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Kultur

Einmal Heidi Klum sein!

Personal Trainer scheint es inzwischen wie Sand am Meer zu geben. Längst lassen sich nicht mehr nur Topmodels und Schauspieler ein Fitnessprogramm verpassen. Muss man das haben oder ist das individueller Körperwahn?

Personal Trainerin Isabelle Gschwandtner aus Köln beim Aufwärmen mit einer Kundin (Foto: DW)

Fast wie im Fitnessvideo!

Bernd schnauft. Stöhnt ein bisschen. Schwitzt. Und macht, was Madeleine will. Mit dem Rücken balanciert er auf einem Gymnastikball und macht Situps. "Da geht noch was! Und zehn, neun, acht....", zählt Madeleine runter. Bernds Gesicht wird rot. Seit vergangenem Herbst gönnt er sich den Service, den Madeleine anbietet: Personal Training. Manchmal nennt er sie auch seine "Fitness-Domina", denn "selber quälen liegt mir nicht so".

Bernd ist 45 Jahre alt und hat Übergewicht, 110 Kilo wiegt er, eindeutig zu viel seiner Meinung nach. Mit Hilfe von Madeleine Felsner hat er schon acht Kilo verloren und bis zum Sommer soll er weg sein, der Bauch. "Ich will kein Adonis werden", sagt Bernd, "aber es ist schon ein gutes Gefühl, wenn die Anzüge lockerer sitzen." Das klappt allerdings nur, wenn er zusätzlich zum Training auch die Ernährungsratschläge umsetzt. Das macht er eher ungern.

Fürsorgepaket all inclusive

Mit Gewichten trainieren Frauen und Maenner in einem Hamburger Fitness-Studio (Fopto: AP)

Wer sich dazu nicht aufraffen kann, erarbeitet mit einem PT ein eigenes Programm

Madeleine Felsner ist studierte Sportwissenschaftlerin und hat zahlreiche Zusatzausbildungen gemacht. Die meisten ihrer Kunden wollen "fitter werden", wenn sie sich zum ersten Mal für Personal Training interessieren. Was genau möglich ist, wissen viele nicht, sie haben ihre Vorstellungen höchstens aus den Fashionmagazinen und sehen Heidi Klum mit ihrem Fitnessguru am Strand stehen.

In einem ersten Gespräch wird schnell klar, ob die Chemie zwischen Trainer und Kunde überhaupt stimmt und es wird abgesprochen was jemand erreichen möchte: Abnehmen, Muskelaufbau, Stressmanagement, Ausdauer trainieren, den nächsten Marathon schaffen. Der Trainer soll alles entscheiden, der Kunde will umsorgt werden, will Zeit nur für sich, jemanden, der sich kümmert.

Verlockend für Zeitgestresste

Madeleine Felsner überrascht es nicht, dass Personal Training in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden ist. Stress im Job, Hektik, alles und noch mehr leisten können, das fordere die Gesellschaft, da muss ein Körper mithalten können. Und die Menschen würden immer individueller, sagt sie, da gehöre ein maßgeschneidertes individuelles Fitnesskonzept irgendwann dazu. Zumindest bei denen, die den Stundenlohn von 50 bis 120 Euro bezahlen können - oft Menschen mit Jobs in Führungspositionen oder Selbstständige, die es kaum schaffen regelmäßig zu festen Fitnesskursen zu gehen.

Personal Trainerin Isabelle Gschwandtner aus Köln beim Aufwärmen mit einer Kundin im Park (Foto: DW)

Mehr Spaß unter Kommando - statt alleine im Park langschleichen

Bernadette ist eine davon. Sie hat Kurse frustriert abgebrochen, nachdem sie nach vier Mal Gruppenschwitzen den Termin nicht mehr einhalten konnte, obwohl sie schon für zehn im Voraus bezahlt hatte. "Alleine joggen und so, das macht mir einfach keinen Spaß, das lasse ich schleifen oder bleibe doch zu Hause." Seit einem halben Jahr trainiert sie jetzt zusammen mit Isabella Gschwandtner. "Ich weiß, sie wartet auf mich, wir haben einen fixen Termin, dann ist die Motivation für mich eine ganz andere, da habe ich es noch nicht erlebt, dass ich sage: komm, das schludern wir mal heute", sagt Bernadette. Zwischen 200 und 300 Euro lässt sie sich das im Monat kosten.

Gesundheit als Luxus

Ihr ist es vor allem wichtig, dass sie sich regelmäßig bewege, Gewichtsverlust oder ein strafferer Körper, das seien nur schöne Nebeneffekte, meint sie. Ihre Trainerin Isabella erlebt bei ihren Kunden, dass sie sich von ihr oft ein ganzheitliches Gesundheits- und Wellnesspaket wünschen. Ein gesunder Körper sei heutzutage wichtig, geradezu ein Stück Luxus geworden. Natürlich gebe es auch Männer, die nur Muskeln aufbauen möchten und Frauen, denen es vor allem darum geht, schlanker zu werden, aber der Gesundheitsaspekt stehe eindeutig im Vordergrund.

Personal Trainerin Isabelle Gschwandtner aus Köln beim Walken mit einer Kundin im Park (Foto: DW)

Fitness kaufen und genießen

Als Trainer sei man dabei Motivator, Psychologe und Ernährungsberater in einem. Ob dieses persönliche Trainingskonzept noch massentauglicher werden wird, hängt wohl vor allem davon ab, ob die Preise sinken. Wer sich absolut nicht selber motivieren kann, für den ist Personal Training geeignet. Bernadette ist jedes Mal zufrieden, wenn sie eine Stunde geschafft hat, sie ist dann stolz auf sich. Madeleine Felsner hat allerdings auch schon die Erfahrung gemacht, dass vor allem übergewichtige Frauen das Training wieder abbrechen, wenn sich nicht schnell sichtbarer Erfolg einstellt.

Autorin: Marlis Schaum

Redaktion: Sabine Oelze

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