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Musik

Einmal dabei sein: der Kartentraum vom ESC-Finale

Der Countdown für den Eurovision Song Contest 2011 läuft. Wer sich rechtzeitig eine Karte für das Finale sichern konnte, kann von Glück sagen, denn jetzt sind fast nur noch Tickets zum Wucherpreis zu ergattern.

Eurovision Logo

Am 14. Mai wird Lena Meyer-Landrut ihren Titel in der Düsseldorfer Arena verteidigen und 36.000 Leute werden ihr dabei zusehen. So viele Zuschauer fasst das Stadion im Norden der Landeshauptstadt, nachdem die Bühne steht und alle technischen Aufbauten abgeschlossen sind.

Der Run auf die Eintrittskarten fürs Finale startete schon vor einem halben Jahr. Pünktlich am 12. Dezember 2010 um 12.12 Uhr wurde der offizielle Vorverkauf im Internet freigeschaltet. Echte Grand Prix-Fans saßen schon eine halbe Stunde vorher in den Startlöchern, um auf keinen Fall die Chance auf ihr Ticket für Europas größten Musikwettbewerb zu verpassen. Maximal vier Karten pro Person wurden ausgegeben, die Preisspanne lag zwischen 89 und 189 Euro.

Glück gehabt

Für die Bewältigung der vielen Anfragen aus dem In- und Ausland waren in einem großen Rechenzentrum extra spezielle Serverkapazitäten angemietet worden, die dennoch nicht komplett ausreichten: Schon in den ersten Minuten der heißen Verkaufsphase wurde der Zugriff auf die Internetseite wegen Überlastung verweigert, und auch bei der Telefon-Hotline war kein Durchkommen mehr möglich. "Ich habe trotzdem ausgeharrt und dann schließlich Glück gehabt", freut sich die 52-jährige Elke Winter. Für zwei Karten in der vierten Reihe Innenraum hat sie pro Stück den Höchstpreis gelöhnt. "Das war es mir wert", strahlt sie."Wann findet der Grand Prix schon mal im eigenen Land statt? Ich geh' mit meiner Tochter hin, sie ist ein großer ESC-Fan und freut sich total."

Ausgetreckte Hände greifen nach einem ESC-Ticket (DW-Grafik: Per Sander 2011_05_05)

Run auf die begehrten ESC-Tickets

Riesengroßer Ansturm

Zum ersten Mal seit 28 Jahren und zum dritten Mal überhaupt findet ein Eurovision Song Contest in Deutschland statt. Geduld zahlte sich also aus, nach dem ersten Ansturm auf den Server kamen die Käufer nach und nach zum Zug. "Im Großen und Ganzen gab es keine größeren Probleme", ließ NDR-Sprecherin Iris Bents verlauten. Schon um 17.30 Uhr waren die 32.000 freigegebenen Tickets für das Eurovision Song Contest -Finale endgültig vergriffen.

Für Thomas Schreiber, den Unterhaltungschef der Fernsehanstalt ARD, war das keine Überraschung: "Bei jedem ESC gibt es einen besonders großen Ansturm auf die Finalkarten - im bevölkerungsreichen Deutschland scheint er besonders intensiv zu sein", stellte er fest. Zumal Düsseldorf so zentral liegt, dass auch viele ESC-Anhänger aus dem benachbarten Ausland, vor allem aus Holland, Belgien und Frankreich, beim Kartenverkauf im Internet zuschlugen. Obwohl den Fanclubs in Deutschland ein eigenes Kartenkontingent von 2400 Stück zugesichert wurde, reichten die zur Verfügung stehenden Finaltickets also bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Knapp 42.000 Fans hatten sich allein auf der Internetseite der Eurovision als Kaufinteressenten registrieren lassen.

Hoffnung auf den Ticketsegen

Frau sitzt an der Computertastatur (Quelle: Fotolia 24143108)

Doch Schreiber machte den leer Ausgegangenen Hoffnung: "Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Finalkarten für die per Warteliste angemeldeten Personen in den Verkauf geben können, wenn wir die Kamera- und Lichtpositionen genau festgelegt haben und exakt wissen, wie viele der dafür freigehaltenen Plätze wir den Fans zur Verfügung stellen können", verkündete der ARD-Mann im Dezember 2010. Rund 3000 Karten hatten die Veranstalter zunächst zurückgehalten, zumal der NDR Ende 2010 auch noch nicht genau wusste, wie viele Länder internationale Delegierte schicken würden. Interessenten konnten sich in Wartelisten eintragen und hoffen, doch nicht ganz auf Lena Meyer-Landrut als Titelverteidigerin beim Eurovision Song Contest 2011 verzichten zu müssen.

Frust im Blog

Wie bei jedem begehrten Event ging so mancher beim Vorverkauf leer aus. In Internet-Blogs machen sich frustrierte Fans Luft: Eine "Riesensauerei" sei das, schimpfte ein User, der sich stundenlang mit der Meldung: "Der Server ist zur Zeit ausgelastet. Wir möchten Sie daher bitten, es später noch einmal zu versuchen", konfrontiert sah. "Das System ist böse und gemein", schrieb ein anderer, "es bevorzugt die Menschen und Kräfte, die wissen, sich des Internets samt Technik und Datenströmen zu bedienen." Und weiter: "Man hätte die Karten per Notar verlosen müssen, ganz fair und ohne Stress." Doch solche Stimmen hielten sich in Grenzen.

Ein Mann schaut auf seinem Computer die Internet-Seite des Auktionshauses eBay an (Archivfoto vom 29.07.2005).(c) dpa - Bildfunk+++)

Einkauf zu Wucherpreisen

Wer es nicht ins Finale geschafft hatte, kann sich mit Tickets für die zwei Halb- und das Juryfinale trösten. Dort sind immer noch genug Karten zu haben. Immerhin rund 80.000 Tickets sind bisher für die vier Eurovision Song Contest Shows 2011 über die Ladentheke gegangen; so viele wurden noch nie bei einem ESC verkauft. Insgesamt werden 36.000 Besucher das ESC-Final-Spektakel in Düsseldorf live miterleben, so viele wie seit Kopenhagen 2001 nicht mehr. Damals fanden im Parken Stadion 40.000 Zuschauer Platz, in der Osloer Telenor Arena waren es im vergangenen Jahr nur 17.800.

Der Schwarzmarkt blüht

Wer sich trotz begrenzten Kartenkontingents aufs Finale versteift hatte, der musste in den letzten Wochen notgedrungen in den sauren Apfel beißen und auf dem Schwarzmarkt Tickets zu Wucherpreisen ergattern. Das Geschäft blüht, sowohl beim Internetauktionshaus Ebay als auch bei dubiosen anderen Anbietern kosten Karten der höchsten Preiskategorie locker mal 800 Euro. Für VIP-Logen werden sogar bis zu 6000 Euro verlangt. Zwar hatte der NDR vollmundig angekündigt, der Weiterverkauf über Internetplattformen oder Auktionen sei laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich untersagt, man werde gegen den verbotenen Handel von Tickets auf dem Schwarzmarkt vorgehen: Doch in der Praxis ist davon nicht viel zu merken.

Und plötzlich gibt es wieder Karten

Eine Frau hält vier ESC-Tickets in der Hand. (Foto 03/2009 RIA Novosti)

Wer allerdings zu überhöhten Preisen fündig wurde, wird sich jetzt ärgern, denn kurz vor dem großen Finale schmeißt der NDR plötzlich mehr als 1000 Restkarten auf den Markt. Die Bühne ist aufgebaut, die Technik installiert, und man hat für das Megaevent am 14. Mai doch mehr Platz geschaffen als vorausgesehen. Für den knappen Geldbeutel sind diesmal sogar Karten zum Schnäppchenpreis von 49 Euro im Angebot, allerdings mit eingeschränkter Sicht auf die Bühne. Wer also zum regulären Preis Lena und ihre Konkurrenten live erleben will, der sollte schnell zuschlagen. Und vielleicht wird er dann auch live dem Favoriten von Elke Winter und ihrer Tochter zujubeln: "Unsere Lena macht das Rennen nochmal", hoffen die beiden. Und wenn nicht, sei das auch nicht schlimm, lächelt Mutter Winter. "Hauptsache, wir sind dann einmal in unserem Leben bei einem Eurovision Song Contest-Finale dabei gewesen."

Autorin: Suzanne Cords
Redaktion: Matthias Klaus

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