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Kultur

Einsteins Probleme mit Nähe

Albert Einstein hat vor 100 Jahren seine Theorien veröffentlicht. Im Zuge des Jubiläumstrubels um das Genie ist neues über sein Privatleben öffentlich geworden - auch über das schwierige Verhältnis zu Frauen und Familie.

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Der Physiker und seine erste Frau Mileva Maric 1910 in Prag

"Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. (...) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen. (...) Du hast mein Schlaf- bzw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche." - Auszüge aus dem Ehevertrag Albert Einsteins mit seiner ersten Ehefrau Mileva kurz vor der Scheidung 1919

Am Anfang der Beziehung ist der Ton ein ganz anderer. Einstein lernt die Serbin Mileva Maric Ende des 19. Jahrhunderts in Zürich kennen. Sie ist die fünfte Frau, die am Eidgenössischen Polytechnikum Mathematik und Physik auf Lehramt studieren darf. Etwa ab 1900 schreiben sich die beiden Liebesbriefe: "Johonesl", wie Einstein sich nennt, schreibt "Doxerl", wie er Mileva ruft: "Du bist und bleibst mein Heiligtum." Mileva ist seine Seelenverwandte: Sie lernen zusammen, er spricht mit ihr über seine Forschung.

Uneheliches Kind

1901 wird Mileva schwanger. Sie bringt das Kind Ende Januar 1902 in Novi Sad, im heutigen Serbien, bei ihrer Familie zur Welt. Ein uneheliches Kind aber hätte Einsteins Karriere in der damaligen Zeit zumindest erschwert, wenn nicht verhindert. Was aus Lieserl wurde, ist bis heute unklar: Starb sie als Kleinkind oder wurde sie adoptiert? Jürgen Neffe, deutscher Einstein-Biograf, vermutet eine Freigabe zur Adoption: "Möglicherweise hat Einstein Mileva gezwungen, das Kind wegzugeben. Denn sie war ja über ein Jahr in Serbien und kam ohne das Kind zurück. Er hat sie dort nie besucht, auch das Mädchen nie gesehen."

Albert Einstein und Mileva Maric heiraten Anfang Januar 1903. Während sie ihr Studium abbricht, schließt er sein Studium ab und nimmt eine Stelle beim Patentamt in Bern an. Dort beginnen seine Forschungen zur Relativitätstheorie. Am 30. Juni 1905 reicht Albert Einstein die entsprechende Arbeit ein, im September wird sie in den "Annalen der Physik" veröffentlicht.

Inwieweit Mileva an der Entwicklung der Relativitätstheorie beteiligt ist, bleibt bis heute unklar. Mittlerweile jedenfalls bezieht Einstein sie nicht mehr in seine Arbeit ein. Die Kinder Hans Albert, der 1904 geboren wird, und Eduard, der 1910 auf die Welt kommt, nehmen Mileva immer mehr ein, während er Karriere macht. In dieser Zeit entfernen sich die Eheleute Einstein voneinander. In einem Brief schreibt Mileva etwa 1909 an ihre Freundin Helene Savic: "Der eine bekommt die Perlen, der andere die Schachtel."

Heirat mit der Cousine

Einstein mit seiner Frau Elsa

Einstein mit seiner Frau Elsa, um 1928

Einstein erhält schließlich einen Ruf an die Universität von Berlin und zieht 1914 um. Damit ist das Ende der Beziehung zu Mileva eingeläutet: Sie hasst Berlin und wird bis zu ihrem Tod 1948 in der Schweiz bleiben. Einstein seinerseits hat in Berlin eine Affäre mit seiner Cousine Elsa begonnen, die er im Juni 1919 heiraten wird. Von Mileva ist er damals gerade einmal gut drei Monate geschieden. Trotzdem bleiben die beiden in Kontakt - schon wegen der Kinder, die bei der Mutter leben. Einstein versucht, die Beziehung zu seinen Kindern aufrecht zu erhalten, beschreibt Jürgen Neffe: "Ich glaube, er hat sehr viel getan, um ein guter Vater zu sein, um seinen Kindern zu zeigen, dass er sie liebt. Möglicherweise hat er es nicht richtig gekonnt. Er hat sie sehr früh wie Erwachsene behandelt und bestraft, wenn sie irgendwas gemacht haben, was ihm nicht gepasst hat.

Hans Albert, der Ältere, bleibt distanziert. Über Eduard glaubt Einstein, der Junge habe psychische Probleme. Tatsächlich erkrankt Eduard mit Anfang 20 an Schizophrenie und verbringt einen großen Teil seines Lebens in entsprechenden Sanatorien. Er stirbt im Oktober 1965 in einer Nervenklinik bei Zürich.

Affären

Das Jahr 1919 ist nicht nur in privater Hinsicht für Einstein bedeutsam. In diesem Jahr wird seine Relativitätstheorie erstmals bewiesen. Einstein wird als Revolutionär der Wissenschaft gefeiert. Seiner zweiten Frau Elsa gelingt es, die störenden Medien fernzuhalten. Dafür bringt sie ihn in Kontakt mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit. Die lebenslustige, aber wissenschaftlich gänzlich uninteressierte Elsa scheint das genaue Gegenteil der hochintelligenten, aber launischen Mileva zu sein.

Trotzdem gibt es frappierende Parallelen zwischen beiden Ehen, denn auch Elsa darf nicht immer zu ihm. Begegnungen mit anderen Frauen gibt es aber wohl regelmäßig. 1933 schließlich emigriert Albert Einstein - als jüdischer Wissenschaftler von den Nazis angefeindet - mit Elsa in die USA. In Princeton wird ihm eine Forschungsenklave eingeräumt. Zu der Forschungsfreiheit gesellt sich aber bald auch die Einsamkeit, denn seine Frau Elsa stirbt 1936 unerwartet nach kurzer Krankheit.

Wissenschaft und Öffentlichkeit

Einstein engagiert sich immer mehr politisch. Während er sich im Ersten Weltkrieg zum Pazifismus bekannte, unterstützt er jetzt den Kampf gegen die Nazis. Eine feste Beziehung geht er nicht mehr ein. Intime Nähe hat ihn zeitlebens irritiert, beschriebt Jürgen Neffe. Statt dessen hat er sich sein Leben lang in die Wissenschaft zurückgezogen: "Möglicherweise war das auch die Voraussetzung für seine großartigen Leistungen. Es sind ja viele Bereiche, in denen Einstein Großartiges geleistet hat, nicht nur als Wissenschaftler. Wir wollen nicht vergessen, dass er ein Bürgerrechtler war, der sich nicht hat verbiegen lassen. Er war auch zu großen Freundschaften fähig. Er war ein ganz freundlicher, witziger Mann, der, glaube ich, ein Problem hatte, dass er die Nähe nicht ertragen konnte."

Die letzten Jahre seines Lebens verbringt Einstein in Princeton. 1948 entdeckt man bei ihm ein Aneurysma, eine Ausbeulung in der Unterleibsaorta. Als das Gefäß schließlich platzt, stirbt Albert Einstein am 18. April 1955 allein, ohne seine Familie. Am Krankenbett hat er seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen um sich verstreut.

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