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Kultur

Eins sein, aber nicht um jeden Preis

Er wollte sich mit den Ultra-Katholiken wieder versöhnen, Papst Benedikt der XVI. Dabei verdarb er es sich mit den Juden. Clemens Finzner kommentiert.

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"Ut omnes unum sint!" – auf dass alle eins sein mögen - aber um welchen Preis? Eigentlich wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen, den Papst Benedikt XVI. sich für seine Handreichung an die Priestergemeinschaft Pius der Zehnte ausgesucht hatte. Eine Versöhnung in der "Gebetswoche für die Einheit der Christen", symbolträchtiger geht es eigentlich nicht. Nur dass Benedikt dabei außer Acht gelassen hat, wessen Geistes Kind die Priesterbruderschaft und ihre Anhänger sind.

Die falsche Wahl

Zwar distanzieren sich die Verantwortlichen der Pius-Brüder jetzt in aller Deutlichkeit von den Aussagen ihres Bischofs Williamson. Dieser hatte die Existenz von Gaskammern geleugnet und die Zahl der durch die Nationalsozialisten ermordeten Juden mal eben von sechs Millionen auf 300.000 reduziert.

Doch Williamson war im vergangenen Jahr noch ein gern gesehener Gast bei den Anhängern der Piusbruderschaft, ging geradezu ein und aus in ihren Gemeinden und in der Ausbildungsstätte im oberpfälzischen Zaitzkofen. Dort weihte er Priester, er firmte Gläubige in ganz Deutschland und publizierte in der Monatszeitschrift der Gemeinschaft. Und da will man von der Haltung dieses Mannes nichts gewusst haben? Kaum zu glauben!

Alle Piusbrüder Antisemiten?

Zu vermuten ist vielmehr, dass das alles bekannter war als es jetzt genehm ist. Denn im Grunde blicken viele Piusbrüder in die gleiche, antisemitische Richtung. Auf der Internetplattform der Gemeinschaft sind Sätze zu lesen wie "Jetzt sucht man im Vatikan angeblich fieberhaft nach Lösungen, um vor den mächtigen jüdischen Machtzentren, die sogar Päpste in die Knie zwingen, Staub zu lecken".

Immer wieder betont die Priesterbruderschaft, dass die Juden nicht die "älteren Brüder im Glauben" sein können. Mit Blick auf die Kreuzigung Jesu heißt es wörtlich: "…sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig, solange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und durch die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren". Solange Rom aber an einem Dialog und einer Aussöhnung mit den anderen Religionen festhalte, sei eine Annäherung unmöglich. Diese Anti-Haltung zu Kernaussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils ist dem Papst durchaus bekannt.

Keine Reue

Was nun? Reue zeigen Anhänger der Piusbruderschaft nicht, auch nicht eine ehrliche Bereitschaft, sich wieder eingliedern zu wollen; stattdessen stellen sie sogar noch Forderungen. Zwar appellierte Benedikt in der Generalaudienz am Mittwoch (28.01.2009) an die Anhänger der Piusbruderschaft, seiner Geste der Annäherung ihrerseits Taten und notwendige Schritte folgen zu lassen. Doch da wird der Papst wohl lange warten müssen. Denn wer mehr als 20 Jahre eine teilweise Menschen verachtende Glaubenslehre gepredigt und gelebt hat, wird sich nicht von heute auf morgen bekehren.

"Ut omnes unum sint!" – der Wunsch des Papstes, es mögen alle eins sein, gilt selbstverständlich auch für die Wiedereingliederung der Piusbruderschaft. Aber nicht um jeden Preis.