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Wirtschaft

Einzelhandel und Brauereien mit guter WM-Zwischenbilanz

Auch jenseits des Rasens hat die Fußball-Weltmeisterschaft ihre ersten Gewinner. Bierbrauer und Einzelhändler führen Umsatzsteigerungen teilweise auf die WM zurück.

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Bier, Sonne und Fußball - diese Kombination lässt die Kassen der Wirte klingeln

Die WM-Euphorie ließ seit Anpfiff des Turniers die Kassen von Geschäftsleuten auf den Fan-Meilen der Spielorte laut klingeln. So konnten sich Bier-, Würstchen- und Fanartikel-Verkäufer über gute Umsätze freuen, wie eine dpa-Umfrage in Gelsenkirchen, Köln und Dortmund ergab.

"Die Leute kaufen Fahnen, Fahnen, Fahnen - auch von exotischen Ländern. Es hat sich eine richtige Sammelleidenschaft entwickelt. Der absolute Brüller sind die Hawaii-Blumenketten", freute sich Jens Halverscheid, der einen Fahnenstand in der Dortmunder Innenstadt betreibt. Renner an einem anderen Fanartikel-Stand sind Autofahnen, das Stück für drei Euro.

Das Bier fließt in Strömen

Unter den Durstlöschern steht Bier bei den Fußballfans klar an erster Stelle. "Während der WM ist durchaus mit dem doppelten Umsatz zu rechnen", schätzte Georg Schäfer, Geschäftsleiter einer Privatbrauerei. Im Handel rechnen einzelne Geschäfte in Köln zumindest mit einem Umsatzplus von 20 Prozent.

Bei der Veltins-Brauerei wurden am vergangenen Freitag und am Montag mit 19.000 Hektolitern Rekordausstöße verzeichnet. Die Krombacher-Brauerei hatte im Mai mit 600.000 Hektolitern den besten Monat der Firmengeschichte. Auch bei Bitburger wurde mit 29.000 Hektolitern am Freitag ein Spitzenwert erzielt. In Dortmund mussten die Wirte allein am ersten WM-Wochenende 850 Fässer Bier zu 50 Litern bei der Dortmunder-Actien-Brauerei nachbestellen. Hier werden für Juni Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich erwartet.

Siege bei schönem Wetter - das hilft

Der Absatz werde durch die WM deutlich stärker beflügelt als ursprünglich angenommen, sagte Bayerns Brauer-Präsident Michael Weiß in München. Die bayerischen Brauer rechnen für den Monat Juni nun mit einem zusätzlichen Absatzplus von zehn Prozent durch die Weltmeisterschaft. Bisher waren sie von fünf Prozent ausgegangen.

Udo Franke, Sprecher von Carlsberg Deutschland zu der die Hamburger Holsten-Brauerei gehört, sagte: "Durch die WM in der Art und Weise wie sie stattfindet, also Siege der deutschen Nationalmannschaft und gutes Wetter, verkaufen wir erfreulicherweise mehr Bier."

Lange Öffnungszeiten kein Vorteil

Der deutsche Einzelhandel hat gleichfalls eine positive Zwischenbilanz der WM gezogen. Dies teilte der Handelsverband BAG am Mittwoch (21.6.2006) mit. Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels sagte, die Erwartungen seien deutlich übertroffen worden. "Die klassischen Fanartikel finden ebenso reißenden Absatz wie einfach alles, was auch nur im Entferntesten mit Fußball zu tun hat." Außerdem seien bei den Freizeit- und Sportsortimenten deutliche Umsatzzuwächse zu erkennen. Auffällig sei, dass vor allem die Deutschen konsumieren würden und nicht, wie angenommen, die ausländischen Fans. In anderen Sortimenten gebe es dagegen keine solche Kauffreude.

Nach Angaben des Verbandes laufen die Geschäfte in den Austragungsorten besonders gut. Die längeren Ladenöffnungszeiten hätten dagegen nicht zu mehr Kundschaft geführt. Laut Pangels erwartet der Handelsverband ein Umsatzplus von zwei Milliarden Euro. Je weiter die deutsche Nationalmannschaft komme, desto größer würden die Erwartungen.

Kritische Stimmen

Das Urteil des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung fällt dagegen laut einem Bericht der "tageszeitung" anders aus: Die wirtschaftlichen Effekte der WM seien eher mäßig. Auf das Jahr gesehen werde sich das sportliche Großereignis gemessen am Bruttoinlandsprodukt kaum bemerkbar machen.

Der Bonner Wirtschaftspsychologe Thomas Webers stellt der Zeitung zufolge bereits ein großes Erwachen in der deutschen Wirtschaft fest. Die WM habe im Vorfeld große Hoffnungen auf einen neuen Aufschwung und Gewinnsteigerungen geweckt, die am Ende nicht eingehalten würden. Bei einigen trete bereits die Enttäuschung ein. (mas)

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