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Kultur

Einmal Kunst, bitte

Echte Ölgemälde sind nur etwas für Leute mit viel Geld? Falsch. In Berlin hat ein so genannter Kunstsupermarkt seine Türen geöffnet. Unikate für wenig Geld - letzte Gelegenheit für Weihnachtsgeschenke.

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Die Qual der Wahl: Kunst zu super Preisen

Friedrichstraße 67, Quartier 205, eine der besten Geschäftsadressen in Berlin Mitte. Und eine ungewöhnliche zugleich, denn hier hat ein sogenannter "Kunstsupermarkt" für zwei Monate seine Türen geöffnet, das zweite Mal in Berlin. Wie ein Supermarkt sieht der Raum allerdings nicht aus: spartanisch eingerichtet, grauer Beton als Fußboden, die Wände schlicht gestrichen, in der Mitte aufgebockte Holzkisten, in denen die Ware feilgeboten wird.

Stöbern in der Kiste

Wären da nicht die Bilder an den Wänden: über 60 Gemälde, große, kleine, manche mit Öl gemalt, manche mit Aquarell, einige in gedeckten Tönen, die meisten kunterbunt. Ein Bild ist knallrot mit dunkelroten Herzen. Viel Kunst für wenig Geld ist das Prinzip. Helga Berger ist die Chefin des Ladens und erklärt, wie das läuft mit dem Verkauf der Kunst: "Die Preise sind niedriger als bei Einzelausstellungen."

1. Kunstsupermarkt 1998

Selbstbedienung im Kunstsupermarkt

Jeder Künstler, egal ob schon bekannt, oder weniger renommiert, hat einen Quadratmeter, wo die Arbeiten einsortiert sind. "Und die könne man dann durchblättern wie CDs oder Platten.

Jeder Künstler muss bei Helga Berger 40 Arbeiten abgeben, jeweils zehn in jeder der vier Preiskategorien. 50 Euro kosten die günstigsten Bilder, 299 Euro die ganz großen. Die Kunst soll für alle erschwinglich sein und ein breites Publikum erreichen. "Unser Anliegen ist es, Kunst unter die Leute zu bringen", so die findige Geschäftsführerin. Es komme nicht auf ein elitäres Umfeld an, sondern die Leute sollen da angesprochen werden, wo sie sowieso vorbeikommen, beim einkaufen oder Kaffee trinken, oder einfach in ihrer Mittagspause. Ganz neue Kundenkreise sind damit gewonnen: "Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass Leute zu uns kommen, die vielleicht normalerweise nicht so gern in Galerien gehen, weil sie sich da beobachtet fühlen und hier ist der Umgang mit Kunst dann eben sehr ungezwungen."

Nicht Ramsch, sondern Qualität

Die ursprüngliche Idee für den Kunstsupermarkt stammt aus Barcelona in Spanien, wo sich die Künstler organisierten, um ihre Kunst gemeinsam zu verkaufen. Das Konzept geht auch in Berlin auf. Durch die erhöhte Aufmerksamkeit können die Maler mehr Bilder verkaufen. Wenn ein Maler sehr viele Bilder verkauft, produziert er schnell nach. "Es gibt natürlich auch immer den Vorwurf der Verramschung von Kunst, aber da wehren wir uns sehr stark dagegen, weil wir Qualität ausstellen und weil wir diese Arbeiten zu diesen Preisen auch nur im Rahmen dieser Ausstellung anbieten."

Auch für Künstler ist der Kunstsupermarkt eine gute Gelegenheit ihre Werke an den Mann oder die Frau zu bringen. Wie der Maler Paulus Fugers vom Künstlerduo Tulip. Er hat eigentlich nur einen unkonventionellen Weg gesucht, um seine Bilder zu verkaufen. Auch weitere bekannte Künstler sind darunter: Edite Grimberga, eine lettische Künstlerin, die schon lange in Berlin lebt und arbeitet. Vielleicht können wir im nächsten Jahr sogar Jim Avignon gewinnen", plant Helga Berger.

Letzte Gelegenheiten

Die Betreiber des Kunstsupermarktes beschränken den Verkauf auf zwei Monate im Jahr, damit er als Event etwas Besonderes bleibt. Und: weil die Ladenmiete sonst nicht zu zahlen wäre. Noch bis Mitte Januar 2003 hat der Kunstsupermark geöffnet. Wer ihn dieses Mal verpasst, muss nicht traurig sein. Denn der Supermarkt soll ab jetzt jährlich stattfinden.

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