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Aktuell Nahost

Einjährige Haftstrafe wegen Stadionbesuchs

Sie wollte sich ein Männer-Volleyballspiel anschauen. Offensichtlich wurde dafür eine junge Frau im Iran zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Menschenrechtler äußerten scharfe Kritik an dem Urteil.

Ghoncheh Ghavami (Foto: picture alliance/AP Photo)

Ghoncheh Ghavami

Ghontscheh Ghawami war im Juni in Teheran festgenommen worden, weil sie versucht hatte, ein Volleyballspiel der iranischen Nationalmannschaft gegen Italien anzuschauen. Frauen ist es im Iran verboten, Spiele in Stadien anzusehen - offiziell um sie vor dem Verhalten männlicher Fans zu schützen.

Die 25-jährige Iranerin mit britischem Pass wurde wenige Stunden nach ihrer Festnahme freigelassen, Tage später aber erneut festgenommen. Ihr wurde "Propaganda gegen das Regime" vorgeworfen - ein Vorwurf, der von der iranischen Justiz oft gegen Kritiker eingesetzt wird. Ghawami verbrachte 126 Tage im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran, davon laut ihrer Familie 41 Tage in Einzelhaft. Im September hielt sie einen Hungerstreik ab, um gegen ihre Inhaftierung zu protestieren.

Kritik von Menschenrechtlern

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete Ghawamis Verurteilung als "erschütternd". Es sei empörend, dass eine junge Frau hinter Gitter gebracht wird, nur weil sie friedlich ihre Meinung zur Diskriminierung der Frauen im Iran geäußert habe.

Der britische Premier David Cameron hatte ihren Fall im September gegenüber Irans Präsident Hassan Rohani angesprochen und ihre Freilassung gefordert. Im Iran ist die doppelte Staatsangehörigkeit nicht anerkannt. Wenn der Vater Iraner ist, werden die Angeklagten als Iraner angesehen und dementsprechend auch juristisch behandelt.

hf/fab (afpd, dpa)