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Auf Tour

EINSHOCH6 in Südafrika 2014

Es ist Januar und München friert. Zum Glück sind wir in Kapstadt und tanken Sonne – zumindest kurz. Wir sind auf Einladung des Goethe-Instituts Johannisburg hier, um den Südafrikanern mehr Lust auf Deutsch zu machen.

14 Stunden hat der Flug nach Johannisburg (oder „Jo-burg“, wie man hier sagt) gedauert, ich habe im Flugzeug vor lauter Aufregung nicht schlafen können. Am Flughafen laufen wir staunend am Waffenabholschalter vorbei, tauschen Euros gegen die bunte südafrikanische Währung Rand und werden dann von Kirstin, der Mitarbeiterin des Goethe-Instituts, und unserem redseligen Busfahrer Bram abgeholt. Bram fährt uns nach Somerset West – ein kleines Städtchen in der Nähe von Kapstadt, wo wir in unser Bed and Breakfast einchecken. Die Jungs springen sofort in den Pool und wir posten alle erst mal Fotos von unserem Sonnenbad auf Facebook.

Aufbau und Soundcheck bei gefühlten 60 Grad dokumentieren wir lieber nicht im Detail. Auch bei den Konzerten standen wir wortwörtlich unter Volldampf und sind fast weggeschmolzen. Wir müssen mehrere hundert Liter Wasser getrunken haben. Aber wir wollen auch nicht wirklich klagen, denn auch hier in Südafrika kommen die EINSHOCH6-Konzerte super an. Auch die Menschen, die kein Wort Deutsch verstehen, bestürmen nach dem Konzert die Band und wollen sie kennenlernen.

Out of Africa

Es dauert bei uns allen lange, bis wir wirklich realisiert haben, dass wir in Afrika sind. Es kann daran liegen, dass Kapstadt auf den ersten Blick sehr europäisch daherkommt. Noch mehr fällt uns das in dem kleinen Städtchen Stellenbosch auf, wo eines unserer Konzerte stattfindet. Kleine, hübsche weiße Häuser, aufgeräumte Einkaufszentren, flanierende Passanten, die Eis essen oder einkaufen. Alles ist grün, sauber und geordnet. Es scheint den Menschen hier gut zu gehen. Uns fällt auf, dass die meisten Leute, denen wir bei unserem Aufenthalt begegnen, weiß sind.

Einen krassen Gegensatz dazu bilden die heruntergekommenen Wellblechhütten der scheinbar endlosen Townships, an denen wir schon bei der Ankunft vorbeigefahren sind. Unser Fahrer erzählt uns, dass es noch 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid ein großes Gefälle zwischen Arm und Reich gebe, wobei die Mehrheit der Schwarzen nach wie vor zu den armen Schichten gehöre. In den kleinen Städtchen wiederum fahren wir an teuren, weißen Villen vorbei, geschützt hinter hohen Mauern, Stacheldraht und auffälligen „Armed Response“-Warnschildern. Ein Goethe-Mitarbeiter erzählt uns, dass eine ganze Sicherheitsindustrie davon lebe, die Angst der Reichen vor den Armen zu schüren. Die Meinungen über die Zeit nach der Apartheid gehen auseinander. Während einige unserer Gesprächspartner glauben, dass es noch lange dauern wird, bis es echte Gleichberechtigung gibt, behaupten andere, dass es den Leuten in den Townships lange nicht so schlecht gehe, wie allgemein geglaubt wird, und dass es kaum eine Benachteiligung der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gebe.

Pinguine, Paviane und Pap

Nach den zwei Konzerten in Kapstadt und Stellenbosch haben wir glücklicherweise die Gelegenheit, uns etwas von der atemberaubenden Natur der Region anzuschauen. Wir sehen endlose weiße Strände, zerklüftete Felsen, botanische Gärten, massenhaft Weinberge, Pinguine und sogar einen Pavian, der uns auf der Landstraße fast ins Auto rennt. Nur auf den berühmten Tafelberg schaffen wir es nicht, da er immer dann, wenn wir ihn besuchen wollen, wegen zu starken Windes gesperrt ist. Immerhin können wir ihn fast immer aus der Ferne bewundern, wenn er nicht gerade in Nebel getaucht ist.

Nicht nur die Tierwelt, der wir hier begegnen, ist exotisch, es gibt auch Exotisches auf der Speisekarte. Morgens gibt es schon getrockneten Zebraschinken, und uns wird empfohlen, unbedingt Kudu (eine Antilopenart) und Strauß zu probieren. In einem kleinen Markt werde ich, die überzeugte Veganerin, schwach und probiere den Antilopenburger. Ich bin hin und weg von dem zarten, leicht nach Wild schmeckenden Fleisch. Ebenfalls unvergesslich ist das Barbecue, das uns unser Herbergsvater Armin an einem der Abende am Pool kredenzt. Es gibt neben Gemüsespießen und Fisch, Kudu und Rind auch Pap mit Tomatensoße. Pap ist ein einfacher leckerer Maisbrei, den man gut als Beilage oder auch als ganze Mahlzeit genießen kann.

Auch wir lernen dazu

Was man sonst noch in Südafrika isst, lernen wir in den vier Workshops kennen, die wir an verschiedenen Highschools und einer Universität geben. Beim Wörtersammeln für „Es gefällt mir“ müssen die Rapper in die Strophen Wörter wie Biltong (luftgetrocknetes Fleisch), Malva Pudding, Melktert (eine süße Nachspeise) und Bobotie (eine Art Hackbraten) unterbringen. So wird der Workshop für Deutschlerner zum Landeskunde-Unterricht für uns. Wir lernen auch, dass die Lieblingssportarten der Jugendlichen hier Rugby, Hockey und Ballett sind. Die schönsten zwei Zeilen, die in Südafrika während der Workshops entstanden sind, lauten übrigens: „Ich mag Rugby, Hockey und Ballett, denn durch Sport werd' ich nicht fett.“

Gesprochen wird überwiegend Englisch, aber viele Schüler sprechen Afrikaans, und einige haben deutsche Eltern. Deswegen treffen wir auch einige Schüler mit sehr guten Deutschkenntnissen an. Wir kommen leider nicht in den Genuss, eine der neun offiziellen afrikanischen Sprachen, die in Südafrika gesprochen werden, zu hören. Wir lernen aber, dass man das Wort für die Sprache „Xhosa“ mit einem Klicklaut ausspricht (und scheitern grandios beim Ausprobieren). Und dann steht da noch dieser schöne Satz auf Xhosa auf unserem Kaffeebecher im Flugzeug: U kuhamba kukubona. Auf Deutsch: Reisen öffnet ein Fenster zur Welt. Da kann ich nur zustimmen.

Eckdaten zur Südafrika-Tour:
28.1. - 5.2.2014
Stationen in Kapstadt, Paarl und Stellenbosch

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