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Europa

Eisbad am Dreikönigstag - ein russischer Brauch

Das Eisbad in der Nacht zum Dreikönigstag ist in ganz Russland beliebt. Die Tradition der orthodoxen Gläubigen entwickelt sich zunehmend zu einer Mutprobe.

Zum Auftakt des orthodoxen Dreikönigstags (19.01.2012) haben allein in der russischen Hauptstadt Moskau 92.000 Menschen ein Eisbad genommen - fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Überall in Russland wird die symbolische Reinigung bei den Gläubigen immer beliebter. In Nowosibirsk, rund 3000 Kilometer östlich von Moskau, sprangen etwa 200 Menschen bei minus 30 Grad in eine kreuzförmige Öffnung im Eis. Und auch in der Ukraine und Belarus nahmen in der vergangenen Nacht viele orthodoxe Gläubige ein Eisbad.

Sprung ins Wasser - sauber und sündenfrei

Menschen kommen zusammen, um Eisbad zu nehmen (Foto: dapd)

Menschen kommen zusammen, um Eisbad zu nehmen

Das Eisbad dient traditionell dazu, sich symbolisch von den Sünden zu reinigen. Die Gläubigen tauchen dreimal vollständig unter Wasser, das zuvor von Geistlichen gesegnet wurde. Danach bekreuzigen sie sich jeweils.

Der Tradition zufolge springen die "Morschi" (Wahlrosse) in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar in Flüsse, Seen und eigens aufgestellte Bottiche. Bis zu 60 speziell vorbereitete Badestellen gab es allein in Moskau, die durch zahlreiche Polizisten und Rettungskräfte gesichert waren. In der russischen Hauptstadt gab es zudem mehrere Gottesdienste in insgesamt 111 Klöstern, Kirchen und Kathedralen. Dabei verteilten Priester gesegnetes Wasser.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche kritisiert, dass das Fest immer mehr einem Massenspektakel ähnelt. Vor allem für junge Leute ist das Eisbad eher eine Mutprobe als ein Glaubensakt. Kinder, ältere Menschen und Herz-Kreislauf-Kranke sollten auf den Sprung ins kalte Wasser komplett verzichten, raten Ärzte. Mit dem Eisbad erinnern die Gläubigen an die Taufe Jesu. Die russisch-orthodoxe Kirche hält bis heute am Julianischen Kalender fest und feiert den Dreikönigstag deshalb am 19. Januar.

Autorin: Mariya Ruettinger (dpa, kna)

Redaktion: Dirk Eckert

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