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Aktuell Nahost

Eingesperrt in der Hölle von Homs

Tausende Menschen warten in den Trümmern der syrischen Rebellenhochburg Homs vergeblich auf einen Hilfskonvoi mit Wasser, Nahrung, Medikamenten und Decken. Der hilflosen Weltgemeinschaft bleiben nur scharfe Worte.

Seit Freitag versucht das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) den umkämpften Stadtteil Baba Amr im syrischen Homs zu erreichen. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger nannte es inakzeptabel, dass Menschen, die seit Wochen dringend Hilfe benötigten, diese immer noch nicht erhalten hätten. Doch die Behörden verweigern dem Konvoi von sieben Lastwagen den Zugang in das weitgehend zerstörte Viertel. Stattdessen nahmen syrische Soldaten erneut Wohngebiete der Stadt unter Feuer. Granaten seien in den Stadtteilen Chaldijeh, Bab Sbaa und Chader eingeschlagen, erklärten örtlliche Koordinierungskomitees.

"Grauenhaft und unerträglich"

Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte sprach von einem "reinen Racheakt" der Soldaten, die mit Minenwerfern und Maschinengewehren auf den Bezirk Jobar feuerten. Auch die willkürlichen Hinrichtungen junger Männer sollen weitergehen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einmal mehr ein Ende der Gewalt und nannte die Bilder aus Syrien "grauenhaft und unerträglich". Die Behörden müssten die Hilfskräfte "ohne Vorbedingungen" in die betroffenen Gebiete lassen, sagte er vor der UN-Vollversammlung in New York. Er sei "zutiefst enttäuscht", dass Nothilfekoordinatorin Valerie Amos trotz wiederholter Zusicherungen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad nicht habe nach Syrien reisen dürfen.

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Internationaler Druck auf Assad wächst

Das Viertel Baba Amr in Homs war nach mehrwöchiger Belagerung am Donnerstag von Regierungstruppen eingenommen worden. Seitdem mehren sich die Hinweise auf standrechtliche Erschießungen, willkürliche Festnahmen und Folter. Ban sprach von "grausigen Berichten", doch der syrische UN-Botschafter Baschar Dscha'afari widersprach und erklärte, Ban sei falsch informiert. Von Aktivisten der Opposition werden die Gräueltaten in Homs jedoch bestätigt: Sie seien der Hauptgrund, warum das Regime keine Helfer hereinlasse.

Die unter dramatischen Umständen aus Homs entkommenen französischen Journalisten William Daniels und Edith Bouvier berichten von gezielten Angriffen auf Pressevertreter. Das Gebäude, in dem sie sich aufgehalten hätten, sei gezielt unter Beschuss genommen worden. Bei dem Versuch, sich in Sicherheit zu bringen, seien die US-Journalistin Marie Colvin und ihr französicher Kollege Rémi Ochlik getötet worden. Die Leichen der beiden wurden inzwischen den Botschaften Frankreichs und Polens, das derzeit die Interessen der USA in Syrien vertritt, übergeben. Der ebenfalls gerettete britische Fotiograf Paul Conroy berichtete von "Massakern" in Homs.

Immer neue Schauplätze der Gewalt

In der Provinz Hama, ebenfalls eine Hochburg der Opposition, wurden nach Angaben von Aktivisten zudem mehrere Dörfer von regierungstreuen Truppen gestürmt. Dabei seien mehr als 50 Menschen verhaftet worden.

Heftige Kämpfe mit den Rebellen liefert sich das Militär inzwischen auch nahe der türkischen Grenze. Wie Oppositionsaktivist Mohammed Abdullah der Nachrichtenagentur dpa sagte, haben Regimesoldaten mehrere Gebiete in der Provinz Idlib auf der Suche nach Deserteuren durchkämmt und unter Beschuss genommen. 44 fahnenflüchtige Soldaten sollen hingerichtet worden seien. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr sind nach UN-Schätzungen mehr als 7500 Menschen getötet worden.

Bei einem Selbstmordanschlag in Syrien sind am Samstag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, explodierte in der Provinz Daraa nahe der jordanischen Grenze eine Autobombe. Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte wurden dabei zwei Menschen getötet.

rb/nis (afp, dapd, dpa, rtr)

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