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Kultur

Einigung in höheren Sphären

Zwei Jahre Streit sind vorbei. Das geplante europäische Satelliten-Navigations-System "Galileo" darf sich nun doch mit seinem amerikanischen Bruder GPS verstehen. Ab 2009 ist GPS also nicht mehr Alleinherrscher am Markt.

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Europa und USA navigieren jetzt gemeinsam per Satellit

Die USA und die Europäische Union haben am Samstag (26.6.2004) ein Kooperationsabkommen über die Entwicklung ihrer Satellitennavigationssysteme GPS und Galileo unterzeichnet. US-Außenminister Colin Powell, EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio und der irische Außenminister Brian Cowen unterzeichneten während des EU-USA-Gipfels im irischen Ennis das Abkommen, das eine
störungsfreie parallele Nutzung des europäischen Systems Galileo und des US-Systems GPS vorsieht.

In Ottobrunn bei München knallen derweil vermutlich die Sektkorken. Dort hat die Firma Galileo Industries ihren Sitz, die damit rechnen kann, den Zuschlag für den Aufbau des europäischen Galileo-Satelliten-Systems von der Europäischen Union zu bekommen.

Zusammenarbeit übers Meer hinweg

Günter Stamerjohanns führt das Konsortium, eine Tochter der europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerne EADS, Alcatel und Alenia Spazio. Stamerjohanns geht davon aus, dass in Deutschland hunderte neuer Arbeitsplätze im Umfeld von Galileo entstehen. In ganz Europa sollen es sogar 100.000 sein, schwärmt die EU-Kommission in Brüssel. EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio bezeichnet das Abkommen zwischen den USA und Europa als Meilenstein: "Es sichert nicht nur politische Zusammenarbeit, was normal wäre, sondern auch Kooperation auf dem industriellen Sektor. "

Satellitennavigationssystem Galileo

Galileo soll ein Netz aus 30 Satelliten knüpfen

Das privat betriebene Satellitensystem aus 30 Erdtrabanten, das von 2009 an Navigationssignale rund um den Globus verbreiten soll, kostet alleine in der Entwicklung 1,1 Milliarden Euro - die werden von der Europäischen Union und der Weltraumbehörde ESA gezahlt. Für die Aufbauphase sind weitere 2,2 Milliarden Euro vorgesehen, von denen rund 1,5 Milliarden vom privaten Galileo-Betreiber aufgebracht werden sollen.

Signal fürs Auto bleibt kostenlos

Geld verdienen will Galileo Industries vor allem mit der Lizensierung der notwendigen Chips in den Empfangsgeräten und einem kommerziellen Signal, das von Flugzeugen, Schiffen, der Agrarindustrie, Banken und vielen anderen Anwendern gegen Gebühr genutzt werden kann.

Das Signal für die private Nutzung zum Beispiel im Navigationscomputer des Autos soll dagegen kostenfrei bleiben. Mit den USA einigte sich die EU darauf, dass dieses offene Signal, das auch von den GPS-Satelliten ausgestrahlt wird, völlig kompatibel sein soll. Das bedeutet: Mit einem Gerät können sowohl GPS als auch Galileo-Daten empfangen werden. Galileo soll exaktere Angaben liefern als der bisherige Monopolist GPS, der vom amerikanischen Militär betrieben wird.

Bedenken zerstreut

Zwei Jahre lang haben die USA und die EU über Frequenzen und Sicherheitsbedenken der US-Militärs gestritten. Doch die sind ausgeräumt: "Die Rahmendaten für das künftige US-Militärsignal und den verschlüsselten europäischen Service-Kanal konnten geregelt werden", erklärt John Sammis von der amerikanischen Botschaft bei der EU.

US-Militärs im Irak oder Afghanistan werden auch weiterhin die Möglichkeit haben, GPS und Galileo-Signale lokal begrenzt zu stören. Eine Beeinträchtigung des geplanten neuen US-Militärsatellitensignals M-Code konnte durch Galileo konnte ausgeschlossen werden.

Ende des Monopols

Loyola de Palacio zu GPS

EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio

Die EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio ist erfreut, dass nun ein Monopol der USA zum Vorteil der Verbraucher weltweit gebrochen werde.

Noch bevor 2005 der erste Test-Satellit von Galileo in seine Umlaufbahn einschwenken soll, stehen Kunden schon Schlange. China, Russland, Indien, Brasilien, Mexiko und Israel wollen bei Galileo einsteigen. Heinz Hillbrecht, zuständiger Direktor für Galileo, betont, dass beim Bau von Endgeräten und Satelliten der Marktzugang für alle Anbieter gewährleistet sein soll: "Die Märkte bleiben für alle Seiten offen."

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