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Auf Tour

EINSHOCH6 in Serbien und im Kosovo 2014

Vor zweieinhalb Wochen haben wir uns in Südafrika von der Sonne verwöhnen lassen, jetzt geht es mit dem Bandtagebuch nach Serbien und in den Kosovo. Auf dem Plan stehen Konzerte und Workshops in Belgrad und Pristina.

Auf nach Serbien! Von München nach Belgrad dauert unsere Fahrt im Nightliner knapp 14 Stunden. Wir fahren morgens los, vorbei an den Alpen, quer durch Österreich und Slowenien, essen in Kroatien völlig überteuerte Cevapcici und gelangen ohne jegliche Probleme mit der Grenzabfertigung nach Serbien (die Erinnerungen an die ukrainische Grenze sind noch recht frisch). Die beiden Nächte in Belgrad dürfen wir dank des Goethe-Instituts in einem schönen Hotel verbringen.

Es zahlt sich aus, dass wir ausgeschlafen sind, denn das Konzert am nächsten Tag stellt uns vor große Herausforderungen. Zunächst ist es für den Tourbus mit Anhänger nicht möglich, vor die Veranstaltungshalle vorzufahren, sodass wir einen Großteil des Equipments 500 Meter weit tragen bzw. per Taxi transportieren müssen. Während des Soundchecks eine Stunde vor Konzertbeginn geht dann einer unserer Lautsprecher kaputt. Für die Musiker, die nun mal Perfektionisten sind, eine mittlere Katastrophe. Jetzt heißt es den Frust verdrängen und an das Konzert denken.

Glückliche Gesichter

Schulklassen aus der ganzen Region sind gekommen, um die Jungs zu sehen, und sie erleben EINSHOCH6 in Bestform. Natürlich fällt niemandem auf, dass die Band etwas weniger laut ist als sonst – und alle singen so laut mit, dass es auch ziemlich egal ist. Die Energie der Fans lässt uns den Frust vergessen, und so feiern wir gemeinsam mit den serbischen Schülern eine große Party. Nach dem Konzert treffen wir auf überglückliche Schüler und Lehrer, die das Konzept „Deutsch lernen mit Musik“ super finden. Die Jungs geben gefühlte 1000 Autogramme. Auch Goethe-Mitarbeiter Jakob Konrad, der vor Ort alles organisiert hat, ist mehr als zufrieden.

Einige der Schüler, die das Konzert besucht haben, nehmen einen Tag später am Workshop teil. 25 Schüler mehr als geplant wollen dabei sein. Wie schon in der Ukraine können wir auch diesmal nicht nein sagen. Ich bin absolut begeistert von Vesna, der Lehrerin, die uns betreut. Sie strahlt so viel positive Energie aus, dass schnell klar ist, warum ihre Schüler so engagiert bei der Sache sind. Sie unterrichtet schon seit 20 Jahren Deutsch und sucht immer nach neuen, spannenden Wegen, ihre Schüler zu begeistern. Ich freue mich, dass sie unsere Workshop-Methoden künftig auch in ihrem Unterricht anwenden möchte.

Zu Gast in Pristina

Unsere Reise führt uns weiter nach Pristina. An der Grenze werden wir vom Grenzbeamten so freundschaftlich begrüßt wie noch nie zuvor. „Hey guys, nice tourbus, welcome to Kosovo!“ Es fehlt nur noch, dass er uns ein „High Five“ gibt. In Pristina lässt die Gastfreundschaft nicht nach. Unser Betreuer dort heißt Arber, und er hat im Vorfeld ganze Arbeit geleistet: Im kosovarischen Fernsehen sind Ankündigungs-Spots für das Konzert gelaufen, die Songs aus dem Album „Lass uns reden“ wurden im Radio rauf- und runtergespielt. Überall hängen Plakate für das Konzert im „Sheshi 21“, ein wunderschöner Saal mit Balkonen und Galerien, in den wir uns sofort verlieben.

Der Bus, der auf Strom- und Wasseranschlüsse angewiesen ist, parkt unweit des Lokals vor einem 24-Stunden Fitnessstudio, in dem wir uns frisch machen und duschen und – wenn wir wollen – trainieren können. Wir nutzen den schönen sonnigen Tag, um durch Pristina zu spazieren. Ich bin nicht die einzige, die von dieser Stadt total fasziniert ist. Sie ist nicht schön im klassischen Sinne. Oft ist nicht wirklich erkennbar, ob hier und da Gebäude neu entstehen oder abgerissen werden. Viele Ecken wirken improvisiert und chaotisch. Beeindruckend sind die Bewohner der Stadt, die voller Elan und Stolz ihren Alltagsgeschäften nachgehen. Es riecht irgendwie nach Aufbruch, Lebenslust und Freude. Ich mag diese Stadt!

Die Riesenparty

Lebenslust und Freude schlagen uns auch bei dem Konzert, das die Band an diesem Abend spielt, entgegen. Es sind viele Leute gekommen. Sogar der deutsche Botschafter ist da und eröffnet das Konzert mit einer feurigen Rede zum Thema Musik und Sprache. Ein Ü-Wagen steht vor der Tür, das Konzert wird von vier Kameras aufgezeichnet, um später im Fernsehen gesendet zu werden. Zwei uniformierte Redakteure von Radio Andernach, dem Truppenbetreuungssender der Bundeswehr, sind auch da und machen ein Interview mit der Band.

Wie immer bin ich während des Konzertes im Einsatz und fotografiere und filme für unsere Doku, die Amadeus am Ende jeder Tour zusammenschneidet. Normalerweise bin ich dabei sehr fokussiert, aber irgendwo zwischen den Songs „Erfolg“ und „Lass uns reden“ passiert etwas, das mich aus dem Konzept bringt: Die Band explodiert auf der Bühne und mit ihr das Publikum. Ich habe die Jungs noch nie so in Fahrt gesehen, stehe fassungslos da und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Die Chemie zwischen Band und Fans stimmt einfach zu 100 Prozent. Zum Abschluss feiern wir in dieser Nacht gemeinsam mit allen, die mitorganisiert und geholfen haben, in einem netten Club mit albanischer Disco-Musik.

Wenn Lehrer rappen

Während ein paar von uns bis in die frühen Morgenstunden feiern, steht die Workshop-Crew am nächsten Morgen um 8:30 Uhr frisch und fröhlich auf der Matte, um zur Schule zu fahren, in der die Workshops stattfinden. Wir treffen motivierte Jugendliche, die unheimlich gut Deutsch sprechen. Auch hier ist das Interesse der Schüler groß, zum Studium nach Deutschland zu kommen. Unseren Workshop-Song singen sie voller Begeisterung mit. Wunderschön: Einige haben ihre Instrumente dabei und spielen uns in der Pause einen Song auf Albanisch vor.

Dass die Schüler begeistert sind, überrascht uns nicht, aber diesmal haben wir auch einen Lehrer-Workshop auf dem Plan. Ich habe mit den Jungs besprochen, dass wir einen Teil dieses Workshops genauso aufziehen wie den Schüler-Workshop. Wir lassen die Lehrer also ebenfalls Bilder erraten und singen, um ihnen ein Gefühl dafür zu geben, wie gut Musik im Unterricht ankommt. Das Konzept geht auf. Innerhalb einer Stunde rappen und singen die Lehrer voller Elan mit – auch die, die am Anfang leicht skeptisch da saßen.

Begegnungen, die lange nachwirken

Viel zu schnell sind die Tage vorbeigerauscht, die Rückfahrt dauert viel kürzer als gedacht, schon am nächsten Vormittag sind wir in München. Bei einem gemeinsamen Brunch lassen wir nochmal alles Revue passieren und sind uns einig: Wir erleben gerade etwas Einmaliges, etwas Einzigartiges! Wir alle wünschen uns, dass wir mehr Zeit hätten, die Orte, aber vor allem die vielen Menschen, auf die wir treffen, noch besser kennenzulernen.

Es ist faszinierend, mit Leuten, denen man gerade eben begegnet ist, zu singen, zu lachen, essen zu gehen und zu feiern. Und es ist völlig egal, wenn hier und da die Worte fehlen. Was zählt, ist die Bereitschaft und die Offenheit, sich auf Neues einzulassen. Beide Seiten nehmen viele intensive Erinnerungen und Eindrücke von diesen Begegnungen mit, die noch lange nachwirken. Einmal schrieb mir eine Lehrerin aus der Ukraine, dass ihre Schüler noch Wochen nach dem Besuch der Band morgens vor Unterrichtsbeginn EINSHOCH6-Lieder singen. Einen besseren Beweis dafür, dass Musik und Sprache verbinden, gibt es meiner Meinung nach nicht. Ich freue mich auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt: „Mit dem Bandtagebuch auf Tour!“

Eckdaten zur Serbien-Kosovo-Tour:
24.2.2014 - 1.3.2014
Stationen in Belgrad und Pristina

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