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Aids

Einstiges Musterland Uganda auf Abwegen

Uganda galt einst als Musterland der Aids-Bekämpfung. Dort brach 1982 die Seuche zum ersten Mal aus. Doch dann machte Korruption die Erfolge zunichte. Heute hat Uganda wieder die höchsten Neuinfektionsraten in Ostafrika.

Das Thema HIV/Aids ist in Ugandas Hauptstadt Kampala überall sichtbar. Werbetafeln mit glücklichen Familien, die auf einem Plakat verkünden: "Wir kennen unseren Status - ihr auch?" Ein anderes Plakat warnt: "Werde nicht Mitglied im sexuellen Netzwerk!" Der neueste Schrei: Ein Lieferservice für Kondome, der innerhalb von 15 Minuten Verhütungsmittel nach Hause liefert. Über das HIV/Aidsrisiko wird in Uganda sehr offen gesprochen - in Schulen, an den Unis, in den Krankenhäusern.

1982: Massensterben im kleinen Fischerdorf

Uganda beschäftigte sich notgedrungen schon in den frühen 1980er Jahren mit der Krankheit: Im kleinen Fischerdorf Kasensero in Westuganda brach 1982 die erste Aids-Epidemie aus. Zwar kannte die Welt den HI-Virus bereits aus Einzelfällen in Tansania, Kongo und den USA - aber ein solches Massensterben hatte die Welt noch nicht gesehen.

Virologen aus aller Welt reisten nach Uganda; Ugandas führender Virologe Joseph Konde-Lule war damals noch ein junger Doktorand. Heute arbeitet er als Professor am Forschungszentrum des staatlichen Krankenhauses, an dem auch das Virus-Institut angegliedert ist.

Fischerdorf Kasensero (Foto: Simone Schlindwein)

Das Fischerdorf Kasensero in Westuganda hatte 1982 mit der ersten Aids-Epidemie zu kämpfen

Konde-Lule war unter den ersten Ärzten, die die Seuche 1982 untersucht hatten. Er musste seine Ergebnisse damals dem ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni vorlegen. Dieser hat Aids damals erstmals in Afrika zur Bedrohung erklärt, erzählt Konde-Lule.

Die Krankheit anzuerkennen, das sei der erste wichtige Schritt gewesen, so der Professor. "Wir starteten mit den ersten wissenschaftlichen Studien 1989. Das sind mittlerweile Langzeitstudien. Wir konzentrieren uns alle fünf Jahre auf andere Aspekte", erklärt der Arzt.

"Zu Beginn haben wir uns auf die Risikogruppen konzentriert: wie wird man HIV-positiv und wie kriegt man Aids? Heute konzentrieren wir uns auf Präventionsmaßnahmen. Wir haben Medikamente, die ARVs [antiretrovirale Medikamente], die wir stetig verbessern: weniger Nebenwirkungen und so weiter. Wir forschen auch an Heilmethoden - aber davon sind wir noch weit entfernt."

Gelder im großen Stil veruntreut

Uganda galt lange als Vorzeigeland in der Aids-Bekämpfung. Das Gesundheitsministerium hat aufgrund der Forschung zumindest in den 1990er Jahren erfolgreich die Aids-Infektionsraten senken können. Damals wurde Uganda zum Liebling der internationalen Geldgeber erklärt. Milliarden Hilfsgelder flossen aus den USA und aus dem Globalen Fond zur Bekämpfung von Aids in das Land.

Doch dann verschwanden 2003 fast 40 Millionen Dollar aus dem Fond. Uganda gehört zu einem der korruptesten Länder Afrikas. Transparency International sieht Uganda auf seinem Korruptionswahrnehmungsindex auf Platz 140 von insgesamt 177 Ländern.

Edward Sekeywa (Foto: Simone Schlindwein)

Es ist auch Sekeywas Verdienst, dass die Veruntreuung der Gelder aufgedeckt wurde

Die UNO stellte daraufhin alle Zahlungen ein. Zahlreiche Programme zur Aidsbekämpfung konnten daraufhin nicht mehr finanziert werden. Wo das Geld geblieben ist, das wurde erst in jüngster Zeit durch ein Gerichtsverfahren und Recherchen von Journalisten wie Edward Sekeywa ermittelt. Er hat in Deutschland studiert und zählt in seiner Heimat zu den führenden Korruptionsermittlern.

Sekeywa fährt einen Hügel hinauf. Rechts und links säumen hohe Mauern mit Stacheldrahtzaun den Weg. Dahinter verbergen sich gigantische Villen. Hier oben, weit über dem Verkehrschaos und den Wellblechhütten der Armenviertel, leben die Superreichen. Sekeywa seufzt: "Guck mal da, all diese Häuser. Dieses Haus gehört dem Ex-Minister für Gesundheit, der die Gelder aus dem Globalen-Aids-Fond veruntreut hat. Das sind internationale Gelder für Aids-Kranke, um Medikamente zu bezahlen", erzählt Sekeywa.

"Aber er hat einfach das Geld genommen und damit gemacht, was er wollte. Häuser gebaut, Autos gekauft. Furchtbar. Und die armen Leute, für die das Geld gedacht war. Er hat das Haus nun an die UNO vermietet und wohnt selbst hier daneben. Kannst du dir das vorstellen?"

Verharmlosung der Krankheit lässt Neuinfektionen ansteigen

Inzwischen steigen die HIV/Aids-Zahlen in Uganda wieder. In Ostafrika hat Uganda derzeit die höchste Rate der Neuinfektionen: Rund 150,000 Menschen haben sich im letzten Jahr mit dem HI-Virus infiziert.

Ereeza Mugisha vom Aids-Informationszentrum erklärt, dass die Krankheit auf viele nicht mehr so bedrohlich wirke: Im Vergleich zu Malaria oder Typhus stirbt man an Aids in Uganda nicht mehr sofort. Selbst die Medikamente sind kostenlos.

"Die Menschen haben sich nach 28 Jahren an die Krankheit gewöhnt. Ein Fischer beispielsweise, der weiß jeden Tag: Wenn er ins Wasser fällt, dann stirbt er. Wenn er sich mit dem HI-Virus ansteckt, dann kann er damit 20 oder 30 Jahre leben", so Mugisha. "Weil die Krankheit wegen der modernen Forschung nicht mehr unmittelbar tödlich ist, haben die Leute falsche Hoffnungen. Mit den RAVs kann man gut leben. Damit wird man dann unachtsam. Man gibt die Krankheit weiter - an den Ehemann oder Frau, denn sie wollen nicht alleine daran leiden und sterben."

Jüngste Studien besagen, dass vor allem die aufgeklärte junge Mittelschicht in den Städten wieder weniger Kondome benutzt und die jungen Leute auch mehr Sex mit verschiedenen Partnern haben. Jetzt müssen ganz neue Methoden her, diese neue Risikogruppe anzusprechen - zum Beispiel mit dem 15-Minuten-Kondom-Lieferservice. Denn Abstinenz zu predigen, wie es die Pfarrer in der Kirche tun - das hat in Ugandas junger moderner Gesellschaft keinen Erfolg.

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