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Wirtschaft

Einmal Bill Gates treffen

"Wir können etwas bewegen", ist das Motto der "Global Shapers". Einige von ihnen nehmen am Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Eine Begegnung mit jungen Aktivisten aus Nepal, Argentinien und Äthiopien.

"Wir wollen der Welt zeigen, dass junge Menschen die Welt mit gestalten können. Schließlich ist fast die Hälfte der Weltbevölkerung jung!" Lokesh Todis Augen funkeln voller Leidenschaft, als er das sagt. Nichts hält ihn mehr auf dem wackligen Barstuhl. Der 27-jährige Nepalese sitzt im pompösen Steigenberger Grandhotel Belvedere. Rechts und links von ihm werden letzte Aufbauten für das Weltwirtschaftsforum gezimmert. Das Hotel ist einer der zentralen Treffpunkte für das diesjährige Treffen von Politikern, Wirtschaftsbossen und Meinungsführern. Todi ist aus Kathmandu nach Davos gekommen und dass er jetzt hier an dem Treffen gleichberechtigt teilnimmt, bei dem auch sein Idol, der US-Milliardär Bill Gates erwartet wird, kann er kaum fassen.

Nach dem Erdbeben in Nepal

2015 war für den Familien-Unternehmer ein hartes Jahr. Im April Jahres saß er gerade vor dem Fernseher, als sein Haus erbebte. Voller Angst kroch er unter einen massiven Schreibtisch und blieb unverletzt. "Das war so eine Gewalt. Man kann es gar nicht in Worte fassen", erzählt er. In seiner Heimatstadt Kathmandu starben 1729 Menschen, viele Gebäude wurde zerstört. Nach dem Erdbeben war nichts mehr wie zuvor. Überall wurde Hilfe benötigt, und der Nepalese gründete zusammen mit anderen jungen Leuten eine Organisation, um den Wiederaufbau zu fördern.

Per Crowdfunding organisierte er weltweit über den Nepal Earthquake Relief Fund mehr als 150.000 US Dollar an Spenden für den Aufbau von Schulen und Gesundheitszentren. Gleichzeitig sorgte er dafür, dass sein Familienunternehmen weiter arbeitsfähig blieb. Die Zementfabrik wurde nicht geschlossen, auch die PVC-Böden werden weiter hergestellt. Das Unternehmen Rlianace Group beschäftigt rund 2.000 Menschen. Doch damit nicht genug: Lokesh Todi engagierte sich auch in der örtlichen Global Shapers Gruppe, eine Initiative, die vom Schweizer Weltwirtschaftsforum (WEF) ins Leben gerufen wurde.

Global Shapers verändern die Welt

Weltweit gibt es mittlerweile 454 sogenannte Global Shapers Hubs. Das sind lokale Gruppen von jungen Leuten, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind und sich gesellschaftlich engagieren. Unternehmer, junge Politiker, Umweltschützer, die Gruppen sind sehr gemischt. Alle können auf das Netzwerk des WEF zurückgreifen. Hier werden Kontakte vermittelt, man bekommt Tipps für gesellschaftliches Engagement und es werden regelmäßige Treffen organisiert. 50 junge Global Shaper sind auf Einladung des WEF-Gründers Klaus Schwab in diesem Jahr nach Davos gekommen.

Schweiz Weltwirtschaftsforum Davos 2016

Carolina Hadad aus Argentinien und Lokesh Todo aus Nepal zusammen mit der Autorin (von rechts)

Jung, klug und engagiert.

Lokesh Todi kam aus Kathmandu, Carolina Hadad aus dem 35 Grad heißen Buenos Aires. Die Argentinierin ist Softwareexpertin. "Technik kann unser Leben verbessern. Man muss sie nur richtig einsetzten", sagt die 27-jährige. Sie studierte Computerwissenschaften und ist dabei, die Politik in Argentinien zu demokratisieren. Unter der Plattform

Buenos Aires Ciudad

veröffentlichte sie im öffentlichen Auftrag Daten über die lokale Regierung in der argentinischen Hauptstadt, bis hin zu Informationen über die Gehälter der Politiker.

Jetzt arbeitet sie an einem landesweiten Datenprojekt. Gleichzeitig trainiert sie junge Frauen im Umgang mit Software. "In unserer Gruppe haben wir 15-jährigen Mädchen gezeigt, wie man in nur vier Tagen eine App programmieren kann", erzählt sie stolz. "Der Umgang mit Daten hatte für sie plötzlich eine ganz andere Bedeutung." Carolina ist stolz zu den Global Shapers zu gehören. "Jeder einzelne ist so unglaublich engagiert und jeder macht was anderes."

Mit GPS in Adis Adeba

Während Carolina Hadad erzählt, nickt Feleg Tsegaye zustimmend. Er gilt als einer der führenden Innovatoren Äthiopiens. Auch er ist erst 27 Jahre alt. Tsegaye gründete den ersten Online-Lieferservice für Essen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. "Ich koche nicht, bin viel zu faul dazu, deshalb habe ich das gemacht", erzählt er lachend. "Deliver Addis", heißt sein Unternehmen, das schon 600 feste Kunden hat, und täglich werden es mehr.

Doch wie organisiert man einen Lieferdienst in einer Stadt, in der es keine Hausnummern und Straßennamen gibt? Eine knifflige Aufgabe, aber Feleg Tsegaye fand eine Lösung. Seine Fahrer liefern mit dem Motorrad und dem Mobiltelefon aus. Die Kunden geben ihren Standort per GPS weiter. Eine erstaunliche Leistung in einer Stadt, in der die Netzwerkqualität sehr schwankend ist. "Wir haben unsere Fahrer im Umgang mit den digitalen Anwendungen geschult", sagt er. Tsegaye will sein Land voran bringen, so wie die anderen Global Shapers. "Wir können etwas bewegen", ist ihr Motto.

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