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Einmachen

Es ist in guten wie in schlechten Zeiten eine bewährte Methode der Vorratshaltung: das Einmachen; etwa von frischem Obst und Gemüse. Selbst Löwenfleisch kann man "einwecken", wenn man denn einen erlegt hat …

Im Herbst ist es wieder soweit. Das erste frische Sauerkraut, Schnippelbohnen, Kastanien, Pilze sind auf dem Markt. Zwar ist der Sommer vorbei, aber einige Köstlichkeiten, die er hervorgebracht hat – Obst, Waldbeeren und auch Gemüse – können wir auch im Winter genießen. Zwar nicht frisch geerntet, aber durchaus in bemerkenswerter Qualität und – wenn man will – in Mengen, die ausreichen, bis es wieder Sommer wird und aufs Neue geerntet werden kann.

Frisches auch im Winter

Im Stichwort dieser Woche geht es ums Einmachen. Kurz gesagt: um eine ganz bestimmte Art und Weise der Haltbarmachung von Lebensmitteln. Das Einmachen oder Einkochen hat eine weit über hundertjährige Geschichte. Die Pfarrerstochter Henriette Davidis veröffentlichte 1845 ihr "Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche". Darin belehrt sie ihre Leserinnen auf fast 100 Seiten über das "Einmachen verschiedener Früchte und Gewächse".

Oberstes Gebot beim Einmachen oder Einkochen: absolute Sauberkeit, denn der kleinste Krümel, der ins Einmachglas fällt, kann Gärung bewirken und alles verderben. Außerdem, so schreibt sie, sollten alle "fremden Gerüche und Dämpfe" aus der Küche verbannt werden. Im Vergleich zu heute war das Einmachen mit Henriette eine recht aufwändige Sache. Dessen ungeachtet haben Millionen Hausfrauen nach ihrer Methode "eingemacht" und dabei gleich ihre wunderbaren Rezepte ausprobiert.

Weck, der Revolutionär

Dass Einmachen und Einkochen keineswegs nur Frauensache war, bewies ein Mann namens Johann Weck. Im Jahre 1900 hatte er zusammen mit seinem Geschäftspartner Georg van Eyck die Firma "J. Weck & Co. – Einkochgläser und Einkochgeräte" gegründet. Die Produkte des Hauses Weck revolutionierten das Einmachen geradezu. Eine "Umwälzung in der Küche aller Länder" – hieß es in einem Werbeprospekt von 1906 – habe mit den Weckschen Produkten ihren Anfang genommen.

Einwecken in Weckgläsern

Selbst die Sprache wurde um einige Wörter bereichert. Beinahe zum Fachbegriff ist das Wort "Einwecken" geworden. "Weckglas" und "Weckgläser" sind gleichbedeutend mit Einmachglas beziehungsweise Einmachgläsern. Das hätten sich die Herren Weck und van Eyck wohl nicht träumen lassen. Johann Wecks Unternehmen gibt es immer noch, in dem kleinen badischen Ort Öflingen.

Das kleine Weltunternehmen hat auch ein Museum. Dort gibt es zum Beispiel eine Glaskonserve von 1897 mit – so sagen die Firmenleute – noch genießbarer Ananas. Auch ein Stück Löwenfleisch – im Jahre 1913 eingeweckt – findet sich dort. Das Einmachen von Lebensmitteln war und ist in guten, aber besonders in schlechten Zeiten eine bewährte Methode zur Vorratshaltung.

Jetzt geht’s ans Eingemachte!

Der Ausdruck ans Eingemachte gehen beschreibt im wörtlichen Sinne, dass man in schlechten Zeiten etwas von dem Eingemachten aus dem Keller holt. Ein Glas mit eingemachtem Fleisch beispielsweise oder ein Glas Wurst und zum Nachtisch ein Glas Obst. Fast alles lässt sich einmachen. Und Einmachen ist heutzutage auch nicht schwer.

Aber, wie schon Henriette Davidis mit streng erhobenem Zeigefinger mahnte, es muss dabei absolut sauber zugehen. Wie richtig eingemacht wird, lässt sich jedem Kochbuch entnehmen, wobei es längst spezielle Ratgeberbücher zum Thema Einmachen gibt.

Na, dann los!

Haben wir ein bisschen Appetit gemacht? Versuchen Sie es doch mal mit eingemachten Kürbissen. Köstlich. Nur das Kleinschneiden nicht vergessen, denn so große Einmachgläser gibt’s nicht.

Fragen zum Text

Henriette Davidis achtete beim Einmachen besonders auf …

1. absolute Sauberkeit.

2. die richtige Menge der Lebensmittel.

3. die Farbe der Einmachgläser.

Johann Weck gründete eine Firma für …

1. Kühlanlagen.

2. Löwenfleischverarbeitung.

3. Einkochgläser und Einkochgeräte.

Die Redewendung ans Eingemachte gehen bedeutet, dass …

1. man eine Schlägerei anzettelt.

2. man in schlechten Zeiten etwas von dem Eingemachten aus dem Keller holt.

3. man in guten Zeiten etwas von dem Eingemachten an Bedürftige verteilt.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, man könnte nicht nur Lebensmittel einmachen, sondern auch Erlebnisse in Einmachgläsern konservieren. Was war Ihr schönstes Sommererlebnis, das Sie gerne an einem kalten, dunklen Wintertag noch einmal durchleben würden? Beschreiben Sie ihren Sommertraum und erklären Sie, warum Sie ihn am liebsten einmachen würden!

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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