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Wirtschaft

"Einmal versagt, immer versagt"

Rating-Agenturen haben einen zu großen Einfluss. In diesem Punkt sind sich viele Politiker und Ökonomen einig. Vizekanzler Guido Westerwelle fordert gar eine neue EU-Behörde, die den Agenturen Konkurrenz machen soll.

Griechische 1-Euro-Münze liegt auf anderen Euromünzen (Foto: dpa)

Weterwelle in Rednerpose (Foto: dpa)

Vizekanzler Westerwelle fordert eine europäische Rating-Behörde

Es reichte die Meinung einer einzigen Rating-Agentur und der Euro gab innerhalb von Sekunden nach – ein Unding, wie der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle findet. Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens durch "Standard & Poor's" forderte Westerwelle die Europäische Union dazu auf, der Tätigkeit von Rating-Agenturen eigene Bemühungen entgegenzusetzen. In einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung schlug der Bundesaußenminister ein unabhängiges, von der EU getragenes Institut vor. Unternehmen dürften nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, vertreiben und bewerten, begründete Westerwelle seinen Vorschlag.

"Agenturen werden überbewertet"

Strauss-Kahn vor seinem Namensschild sitzend (Foto: dpa)

Hält Agenturen für überbewertet: IWF-Chef Strauss-Kahn

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn warnte davor, die Agenturen überzubewerten. Ganz offensichtlich bekämen diese ihre Informationen aus den Märkten. Man wisse also nie, ob sie die Märkte bewerteten oder diese die Agenturen.

"Versagen schon in der Bankenkrise"

Auch zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler übten harte Kritik an den Agenturen. Viele stellten einen Zusammenhang zur Bankenkrise her. Die Rating-Unternehmen "haben von Beginn der Finanzkrise an versagt – warum sollte sich die Europäische Zentralbank in dieser kritischen Phase überhaupt noch auf ihr Urteil verlassen?", sagte Regierungsberater Peter Bofinger der Zeitung "Die Welt". Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, betonte, die Agenturen hätten vor Ausbruch der Krise wertlosen Papieren Bestnoten verliehen. "Es kann nicht sein, dass sie immer noch solch eine herausragende Rolle spielen." Zudem sei die Methodik der Unternehmen nach wie vor intransparent.

Hüther kritisiert sprunghafte Bewertungen

Für den Kölner Ökonomen Michael Hüther ergibt sich die Fragwürdigkeit der Arbeit der Agenturen auch direkt aus der aktuellen Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens und Portugals. Die vermeintlichen Experten hätten wieder sehr spät gehandelt, betonte Hüther. Statt die beiden Euro-Länder nach und nach herabzustufen, hätten sie mehrere Schritte auf einmal vollzogen und damit Nervosität an den Märkten ausgelöst. Hüthers Vorschlag: Künftig sollten die Agenturen nur noch graduelle Änderungen ihrer Einschätzungen vornehmen dürfen.

Merkel: Kein Kommentar

Nicht äußern wollte sich dagegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es sei nicht ihre Aufgabe, die Arbeit der Agenturen zu bewerten, sagte sie mit Blick auf die Herabstufung Portugals und Spaniens.

Redaktion: Christian Fähndrich (rtr,apn)

Redaktion: Manfred Götzke

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