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Nahost

"Eins nach dem anderen"

Dreieinhalb Wochen nach Kriegsbeginn haben die US-Streitkräfte Saddam Husseins Geburtsstadt Tikrit unter ihre Kontrolle gebracht. Unterdessen gerät Syrien immer mehr ins Visier der USA.

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Kaum Gegenwehr in Tikrit

US-Marineinfanteristen haben am Montag (14.4.) einem Bericht des Nachrichtensenders El Dschasira zufolge das Zentrum von Tikrit, der Heimatstadt Saddam Husseins, eingenommen. In der Stadt sei eine Ausgangssperre verhängt worden, berichtete Reporter Youssef al-Sharif. Es komme sporadisch zu Feuergefechten zwischen US-Soldaten und Getreuen Saddams. Die US-Soldaten eroberten den Präsidentenpalast von Saddam Hussein in den Morgenstunden, wie US-Armeesprecher Vincent Brooks im Hauptquartier des US-Zentralkommandos in Katar mitteilte. Die Soldaten seien dabei, die Partisanen der Regierung von Saddam Hussein zu verjagen. Solange der Widerstand vereinzelter irakischer Kämpfer noch andauere, sei es verfrüht zu sagen, dass der Krieg beendet sei, sagte der US-Offizier Frank Thorp in Katar.

Mann mit Fahrrad in Tikrit

Tikrits Straßen sind nahezu menschenleer

Der Befehlshaber der US-Marineinfanteristen, General John Kelly, habe von vereinzeltem Widerstand berichtet, sagte ein Korrespondent des Fernsehsenders El Dschasira. Einige Scharfschützen Saddams hätten sich zwischen Wohnhäusern positioniert. Auch der Korrespondent der kanadischen Zeitung "National Post" berichtete dem Sender CNN von sporadischer Gegenwehr, ansonsten stießen die US-Soldaten jedoch auf wenig Widerstand. In den vergangenen Tagen war spekuliert worden, der entmachtete Staatschef Saddam Hussein könne sich in einer der Bunkeranlagen der Stadt verschanzt haben.

Gab es Waffenstillstandsverhandlungen?

US-Soldaten brachten die Zufahrtsstraße aus der nordirakischen Stadt Kirkuk unter ihre Kontrolle und sicherten damit einen wichtigen Nachschubweg für US-Truppen, die im Norden Iraks stationiert sind. Die Mehrzahl der hunderttausend Einwohner sei aus Tikrit geflohen, berichteten Einwohner. Die Stadt gilt als möglicher Zufluchtsort für die irakische Führung. Saddam Hussein hatte in seiner Heimatstadt ausgedehnte Palastanlagen und unterirdische Bunkersysteme bauen lassen.

El Dschasira berichtete, bereits am Sonntag (13.4.) seien viele irakische Soldaten und Milizionäre geflohen. CNN zeigte verlassene Panzer und das verwaiste Hauptquartier der bisher regierenden Baath-Partei. Nach dem El Dschasira-Bericht waren Verhandlungen zwischen Stammesführern und US-Soldaten über einen Waffenstillstand offenbar gescheitert. 22 Stammesführer hätten angeboten, ihre Kämpfer würden die Waffen niederlegen, wenn die Amerikaner keine Plünderungen zuließen und keine kurdischen Kämpfer nach Tikrit einmarschieren ließen. Das Pentagon in Washington wollte Berichte über solche Verhandlungen weder bestätigen noch dementieren.

Kulturschätze in Bagdad geplündert – Nur halbherzige Gegenmaßnahmen

USA Soldat geht gegen Plünderer vor mit Thumbnail

Endlich tun die US-Marines etwas, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen

Im Zentrum von Bagdad lieferten sich US-Marineinfanteristen in den frühen Morgenstunden Schusswechsel mit bewaffneten Irakern. Im Umkreis des von ausländischen Journalisten bewohnten Hotels Palestine waren Gewehrsalven aus automatischen Waffen zu hören, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Es war zunächst nicht klar, ob die US-Soldaten von Anhängern der gestürzten Regierung oder von Plünderen beschossen wurden. Nach dem Museum für Archäologie in Bagdad fiel am späten Sonntag (13.4.) auch die irakische Nationalbibliothek Plünderern anheim: Sie stahlen zahlreiche Bücher und steckten den "Palast der Weisheit" in Brand, berichtete ein AFP-Reporter. In dem 1961 errichtete Gebäude, das sich gegenüber dem Verteidigungsministerium befindet, wurden wertvolle Original-Dokumente aufbewahrt. Auch das nationale Archiv ist darin beherbergt. Um Chaos und Plünderungen zu verhindern, hatte die US-Streitkräfte am Wochenende mit der Rekrutierung freiwilliger irakischer Sicherheitskräfte begonnen.

Halbbruder Saddam Husseins gefasst

Nahe der Grenze zu Syrien nahmen US-Soldaten nach Angaben aus Washington einen Halbbruder von Saddam Hussein fest. Der frühere irakische Innenminister Watban Ibrahim Hussein sei in der Nähe des Grenzdorfs Rabia in Nordirak festgenommen worden, sagte ein US-Regierungsbeamter in Washington. Husseins Name steht auf der US-Liste der 55 meistgesuchten irakischen Regierungsvertreter. Er wird dort als "Präsidentenberater" geführt. Der führende irakische Atomwissenschaftler Dschaffar el Dschaffar habe sich freiwillig den US-Truppen in Irak überstellt, hieß es aus Regierungskreisen in Washington weiter. Die USA seien überzeugt, dass der irakische Waffenexperte "über das Nuklearprogramm Bescheid weiß", sagte ein US-Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Syrien im Visier der US-Regierung

Die USA gehen nach Worten von Präsident Bush davon aus, dass Syrien über chemische Waffen verfügt. Damaskus müsse mit Washington "zusammenarbeiten", sagte Bush am Sonntag (13.4.) in Washington. Auf die Frage eines Reporters, ob Syrien Vertretern der gestürzten irakischen Regierung helfe, sagte Bush, jede Situation erfordere "eine andere Antwort". "Eines nach dem anderen. Jetzt sind wir zunächst in Irak", fügte der US-Präsident ohne weitere Erläuterung hinzu. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beschuldigte die Regierung in Damaskus, hohe Vertreter der entmachteten irakischen Führung zu beherbergen; syrische Kämpfer würden in Irak gegen die US-Truppen eingesetzt.

Nach Angaben des Chefs des US-Zentralkommandos, Tommy Franks, haben die alliierten Truppen in Irak "Söldner" aus Syrien und anderen Ländern "gefunden und identifiziert". Der stellvertretende syrische Botschafter in Washington, Imad Mustafa, wies die Vorwürfe zurück. Die US-Regierung betreibe "eine Kampagne der Falschinformation und Irreführung". Die USA zählen Syrien seit langem zu denjenigen Ländern, die den internationalen Terrorismus unterstützen. Die Existenz von chemischen Waffen in Syrien ist westlichen Geheimdiensten seit Jahren bekannt. (arn)

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.

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