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Musik

Einmal Cachupa, bitte!

Bei Carmen Souza trifft kapverdische Folklore auf Jazz. Diese musikalische Mischung hat sie dazu inspiriert, ihr neues Album nach dem Nationalgericht der Inseln zu benennen: dem würzigen Bohneneintopf Cachupa.

Carmen Souza Copyright: Jazzpilon (Foto: Patricia Pascal)

Carmen Souza

 "Der Eintopf hat genauso viele Zutaten wie meine Musik", lacht Souza, "da sind die Parallelen doch unverkennbar." Wenn man als Kind kapverdischer Eltern in Portugal das Licht der Welt erblickt, saugt man in der Tat nicht nur die kreolische Sprache, sondern auch die Klänge der Vorfahren mit der Muttermilch auf. Und es ist erstaunlich, was die Kapverden alles an musikalischem Reichtum zu bieten haben. Fast jede Insel hat ihren eigenen Stil kreiert, beeinflusst von musikalischen Elementen, die die Seeleute aus aller Herren Länder mit in die Hafenstädte mitbrachten. Auf Santiago dominieren der Funaná und Tabanka mit westafrikanischer High-Life-Rhythmik, auf São Vicente die Samba-ähnliche Coladeira, das leichtfüßige, tanzlustige Gegenstück zur wehmütigen Morna von Boa Vistas Gestaden.

Auf Vokalreise durch Cachupa-Gefilde

Aus all diesen Elementen hat Carmen Souza ihren ganz eigenen "Cachupa-Stil" mit einer kräftigen Dosis Jazz kreiert: "Der Eintopf hat genauso viele Zutaten wie meine Musik", lacht sie, "da sind die Parallelen doch unverkennbar." Und so begibt sich Carmen Souza mit einer beeindruckenden stimmlichen Bandbreite auf Vokalreise durch Cachupa-Gefilde; sie schmeichelt, seufzt, flüstert und scattet die Oktaven rauf und wieder runter und hat sichtlich Spaß dabei.

Zwei Teller mit Bohneneintopf (Foto: picture alliance/Koeb Ulrike/Verlagsgruppe News)

Ein Eintopf als Namensgeber der CD "Kachupada"

Zwischen all den Jazzlinien schlängeln sich auf dem Album "Kachupada" immer wieder die afrikanischen Wurzen hervor, allerdings mit einigen Abstrichen: "Wir Kinder kapverdischer Eltern, die in Portugal geboren wurden, haben einfach einen anderen kulturellen Hintergrund", erklärt sie. "Jeder trägt ein Stück der Inseln in sich, das ist unsere Identität; aber wir haben natürlich auch andere Einflüsse und Lebenserfahrungen aus der neuen Heimat mitbekommen.“

Souza hat ihrer Musik einen derartig persönlichen Stempel aufgedrückt, dass Landsleute gar von einem neuen Stil reden. Das freut die 31-Jährige, zumal sie auch bei ihren Auftritten in Afrika gut ankommt. "Puristische Anhänger kapverdischer Melodien können mit mir nichts anfangen", schmunzelt sie, "aber die Aufgeschlossenen erkennen den Swing der Inseln wieder und identifizieren sich damit." 

Akustisches Insel-Hopping

Carmen Souza spielt nicht nur mit den Melodien, sondern auch mit der eigenwilligen Phonetik der kreolischen Sprache. "Das Criollo der grünen Insel Santo Antão zum Beispiel, wo meine Eltern herstammen, klingt sehr melodiös. Santiago hingegen ist sehr trocken, das merkt man auch der Sprache an, hier klingen die Worte viel härter und abgehackter“, erklärt die Sängerin. Und so hat jede Insel ihre Eigenart. Für jedes Lied hat Carmen Souza also ihren eigenen Akzent in petto und lädt die Hörer so zum akustischen Insel-Hopping ein.  

Bei allem musikalischen Reichtum fällt allerdings auf, dass der quirligen Sängerin der Hang zur Melancholie, den man sowohl Kapverdianern als auch Portugiesen nachsagt und der sich auch in der Musik niederschlägt, völlig abgeht. "Das Leben ist oft hart genug, da sollte man es sich durch traurige Gedanken nicht noch schwerer machen“, sagt sie. "Ich halte es wie eine Sonnenblume und drehe mich immer zum Licht. Und das gilt auch für meine Musik: Ich will Lebensfreude und Wärme schenken."

Carmen Souza am Piano (Foto: Patricia Pascal)

Wenn Carmen Souza komponiert, zieht sie sich gern ins stille Kämmerlein zurück

Als Carmen Souza letztens in Bonn auftrat, nutzte sie die Gelegenheit, dort das Beethovenhaus zu besuchen. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, von Beethoven geschriebene Notenblätter im Original zu sehen", erzählt sie. "Und es war tröstend festzustellen, dass auch ein Genie wie er immer wieder frustriert ganze Passagen durchgestrichen hat."

So versucht Carmen Souza, stets positiv zu denken. Sie nimmt die Dinge in die Hand und kämpft für ihre Ziele. Das hat sie schon als Kind getan. Sie wollte Sängerin werden, riss sich bei Kirchenkonzerten als kleines Mädchen von der Hand der Mutter los, rannte auf die Bühne und sang einfach mit.

Ein eingespieltes Team

Mit 21 Jahren stand sie erstmals allein im Rampenlicht. Das war in London, und ihr Mentor war -und ist bis heute- der Portugiese Theo Pas’cal. Der Kontrabassist und Gitarrist hatte schon in Lissabon das Talent Carmens entdeckt, als die junge Frau nur in Backgroundchören sang. Pas’cal sagte ihr eine eigene Karriere voraus, und er war es auch, der  ihr die Liebe zum Jazz einpflanzte und ihr damit ein neues musikalisches Universum eröffnete.

Seitdem sind die beiden auf der Bühne unzertrennlich, ein eingespieltes Team, das sich jedes Mal neu in einen musikalischen Dialog hineinsteigert. Die Afrikanerin singt nicht nur, sie spielt auch Gitarre und das Fender Rhodes Piano. Zum Cachupada-Quartett gehören außerdem noch der Nigerianer Jonathan Idiagbonya und der US-Amerikaner Maurico Zottarelli.

Immer wieder neue Geschmacksnoten

Carmen Souza.an der Gitarre (Foto: Mário Prise

Live ist die Kapverdianerin nicht zu bremsen

Doch es ist Carmen, die die Geschichten erzählt. Sie lädt den Hörer an einem Dezembermorgen ein, dem Tratsch der Nachbarinnen zu lauschen und den Marktleuten zuzusehen (Manhã 1 de Dezembro).  Sie singt vom  Xinxiroti-Vogel, der morgens auf ihrem Fensterbett trillerte und eines Tages ihr Herz stahl, und sie erzählt die Geschichte eines Mannes, der sechs Jahre lang unschuldig im berüchtigten Gefängnis für politische Häftlinge saß (6 on na Tarrafal). 

Sie rechnet mit der Oberflächlichkeit ab (Easy life)  und freut sich auf einen neuen Tag (Novo Dia). Und nicht zuletzt erweist sie ihren Idolen Charlie Parker und Richard Rogers mit "Donna Lee" und "My favourite things" Tribut. Genug Stoff also für eine reichhaltige Cachupa-Melange. Und diesen musikalischen Eintopf will Carmen Souza weiterköcheln lassen – mit den unterschiedlichsten Zutaten, damit er immer wieder eine neue Geschmacksnote entfaltet.

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