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Wissen & Umwelt

Eisbären ziehen in die Antarktis um

Kaum ein Tier leidet so sehr unter dem Klimawandel wie der Eisbär. Sein Lebensraum in der Arktis schrumpft. In einem spektakulären Pilotprojekt sollen Eisbären daher neuen Lebensraum in der Südpolarregion finden.

Für die Eisbären wird die Zeit knapp: Immer weiter zieht sich das arktische Eis im Zuge der Erderwärmung durch den Klimawandel zurück, immer kleiner wird damit der Lebensraum des größten Landraubtieres der Erde. Der Eisbär, bei dem ausgewachsene Tiere je nach Geschlecht zwischen 300 und 800 Kilogramm schwer werden, ist bei der Jagd auf eine tragfähige Eisdecke angewiesen. Oft sitzt er stundenlang geduldig neben einem Eisloch und wartet darauf, dass dort ein Seehund oder eine Robbe zum Atmen auftaucht. Dann schlägt er blitzschnell zu.

Eisbären im Vorgarten

William Bannister ist Bürgermeister der kanadischen Kleinstadt Churchill. Seine Heimat, die sich einst selbst den Namen "Eisbären-Hauptstadt der Welt" gegeben hat, liegt in der nordkanadischen Provinz Manitoba, direkt am Ufer der Hudson Bay.

Bannister beobachtet die Klimaentwicklung und die damit verbundenen Folgen für die Eisbären mit Sorge. "Früher lebten die Tiere mehrere hundert Meilen weiter nördlich, draußen auf dem Eis der Hudson Bay", erklärt er. "Heute trägt das Eis nicht mehr und die Bären wandern nach Süden aufs Festland."

Hier aber können sie keine Robben jagen und suchen ihre Nahrung woanders. Dabei kommen die Raubtiere Bannister und den anderen Einwohnern von Churchill oft gefährlich nahe. "Mir wäre es lieber, wir müssten wie bis vor ein paar Jahren Touristen-Safaris veranstalten, um Eisbären zu Gesicht zu bekommen, statt, wie heute, im eigenen Vorgarten oder an der Mülltonne von ihnen überrascht zu werden."

Zoo Hellabrunn Eisbär Zwillinge Eisbärenbabys Eisbären Tierpark (Foto: Sven Hoppe /dpa)

Auch diese Babybären könnten schon bald umziehen

Churchill ist nur eines von zahlreichen Beispielen und daher eine von vielen nordkanadischen Gemeinden, die die "Canadian Polar Bear Conservation Society" (CPC) unterstützen. Die Organisation wurde vor acht Jahren gegründet. "Wir kämpfen für das Überleben der Eisbären und versuchen, neuen Lebensraum für sie zu erschließen", erläutert Wolfric Bogarde. Der 67-jährige bärtige Kanadier und ehemalige Pilot, ist Mitbegründer der CPC. Die Organisation hat schon oft erfolgreich Eisbären umgesiedelt - zuletzt von der Hudson Bay in ein unberührtes Areal auf Grönland - bisher allerdings nur innerhalb der Arktis.

Gefährlicher Eingriff in die Natur

Das wird nun anders, denn das neueste Projekt von Bogarde und seinen Mitstreitern sieht vor, eine Gruppe von zunächst 25 Eisbären auf das Eisschild der Antarktis umzusiedeln. Am 1. April, zum Start des südpolaren Winters, sollen die ersten Bären umziehen und in dem Teil der Antarktis, der unter kanadischer Verwaltung steht, angesiedelt werden. Die kanadische Regierung unterstützt das Projekt.

Der deutsche Meeresbiologe Arne Pedersen von der Tierschutzorganisation "Poisson d'avril" hält den Umzug der Eisbären dagegen für keine gute Idee "Es gibt in der gesamten Südpolarregion keine Eisbären in freier Wildbahn. Und es hat sie auch nie gegeben", sagt er, räumt aber gleichzeitig ein: "Selbstverständlich ist der antarktische Eisschild ein hervorragender Lebensraum für Eisbären. Sie finden dort alles, was sie brauchen - eine tragfähige Eisdecke und Robben und Seehunde, die ihre hauptsächliche Nahrungsquelle sind, in Hülle und Fülle."

Allerdings gibt der 43-jährige Hamburger zu bedenken, dass die Neuansiedlung eines Tieres, noch dazu eines so großen Raubtieres wie des Eisbären, einen unberechenbaren und gefährlichen Eingriff in die Natur darstelle, mit möglicherweise irreparablen Folgen.

Pinguine schmecken nicht

Die größte Sorge Pedersens und vieler anderer Biologen und Tierschützer ist das Wohlergehen der Pinguine. Besonders fürchten sie um die großen Pinguinarten, Kaiser- und Königspinguin, die in riesigen Kolonien auf dem antarktischen Eisschild brüten und bisher - zumindest an Land - so gut wie keine Feinde haben. Lediglich die Jungtiere stehen auf der Speisekarte einiger Raubvögel oder des Polarfuchses.

Im Wasser werden auch ausgewachsene Pinguine von Orcas und Seeleoparden angegriffen. "Sollten nun aber Eisbären in der Antarktis angesiedelt werden", befürchtet Arne Pedersen von "Poisson d'avril", "so könnten diese binnen kurzer Zeit ein wahres Blutbad in den Brutkolonien der Pinguine anrichten."

Antarktis Adeliepinguine

Viele befürchten ein Blutbad zwischen den Eisbären und den in der Antarktis beheimateten Pinguinen

Eine unbegründete Sorge, behauptet dagegen die CPC: "Wir haben Pinguine nach Kanada eingeflogen und in einem unserer Reservate an der Hudson Bay einen wissenschaftlich betreuten Feldversuch durchgeführt", erklärt Wolfric Bogarde. Auf einem eingezäunten Areal von mehreren hundert Hektar, seien Eisbären und Königspinguine über mehrere Monate beobachtet worden.

"Zwar kam es anfangs zu Angriffen von Eisbären auf Pinguine", räumt Bogarde ein, "aber die Vögel haben sich nicht als potentielle Nahrungsquelle bei den Bären durchgesetzt. Sie haben sehr schnell von den erbeuteten Pinguinen abgelassen und sind wieder an ihre Eislöcher zurückgekehrt, um Robben zu jagen. Ich vermute, die Vögel haben ihnen einfach nicht geschmeckt."

Sollte dieses Verhalten auch bei den 25 Eisbären beobachtet werden, die nun als erste in die Antarktis umgesiedelt werden, so Bogarde, würden weitere Tiere folgen und am anderen Ende der Erdkugel eine neue Heimat finden.

Kennen Sie die Tradition des Aprilscherzes? Hier gibt es mehr dazu.

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