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Fußball

Einzeltäter für BVB-Anschlag verantwortlich?

Eine Woche nach dem Sprengstoffanschlag reist Borussia Dortmund zum Champions-League-Rückspiel nach Monaco - unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Derweil gehen in Dortmund Ermittlungen und Spekulationen weiter.

Auch eine Woche nach der Bombendetonation neben dem BVB-Mannschaftsbus ist unklar, warum das Team von Borussia Dortmund ins Visier des oder der Täter geriet. In Monaco gehen sie dennoch auf Nummer sicher. "Dortmund hat nichts von uns gefordert, aber wir werden die Sicherheitsvorkehrungen um die Mannschaft und den Bus verstärken", kündigte Patrice Cellario, Innenminister des Stadtstaates Monaco, an. Allerdings erwartet er keine Probleme zwischen den Fans beider Lager: "Nach der spontanen Gastfreundschaft im Hinspiel glauben wir nicht, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den Fans kommen wird, aber wir passen natürlich auf."

Mit der Unterstützung von erwarteten 3000 BVB-Fans wollen die Schwarz-Gelben am Mittwoch (Anstoß 20.45 Uhr MESZ, ab 20:30 Uhr im DW-Liveticker) im Stade Louis II versuchen, die 2:3-Hypothek des Hinspiels doch noch in ein Happy-End zu verwandeln. Eine schwere Aufgabe für den Tabellenvierten der Bundesliga angesichts der Offensivstärke von AS Monaco, dessen junges Team aktuell nicht nur die französische Ligue 1 beeindruckt. Doch neben der sportlichen Herausforderung steht die Mannschaft der Borussia auch immer noch vor einer menschlichen: Wie kann man das Trauma des Anschlags so schnell verarbeiten?

Hinweise sprechen für einen Einzeltäter

Auch nach dem gewonnenen Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag ist das Sprengstoffattentat mit drei Bomben auf den BVB-Mannschaftsbus das Thema in Dortmund: Wer wollte die Spieler töten und warum? Zu diesen Fragen gibt es nun offenbar neue Erkenntnisse. So soll es sich um einen Einzeltäter handeln, wie das Portal "Sport1" unter Berufung auf die Dortmunder Polizei berichtet. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Eine andere Vermutung der vergangenen Tage bestätigt sich offenbar nicht: Laut "Bild"-Zeitung stammen Zünder und Sprengstoff nicht aus Bundeswehrbeständen. Genauere Erkenntnisse in diesem Zusammenhang erhoffen sich die Ermittler aus der Auswertung von Bodenproben.

Champions League - Borussia Dortmund v AS Monaco (picture-alliance/Digitalfoto Matthias)

Leere Blicke: Das Dortmunder Team nach dem verlorenen Hinspiel gegen Monaco.

Viele Fragen sind eine Woche nach dem Anschlag noch offen: Völlig unklar ist, aus welchem Umfeld der oder die Täter stammen und mit welchem Ziel sie handelten. Rechter Terror, Islamisten, Erpresser, gegnerische Fans - die Liste der Spekulationen ist lang. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Rund 100 Beamte der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) "Pott" des Bundeskriminalamtes sind mit dem Fall beschäftigt und ermitteln in alle Richtungen. Das Pendel schlägt nach Informationen der "Deutschen Presse-Agentur" (dpa) bisher weder in Richtung Rechtsextremismus, Islamismus noch allgemeine Kriminalität aus. Die drei am Tatort gefundenen gleichlautenden Bekennerschreiben haben bisher keine Aufklärung gebracht. Die Analyse der Schreiben und möglicher Fingerabdrücke darauf soll andauern.

Es hätte sehr viel schlimmer kommen können

Dortmund - Explosion an BVB Bus (Getty Images/M. Hitji)

Spuren des Anschlags: Der beschädigte BVB-Teambus.

Beim Anschlag vor einer Woche war der Spanier Marc Bartra schwer am Arm verletzt worden. Der 26-Jährige musste operiert werden und fällt mindestens vier Wochen aus. Mittlerweile ist er aus dem Krankenhaus entlassen und auf dem Weg der Besserung, wie Bartra selbst via Social Media mitteilte.

Als gesicherte Erkenntnis der Ermittler gilt: Es hätte sehr viel schlimmer kommen können. Nach dpa-Informationen ist ein Großteil der Metallstifte, die der oder die Täter in den Rohrbomben verwendeten, über den Mannschaftsbus hinweg geflogen. Wären die Sprengvorrichtungen in einer anderen Höhe in der Hecke neben der Straße montiert worden, wäre nach dieser Einschätzung eine tödliche Wirkung sowie ein wesentlich höherer Sachschaden nicht unwahrscheinlich gewesen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren die drei Sprengsätze mit Metallstiften bestückt - einer davon hatte sich in die Kopfstütze eines Bussitzes gebohrt. Die Sprengwirkung lag demnach bei mehr als 100 Metern. Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Wären die Splitterbomben nur eine knappe Sekunde früher gezündet worden, hätte der Bus eine regelrechte Breitseite bekommen. Es hätte dann bestimmt viele Schwerverletzte und möglicherweise auch Tote gegeben."

jw/sn (mit sid/dpa)

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