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Europa

Einst grüner Sponti, jetzt Konzern-Lobbyist

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Grüner Politiker Joschka Fischer, ergraut mit brille, winkt huldvoll in die Kamera

Berät Gasfirmen für gutes Geld: Joschka Fischer

Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer soll nach einem Bericht des deutschen Manager-Magazins einen Vertrag mit dem Nabucco-Konsortium abgeschlossen haben. Er soll Nabucco, in dem u.a. die österreichische Energiefirma OMV und der deutsche Versorger RWE vertreten sind, beraten. Hilfreich könnten Fischers Beziehungen zu internationalen Spitzenpolitikern sein, die er in seiner Zeit als Außenminister in der rot-grünen Koalition von 1998 bis 2005 knüpfen konnte.

Der einstige Übervater der Umweltpartei "Die Grünen" hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Der ehemalige sozialdemokratische Bundeskanzler Gerhard Schröder, unter dem Fischer Außenminister war, scherzte in einem Interview: "Ich habe das erst missverstanden, weil ich dachte, der kann ja gar nicht singen, was will er bei Nabucco?".

Der ehemalige Bundesaußenminister Fischer und der ehemalige Bundeskanzler Schröder unterhalten sich vertraut auf der Regierungsbank des Bundestages

Gute Kumpel: Fischer (links) und Schröder arbeiten für Energiekonzerne

Gerhard Schröder hat gegen Fischer Beratertätigkeit nichts einzuwenden, schließlich ist er selbst Aufsichtsratschef der Ostseepipeline, die von Russland und Deutschland gebaut wird. Die Ostseepipeline sehen viele als indirekte Konkurrenz zur Nabuccopipeline. Der alternative Tageszeitung TAZ aus Berlin kommentierte Joschka Fischers späte Karriere als PR-Berater so:

"Ausgerechnet Fischer, der einst als militanter Linksradikaler gegen das Establishment kämpfte und sein politisches Leben mit den Themen Umweltschutz und erneuerbare Energien bestritt, lässt sich nun vor den Karren der mächtigen und undurchschaubaren Energielobby spannen. Fischers Wandelbarkeit seiner politischen Positionen vom grünen Urgewächs zum Oberrealo hat schon in seiner aktiven Grünen-Zeit Fragen aufgeworfen. Sein neuer Job als Energielobbyist dürfte seine Glaubwürdigkeit allerdings endgültig erschüttern. Dabei geht es auch um Fragen der Integrität, denn man kann den Leuten nicht 30 Jahre etwas von einer gerechten Welt predigen, um sich als Polit-Rentner dann selbst die Taschen vollzustopfen."