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Kultur

Einst Heldinnen der Familie - und jetzt?

Auch wenn der internationale Frauentag seit 1974 von den Vereinten Nationen auf den 8. März festgelegt wurde - offiziell begangen wurde er erstmals auf der zweiten Kommunistischen Frauenkonferenz am 8.3.1921 in Moskau.

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Kommunistische Tradition: rote Nelken zum Frauentag

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der 8. März in den kommunistischen Ländern von staatlicher Seite sogar als Feiertag eingeführt. Wie damals soll auch heute an diesem Tag gezeigt werden, dass die Frau geachtet wird. Damals organisierte die Partei die Feste, und für jede Frau gab es Blumen, meistens rote Nelken. An diesem Tag wurden Ausflüge organisiert, im Radio und Fernsehen gab es massenhaft Sendungen, die die Rolle der Frau in heroischer Pose als Kriegerin, Mutter oder Arbeiterin dargestellten.

Die bulgarische Journalistin Antoaneta Nenkova schaut ins Familienalbum. Auf dem einen Foto sieht man sie in einer weißen Bluse mit Pfadfindertuch um die Schultern in einer Gruppe von zehn Kindern. Die Kinder gehörten der Front des Vaterlandes an, in dessen Namen sie den Müttern und Frauen, den Heldinnen der Arbeit, gratulierten, indem sie auf den Festen in den Fabriken sangen und Gedichte aufsagten. Auf dem zweiten Foto aus den Jahren des Übergangs ist Nenkovas Familie zu sehen. Im Wohnzimmer ihrer Eltern ist die Familie versammelt. Auf dem Tisch sind viele Blumen, Tulpen, Freesien, Schneeglöckchen. "Meine Kinder schenken mir Blumen, ich beschenke meine Mutter. Wir feiern die Mutter, die Frau, gedenken der Familie", erklärt die Journalistin.

Schöner Schein

Gefeiert wird also auch heute noch - aber eben nicht mehr staatlich organisiert. Eher bescheiden im Rahmen der Familie wie in Bulgarien. In einigen Ländern treffen sich die Frauen auch im Restaurant oder zu einer fröhlichen Kneipentour.

Der Glanz, der früher über den Heldinnen der Arbeit und der Familie schien, war jedoch oft nur schöner Schein. Die öffentlich verkündete Chancengleichheit gehörte zur kommunistischen Propaganda der Regime, verkündet von grauen Herren, in grauen Männerrunden. In einigen Ländern wie zum Beispiel Rumänien und Polen haben die Frauen den 8. März sogar abgelehnt - wie vieles, was von der Sowjetunion verordnet wurde.

Verbesserte Position

Institutionell und rechtlich haben die Frauen während des Kommunismus zwar Fortschritte gemacht, aber in der Praxis sahen die dann oft ganz anders aus, erinnert sich die Chefredakteurin der serbischen Nachrichten-Agentur Beta, Ljubica Markovic. Trotzdem ist sie froh, dass nicht alles zurückgedreht wurde. "Einiges von dem, was damals in den früheren kommunistischen Ländern für die berufstätige Frau und ihre Rechte erreicht wurde, wie zum Beispiel Schwangerschaftsurlaub, Schutz des Kindes und so weiter, hat bis heute überlebt. Das ist gut so und sichert uns eine bessere Position gegenüber Frauen in anderen Ländern", sagt Ljubica Markovic.

Diese Meinung vertritt auch die Katarina Kolozova, Dozentin der Universität in Skopje: "Im 20. Jahrhundert sind die nominalen Rechte der Frauen erreicht worden, besonders in der westlichen Welt in Europa. Dabei müssen wir betonen, dass dies in Osteuropa wegen der marxistischen ideologischen Gleichberechtigung der Geschlechter viel eher geschehen ist."

Schlechte Lage für Frauen

Heute ist der 8. März in den osteuropäischen Ländern auf eine sonderliche Art zum Muttertag beziehungsweise zum Ehefrauentag geworden. Kinder, Partner und Freunde beschenken die Frauen. Dies hat wenig zu tun mit der ursprünglichen Idee des 8. März. Der Frau begegnet weiterhin Gewalt, sie wird Opfer von Frauenhandel und es gibt immer weniger Arbeitsplätze für die Frauen.

Durch die schlechte wirtschaftliche Lage entstehen neue Phänomene. In den ländlichen Gebieten bleiben immer mehr Frauen zu Hause und verrichten dort die schwersten Arbeiten. Der Mann verdient das Geld, die Frau hat keine Einkünfte und gerät dadurch in eine Abhängigkeit. In den Dörfern gelten noch die alten Gesetze, nach denen der Mann die Frau noch immer knechtet."

Hilfe nötig

Die Feierlichkeiten zum 8. März - so sieht es Katarina Kolozova - haben das traditionelle Bild der Frau als Mutter, als Gebärende, als fürsorgliches, zartes Wesen, das für die Familie sorgen soll, eher verfestigt. Ein Frauenbild, das vor allem zum Erhalt der patriarchalischen Ordnung beigetragen hat, anstatt diese zu verändern.

Dies aber wird in den postkommunistischen Ländern am internationalen Frauentag eher nicht diskutiert. Auch wenn viele Länder in Osteuropa die internationalen Frauenrechtsabkommen der Vereinten Nationen unterzeichnet haben - umgesetzt sind sie noch lange nicht. Materielle und organisatorische Unterstützung von international tätigen Frauenorganisationen ist daher vor allem in der Zivilgesellschaft sehr willkommen.

Zejnepe Dibra, Präsidentin einer Frauenorganisation in Albanien, weiß die Hilfe zu schätzen. Es gebe internationale Organisationen, die sie unterstützen. Sie konzentrierten ihre Arbeit vorwiegend auf die Hauptstadt Tirana. Sie veranstalteten Trainingsseminare, stellten aber auch finanzielle Mittel bereit. In den vergangenen Jahren habe die Hilfe aber nachgelassen. Organisationen aus den USA hätten ihnen bei der Bekämpfung des Frauenhandels geholfen, andere Organisationen hätten sich engagiert, die Rolle der Frau in Führungspositionen zu stärken, sagt Dibra. "Trotzdem hängt es vor allem vom Engagement der albanischen Frauen NGOs ab, wie sie das Gelernte in der Praxis umsetzen. Letztendlich können nur die Organisationen der albanischen Frauen dazu beitragen, dass sich die Situation der Frau in Albanien langfristig bessert."

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