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Deutschland

Einsatz der Bundeswehr im Kosovo unverzichtbar

Schwere Unruhen erschütterten vor einem Jahr den Kosovo und führten zur Änderung des Einsatzkonzepts der Bundeswehr. Verteidigungsminister Struck machte sich nun vor Ort ein Bild von der Situation in der Region.

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KFOR-Truppen bewachen den Kosovo

19 Menschen kamen vor einem Jahr bei Ausschreitungen zwischen Albanern und Serben im Kosovo ums Leben, zahlreiche serbische Kirchen und Klöster wurden zerstört. Darunter war auch das Erzengel-Kloster in der Nähe von Prizren, das zum Verantwortungsbereich des deutschen KFOR-Kontingents gehört.

Scharfschützen bewachen Kloster

Seitdem leben die serbischen Mönche des Erzengel-Klosters hinter dickem Stacheldraht, bewacht von 20 deutschen KFOR-Soldaten. Scharfschützen, postiert auf den umliegenden Hügeln, lassen das Kloster in der Nähe von Prizren im Süden des Kosovo keine Sekunde

aus den Augen. Denn es soll sich auf keinen Fall das wiederholen, was sich im März 2004 hier abgespielt hat.

Gegen 250 gewalttätige Kosovo-Albaner konnten die 10 deutschen Soldaten damals wenig ausrichten, erzählt Hauptmann Hagen Ruppelt. Also brachten sie die Mönche in Sicherheit und suchten dann selbst das Weite. Das serbisch-orthodoxe Kloster ging in Flammen auf.

Mönche fürchten sich trotz Bundeswehr-Einsatz

Inzwischen sind einige Wohnräume wieder repariert und eine Hand voll Mönche zurückgekehrt. In ihren schlichten schwarzen Gewändern laufen sie Verteidigungsminister Peter Struck entgegen, zeigen ihm die ausgebrannte Kapelle. Dass die Bundeswehr nach den Unruhen aus ihrem Kloster eine gut bewachte Festung gemacht hat, beruhigt sie zwar. Aber völlig sicher fühlt Mönch Jovan sich auch im Schatten der neu gebauten Wachtürme nicht. "Ohne die Soldaten könnten wir hier nicht einen Tag bleiben," befürchtet Jovan.

Unruhen können schnell wieder aufbrechen

KFOR- Soldaten präsentieren sich Peter Struck im Kosovo

Deutsche Soldaten sind auf drohende Unruhen vorberetiet

Die Soldaten haben aus ihren Fehlern gelernt: Die serbische Minderheit wird umfangreicher geschützt, als je zuvor. Außerdem haben die Soldaten Unterricht im Umgang mit randalierenden Menschenmengen und die entsprechende Ausrüstung erhalten: Schutzschilde, Schlagstöcke, spezielle Helme, Pfefferspray.

All das wird Peter Struck vorgeführt, der aber mutmaßt, dass auch die beste Ausrüstung nur begrenzt helfen kann. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es hier eine labile Situation gibt," sagt Struck. "Die Oberfläche ist ruhig, aber die Tatsache, dass wir hier sechs Mönche mit diesem Aufwand schützen müssen, ist ein Beweis dafür, dass man nach wie vor mit Unruhen rechen muss, die ganz schnell wieder ausbrechen können."

Status nach wie vor ungeklärt

Für die 19.000 Soldaten der KFOR heißt das: Ihr Einsatz ist auch fast sechs Jahre nach dem Ende des Krieges unverzichtbar. Auch Deutschland werde weiterhin mit 3000 Soldaten präsent sein, sagt Peter Struck. Aber trotzdem müsse endlich über den Status der Provinz gesprochen werden, die völkerrechtlich zu Serbien gehört, aber nicht gehören will. "Es ist entscheidend, dass baldmöglichst eine Entscheidung über die Statusfrage getroffen wird, damit Ruhe in diesem Land einkehren kann und wir dann nach und nach unsere Truppenpräsenz reduzieren können", meint Struck.

Sorge ist Struck ins Gesicht geschrieben

Peter Struck in Kosovo

Verteidigungsminister Struck bei einem früheren Besuch im Kosovo

Eine völlige Unabhängigkeit, wie sie Präsident Ibrahim Rugova in seinem Gespräch mit dem Verteidigungsminister gefordert hat, hält Struck allerdings für unrealistisch. Er wirft noch einen Blick auf das martialisch geschützte Kloster, wobei ihm das Entsetzen deutlich ins Gesicht geschrieben steht. Die Mönche wenden sich wieder dem Gebet zu, während die Scharfschützen der Bundeswehr die Straße nach Prizren beobachten - Alltag im deutschen Einsatzgebiet im Kosovo ein Jahr nach den Unruhen.

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