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Afrika

Einsatz für den Frieden in Liberia

Gemeinsam mit anderen Frauen kämpfte die Menschenrechtlerin Leymah Gbowee für Frieden in Liberia. Heute setzt sie sich für Frauenrechte in Westafrika ein. Für ihren Einsatz hat sie nun den Friedensnobelpreis erhalten.

Leymah Gbowee und die 'Weißen Damen' (Foto: Katrin Gänsler)

Leymah Gbowee und die "weißen Damen"

Auf einem staubigen Fußballplatz am Stadtrand der liberianischen Hauptstadt Monrovia haben sich mehr als 100 Frauen versammelt, um gemeinsam zu tanzen, zu singen und zu beten. Alle sind in Weiß gekleidet, weshalb sie auch "White Ladies" - "Weiße Damen" - genannt werden. Regelmäßig treffen sie sich in Monrovia und fordern alle Politiker auf: "Ihr müsst unbedingt den Frieden im Land erhalten."

Doch heute sind die Frauen noch aus einem weiteren Grunde gekommen: Sie wollen ihre Schwester Leymah Gbowee ganz fest in die Arme nehmen und ihr zum Friedensnobelpreis gratulieren. Die Preisträgerin, die derzeit in Ghana lebt, ist zu Besuch in Monrovia. Und sie ist genauso begeistert wie die übrigen Frauen. "Es gibt keine größere Freude, als hier mit meinen Schwestern Frieden zu schaffen", sagt Gbowee.

Erinnerungen an den grausamen Bürgerkrieg

Frauen beten für Frieden (Foto: Katrin Gänsler)

Friedlich für den Frieden kämpfen: tägliche Gebete gehören dazu

Unter den Frauen ist auch Margaret Malley, die Leymah Gbowee besonders fest an sich drückt. Im Bürgerkrieg hat sie ihren rechten Arm verloren und viele Grausamkeiten erlebt, über die sie aber nicht mehr sprechen möchte: "Wir brauchen eine Zukunft und sollten die Vergangenheit endlich vergessen." Trotzdem kommt die Vergangenheit immer wieder hoch. Denn die blutigen Auseinandersetzungen dauerten mit kurzer Unterbrechung 14 Jahre lang, von 1989 bis 2003.

Doch Leymah Gbowee kann die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Bei Kriegsbeginn war sie gerade einmal 17 Jahre alt. Schon früh ließ sie sich zur Trauma-Therapeutin ausbilden und arbeitete mit Kindersoldaten. Bekannt wurde sie kurz vor Ende des Krieges. Sie und ihre "Weißen Damen" brachten beide Parteien des Bürgerkriegs - die Rebellenführer und den Gewaltherrscher Charles Taylor - an einen Tisch. Bei den späteren Verhandlungen in der ghanaischen Hauptstadt Accra im August 2003 soll ihr stummer Protest vor den Konferenzräumen ausschlaggebend für die Unterzeichnung des Friedensvertrages gewesen sein.

"Der Krieg ist wie eine Fleischwunde"

Kindersoldat während des liberianischen Bürgerkriegs (Foto: dpa)

Opfer unf Täter zugleich: Kindersoldat während des liberianischen Bürgerkriegs

"Heute müssen wir unseren Kindern die Ursachen des Kriegs erklären", sagt die Friedensnobelpreisträgerin. "Der Krieg entstand durch die ungleiche Verteilung des Reichtums und die große Armut." Er sei wie eine Fleischwunde, die sorgfältig gesäubert werden müsse. "Nur so kann es Versöhnung, Heilung und Gerechtigkeit geben."

Dafür setzt sich Leymah Gbowee auch acht Jahre später weiter ein. In Ghana arbeitet sie für das "Women Peace and Security Network Africa" (WIPSEN), und in ihrer Heimat unterstützt sie weiterhin die "Weißen Damen". Ihr oberstes Ziel lautet: "Wir müssen Frauen aus der Armut holen und ihnen die Möglichkeit geben, auf eigenen Beinen zu stehen."

"Liberia ist auf der Überholspur"

Liberianische Frauen fordern Frieden (Foto: Katrin Gänsler)

Nie wieder Krieg! Dafür setzen sich viele liberianische Frauen ein

Trotzdem bleiben Rückschläge nicht aus. Für Leymah Gbowee war der Tag vor der Stichwahl um das Amt des Präsidenten am 8. November 2011 besonders schlimm. Bei Protesten fielen Schüsse. Drei Menschen starben. "Wie stabil ist der Frieden in unserer Heimat wirklich?", fragt Gbowee. Dann wird sie wieder optimistisch: "Unser Land wird sich mit keinem anderen in Afrika vergleichen lassen. Ich meine nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch das politische Bewusstsein oder auch die Beteiligung der Frauen in der Politik. Liberia ist auf der Überholspur."

Doch diese Entwicklung lässt sich nur gemeinsam stemmen – mit den anderen Frauen. Ohne diese hätte sie die Auszeichnung nie bekommen. "Es ist ihr Preis", sagt Leymah Gbowee und erntet tosenden Applaus. "Außerdem geht es doch gar nicht um mich. Es geht um unser Land, es geht um Liberia".

Neben Leymah Gbowee erhielten am Samstag (10.12.2011) in Oslo auch Ellen Johnson-Sirleaf, die wiedergewählte Präsidentin Liberias, und die jemenitische Menschenrechtsaktivistin Tawakkul Karman den Friedensnobelpreis.

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Katrin Ogunsade

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