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Wirtschaft

Einzelhandel im Weihnachtsrausch

Die deutschen Einzelhändler freuen sich über das beste Weihnachtsgeschäft seit Jahren. Und sie erwarten, dass die Deutschen auch nach dem Fest in Kauflaune sein werden.

Die Mitarbeiterin eines Spielwarengeschaefts in Stuttgart verpackt die verkaufte Ware als Geschenk (Foto: apn)

Rund 77 Milliarden Euro geben die Deutschen im November und Dezember aus

Viele deutsche Kinder werden den Weihnachtsmann in diesem Jahr für besonders großzügig halten. Auch für Erwachsene liegen vermutlich mehr Päckchen unter dem Christbaum als 2009. Denn die Deutschen haben in diesem Jahr wieder so viel Geld für Geschenke ausgegeben wie zuletzt 2005, meldet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

Milliardenumsatz in der Adventszeit

Passanten mit Einkaufstaschen (Foto: dpa)

Bis zur letzten Minute werden die Kaufhäuser gestürmt

Für November und Dezember rechnet der Verband mit einem Umsatz von 77 Milliarden Euro - das sind 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. "Die Menschen haben sich das Einkaufen von den chaotischen Wetterverhältnissen nicht verderben lassen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, Stefan Genth, gegenüber DW-TV. Er erklärte, die Wirtschaftskrise sei erstaunlich schnell überwunden worden. Die Deutschen hätten im Laufe des Jahres Geld angespart, um sich in der Weihnachtszeit etwas Besonders zu gönnen: zum Beispiel edle Uhren oder Schmuck.

Ganz oben auf vielen Wunschzetteln stehen gerade in diesem schneereichen Jahr Wintersportartikel wie Schlitten, Skier und Schlittschuhe, aber auch warme Winterkleidung. In vielen Läden wurden Schlitten und Schneeschieber knapp. Auch bei Handschuhen war die Nachfrage in einigen Läden doppelt so groß wie das verfügbare Angebot.

Die Hitliste: Elektronik, Pantoffeln und Schmuck

iPad von Apple (Foto: ap)

Tablet-PC's sind dieses Jahr der Renner

Besonders beliebte Weihnachtsgeschenke sind in diesem Jahr Video- und Computerspiele. Die Elektronikbranche sei "hoch zufrieden" mit ihrem Weihnachtsgeschäft, das "deutlich besser" als im Vorjahr laufe, erklärte der Chef des Technik-Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, der Agentur AFP. Neben den Computerspielen seien auch Handys, Flachbildfernseher und Digitalkameras begehrte Geschenke. Das "Hightech-Geschenk" des Jahres 2010 ist aber eindeutig das iPad - der Tablet-Computer, den man über einen berührungsempfindlichen Bildschirm bedienen kann. Diese Geräte hätten sich bei den mobilen Computern als neue Klasse neben Notebooks und den kleineren Netbooks etabliert. Laut Verband wurden im Jahre 2010 rund 450.000 Tablet-PCs verkauft.

In diesem Jahr erlebten auch Online-Marktplätze für Handgebasteltes einen Boom wie nie zuvor. Viele Deutsche möchten ihren Lieben etwas Persönliches schenken - aber ihnen fehlt die Zeit, um die Gegenstände selber zu basteln. Also erledigen sie alles per Mausklick. Ganz vorne auf der Beliebtheitsskala stünden handgemachte Filzpantoffeln, sagt Claudia Helming. Sie ist Geschäftsführerin von Dawanda, einem 2006 in Berlin gegründeten Online-Marktplatz für handgefertigte Produkte. Sehr populär sei auch individueller Schmuck, zum Beispiel Halsketten aus Silber mit einem Namen oder einem Spruch. Bei Dawanda gingen in diesem Jahr bis zu 30.000 Bestellungen pro Tag ein - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Enttäuschung auf den Weihnachtsmärkten

Der Weihnachtsmarkt in Erfurt (Foto: dpa)

Die Weihnachtsmärkte leiden unter der kalten Witterung

Und dass unter vielen Weihnachtsbäumen unpersönliche Geldgeschenke liegen, freut die Einzelhändler auch. Jüngste Studien belegen, dass jedes zweite Geschenk an Heiligabend ein Gutschein ist. Diese Geldgeschenke würden hauptsächlich in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester eingelöst, meint Stefan Genth vom Handelsverband HDE. Deshalb ist er zuversichtlich, dass das gute Geschäft auch nach dem Fest weitergeht. Außerdem erwartet Genth, dass in dieser Zeit viele Deutsche die Shoppingtouren nachholen, die sie wegen des Schneechaos verschieben mussten. Der Handelsverband HDE hofft auf die umsatzstärkste Woche des Jahres zwischen Weihnachten und Silvester.

Nur für die Budenbesitzer auf den Weihnachtsmärkten war dieser Dezember kein Wintermärchen. Bei den eisigen Temperaturen zogen es viele Kunden vor, ihren Glühwein gemütlich am Küchentisch zu trinken.

Autorin: Alexandra Scherle (mit afp, dpa)

Redaktion: Henrik Böhme

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