt hat eine lange Verletzungsliste:

Dieter Kalt:

"Etliche Platzwunden, ein paar kleinere Brüche, Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen, kleine Muskelrisse, Nase hab ich schon gebrochen gehabt und Zahn war auch schon ausgeschlagen, aber nur ein kleines Stück. Das sind so Kleinigkeiten eigentlich, die da passieren. Aber Gott sei Dank, ich muss auf Holz klopfen, die größeren Verletzungen – Knieverletzungen, Schulterverletzungen zum Beispiel – sind mir bis jetzt, wie soll man sagen … ich bin verschont worden, bis jetzt."

Sprecher:

Dieter Kalt klopft auf Holz. Gott sei Dank sind größere Verletzungen in seiner Profi-Karriere bisher ausgeblieben. Wer auf Holz klopft, der beschwört das Glück auf, dass es ihm auch in Zukunft treu bleibe. Die Formel Gott sei Dank ist seit Jahrhunderten bekannt und ist Gegenstand verschiedener respektloser Vergröberungen, wie zum Beispiel in der Redensart Gott sei's gepfiffen und getrommelt. Auch die parodistische Formel Sport sei Dank ist bekannt.

Sprecherin:

Doch neben dem Kampf Mann gegen Mann ist auch im deutschen Eishockey in den vergangenen Jahren die Technik immer wichtiger geworden. Eishockey hat sich vom Rüpelsport für Raufbolde zu einem mehr oder weniger professionell organisierten Millionengeschäft entwickelt. Nach immer neuen Pleiten sind die Clubs heute nach dem Muster von gewinnorientiert arbeitenden Wirtschaftsunternehmen aufgebaut. (Jubel) Die letzten Minuten im Derby zwischen den Kölner Haien und der Düsseldorfer EG. Bully vor dem Tor von Trefilov. McLlwain hält drauf. Tor zur 2:1-Führung für die Haie. Leichenbitter-Mienen bei den Düsseldorfer Fans. Nur 59 Sekunden später Zuspiel von Young auf Momesso. Der hämmert die Scheibe ins Netz und erhöht auf 3:1. Hochstimmung bei den Kölnern. Der Auswärtssieg gegen den Erzrivalen ist so gut wie perfekt. Dann die letzten Sekunden:

O-Ton:

"Drei, zwei, eins … ja!"

Fragen zum Text

Ein Lokalderby ist …

1. ein Spiel zwischen Sportmannschaften aus einer Region.

2. eine Prügelei in einem Restaurant.

3. ein Wettstreit unter Weinlokalen.

Die Redewendung Es fliegen die Fäuste bedeutet, dass …

1. Fäuste geworfen werden.

2. es eine Prügelei gibt.

3. "Faust"-Bücher des Dichters Goethes zu Fliegern verarbeitet werden.

Wenn man jemandem im Stich lässt, dann …

1. hilft man jemandem nicht.

2. tötet man jemanden.

3. verliert jemand die Kontrolle über sich.


Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich über Eishockey. Erstellen Sie einen Text mit den Regeln des Spiels und finden Sie zehn weitere Fachbegriffe. Erklären Sie deren Bedeutung.

Autor: Nils Naumann

Redaktion: Beatrice Warken

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