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Aktuell Nahost

Einziges Kraftwerk im Gazastreifen brennt

Nach schwersten Angriffen seit Beginn der israelischen Offensive in Gaza ist das einzige Kraftwerk in dem abgeriegelten Küstenstreifen ausgefallen. Die UN warnen vor einem Flüchtlingsdrama.

Das einzige Elektrizitätswerk des Gazastreifens war am Dienstag von Granaten getroffen worden. Ein Großfeuer brach aus und das Kraftwerk fiel komplett aus. Palästinenser machten Israel für den Angriff verantwortlich. Die Armee erklärte, der Vorfall werde geprüft. Das Kraftwerk erzeugt Strom für Haushalte, Betriebe, Krankenhäuser und Abwasserpumpen im Gazastreifen. Die Anlage versorgt knapp ein Drittel der Haushalte mit Strom.

Die 1,8 Millionen Einwohner des Küstenstreifens am Mittelmeer haben schon seit Jahren mit Stromsperren zu kämpfen. Seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen wurden die täglichen Stromabschaltungen noch länger. Schon in der Vergangenheit musste das Kraftwerk wegen Treibstoffmangels immer wieder auch ganz abgestellt werden.

Schwerste Angriffe seit Beginn der Offensive

Die Menschen in Gaza-Stadt erlebten zuvor die schlimmsten Angriffe seit Beginn der israelischen Offensive. Palästinensische Augenzeugen berichteten, das Militär habe aus der Luft, mit Artillerie und von Kriegsschiffen aus geschossen. Nach Medienberichten griff die Armee 150 Ziele an, darunter zwei Kommandozentralen der radikal-islamischen Hamas und vier Waffenlager, die sich in Moscheen befanden sowie Hafenanlagen. Auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija wurde getroffen. Der Funktionär und seine Familie waren zu dem Zeitpunkt nicht dort.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor der Vertreibung weiterer Zehntausender Menschen im Gazastreifen. Die Hilfsorganisationen hätten nicht die Mittel, einen neuen Flüchtlingsstrom zu bewältigen. Ban bezog sich auf Berichte, nach denen Israels Armee die Bewohner des nördlichen Gazastreifens zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert haben soll. Die Armee habe entsprechende Flugblätter über dem Gebiet abgeworfen. Nach UN-Angaben sind mehr als 170.000 Menschen innerhalb Gazas auf der Flucht. Viele suchten Zuflucht in Schulen und anderen Gebäuden des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge.

Internationales Drängen auf Waffenstillstand

Ban forderte erneut einen Waffenstillstand in dem Konflikt. Er verurteilte den Raketenbeschuss Israels und den Tunnelbau von Gaza nach Israel durch die Hamas. Führende westliche Nationen forderten ebenfalls eine sofortige, bedingungslose und humanitäre Waffenruhe. Zugleich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef François Hollande, der britische Premier David Cameron und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi in einer Telefonkonferenz besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation.

Verwirrung um Bereitschaft der Hamas zu Waffenruhe

Für Verwirrung sorgte die Palästinenische Befreiungsfront (PLO). Der Generalsekretär der PLO, Jasser Abed Rabbo, verkündete, die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad hätten in Gesprächen einer 24-stündigen "humanitären Waffenruhe" zugestimmt. Die Hamas dementierte, eine solche Feuerpause akzeptiert zu haben.

Ungeachtet aller internationalen Appelle für eine Waffenruhe hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag eine Fortsetzung der Militäroffensive angekündigt. "Wir werden den Einsatz nicht beenden, bevor wir die Tunnel (der Hamas) zerstört haben", erklärte er in einer Fernsehansprache.

cr/kle (dpa, epd, afp)