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Wirtschaft

Einzelhandel schürt neue Rezessionssorgen

Im September hat der deutsche Einzelhandel den stärksten Umsatzeinbruch seit sieben Jahren verbucht. Bricht mit dem privaten Konsum jetzt die letzte Konjunkturstütze weg?

Der stärkste Umsatzeinbruch im Einzelhandel seit mehr als sieben Jahren schürt die Sorge vor einer Rezession in Deutschland. Die Einnahmen schrumpften im September um 2,9 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Preisbereinigt fielen sie sogar um 3,2 Prozent - dreimal so stark wie erwartet. Zudem korrigierten die Statistiker das im August erreichte Wachstum von 2,5 auf 1,5 Prozent kräftig nach unten.

"Damit wird eine Rezession in Deutschland wahrscheinlicher", sagte Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank. "Das Risiko hat zugenommen", pflichtete Christian Schulz von der Berenberg Bank bei. Vor Bekanntgabe der Einzelhandelsdaten haben die meisten Experten für das dritte Quartal noch mit einem minimalen Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent gerechnet - getragen vor allem vom privaten Konsum. Schwächelt dieser wider Erwarten, könnte Europas größte Volkswirtschaft im Sommer bereits das zweite Quartal in Folge geschrumpft sein. Ökonomen sprechen dann von einer Rezession.

Milder Herbst ist Gift für die Winterkollektion

Eine erste Schätzung zum Abschneiden im dritten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 14. November. Mehr Klarheit könnte aber schon die kommende Woche bringen, wenn die Daten zu Industrieproduktion und Exporten bekanntgeben werden.

Der Umsatzeinbruch kommt auch deshalb überraschend, weil die Rahmenbedingungen eigentlich gut sind: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr, die Beschäftigung auf Rekordhoch, die Löhne steigen deutlich stärker als die Preise und erhöhen die Kaufkraft.

"Die Einzelhandelsdaten schwanken oft sehr - in diesem Sommer besonders stark wegen der späten Lage der Ferien", sagte Berenberg-Analyst Schulz. "Dazu kommt ein milder Herbstbeginn. Der hat vermutlich dazu geführt, dass die neuen Winterkollektionen in den Geschäften keinen reißenden Absatz gefunden haben." So brach der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren im Vergleich zum September 2013 um 5,7 Prozent ein.

Trotz des Rückschlags sehen die meisten Experten den privaten Konsum weiter als Stütze der Konjunktur. Zwar hatte sich das Konsumklima im September und Oktober jeweils leicht eingetrübt, da internationale Krisen wie die in der Ukraine die Verbraucher zunehmend verunsichern. Für November zeigt das von den GfK-Marktforschern ermittelte Barometer aber wieder nach oben. Von Januar bis September nahm der deutsche Einzelhandel 1,8 Prozent mehr ein als im Vorjahreszeitraum. Der Branchenverband HDE erwartet im Gesamtjahr ein Plus von rund 1,5 Prozent.