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Kultur

Eingeborene haben überlebt

Rund 300.000 Menschen bevölkern die mehreren hundert Inseln der Andamanen und Nikobaren. Die vom Aussterben bedrohten Ureinwohner der Inseln haben die Flutwelle offenbar weitgehend unbeschadet überstanden.

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Wer an der Küste gelebt hat, hat meist alles verloren


"Die Flutwelle hat viel Schaden angerichtet. Autos wurden gegen Mauern geschleudert, ein Gehweg aus riesigen Steinblöcken, jeweils etwa 15 bis 20 Tonnen schwer, wurde einfach herausgerissen", erinnert sich Samir Acharya aus der Hauptstadt der Inselgruppe, Port Blair an die Flutwelle. Nach wie vor sind viele kleinere Inseln überflutet.

Seebeben Kombo Andamanen und Nikobaren

Szenen von den Andamanen und Nikobaren nach dem Seebeben

Die Andamanen und Nikobaren verteilen sich über rund 700 Kilometer im Osten der Bucht von Bengalen. Sie sind näher an Thailand und Sumatra als am indischen Festland. Die Gegend um Campbell Bay auf der Insel Great Nicobar ist nur ungefähr hundert Kilometer von Sumatra entfernt.

Die Region war anfangs völlig von der Außenwelt abgeschnitten, wie ein indischer Armeeveteran aus der Provinzhauptstadt Port Blair berichtet. "Die indische Regierung hat uns dort angesiedelt, nachdem wir aus der Armee ausgeschieden waren", sagt R.B. Kapur. "Aber jetzt bekommen wir keine Unterstützung von der Regierung. Es gibt Leute von uns, die jetzt festsitzen, ohne Essen und ohne Wasser. Von der Regierung lässt sich aber niemand blicken."

Eingeborene lebten in relativer Sicherheit

Wie weit entfernt die Andamanen für Indien sind, zeigt die Geschichte der Inselgruppe in der Kolonialzeit: Damals setzten die Briten Schwerkriminelle auf den Andamanen aus. Ein Zehntel der Bevölkerung des Archipels gehört verschiedenen Stämmen an - besonders auf den Nikobaren im Süden. Unter den britischen Kolonialherren und der indischen Regierung kämpften die Eingeborenenstämme um ihr Überleben - und starben dabei fast aus. Befürchtungen wurden laut, sie hätten die Flutwelle nicht überlebt - was nach offiziellen Angaben nicht der Fall ist.

Fünf der vom Aussterben bedrohten Volksgruppen auf den Andamanen und Nikobaren wurden bereits gesichtet. Hubschrauber entdeckten vier Tage nach dem Seebeben 989 Stammesmitglieder der Shompen, Onge, Sentinelesen, Andamanesen und Jarawa. Einige von ihnen seien mit Booten erreicht worden. Sie seien medizinisch und mit Lebensmitteln versorgt worden. Die meisten von ihnen lebten im Dschungel, weit von der verwüsteten Küste entfernt, sagte der Chef der indischen Küstenwache, Arun Kumar Singh. Medienberichte über eine drohende Auslöschung der seit tausenden Jahren auf der Inselgruppe lebenden Urvölkerstämme seien "absoluter Quatsch".

Zivilisation als Feind

Sechs von einst zehn Stämmen leben auf ihren verschiedenen Inseln im Golf von Bengalen, manche von ihnen haben sich bis heute jedem Versuch, sie zu "zivilisieren", versperrt. Sie sind Jäger und Sammler, von kurzer Statur und mit dunkler Haut, ihre Herkunft unklar. Ihre Sprachen sind mit keiner anderen auf der Welt verwandt.

Jahrhundertelang bekämpften die Eingeborenen jeden, der auf ihre Inseln wollte. Im 19. Jahrhundert traten sie mit Pfeil und Bogen gegen britische Kanonen und Geschütze an - erfolglos. Schon unter den Briten nahm ihre Zahl drastisch ab. Der Stamm der Großen Andamanesen etwa zählte vor Ankunft der Kolonialherren schätzungsweise 3000 Angehörige, Anfang des 20. Jahrhunderts waren noch 625 übrig.

Seebeben Nikobaren Insel Luftaufnahme

Eine der Nikobaren-Inseln aus der Luft

1947 zogen die Briten ab, die Inder übernahmen. "Zurückblickend machte der Wachwechsel wenig Unterschied", meint der indische Journalist Shailesh Shekhar, der sich mit den Stämmen befasst hat und von einem "Massaker an Unschuldigen" spricht. Auf den Großen Andamanesen wohnten zeitweise nur 14 Männer und 9 Frauen, insgesamt sollen es 45 Stammesangehörige sein.

Die Völker zählen zu den letzten Rätseln der Anthropologen. Die im Dickicht der Mangrovenwälder lebenden 250 Shompen und 100 Onge halten Fremde meist mit Pfeilangriffen fern. Die Jarawa sind dagegen offener und leben teilweise vom Tourismus. Der Stamm der Sentinelesen ist vermutlich das einzige steinzeitliche Volk, das bis heute ohne Kontakt zur Außenwelt lebt. Ihre Insel haben die rund 250 Stammesangehörigen nie verlassen. Eindringlinge werden mit Pfeilen beschossen.

Dennoch ließ es sich nicht vermeiden, dass die Eingeborenen in Kontakt mit der Zivilisation kamen - und mit Krankheiten, auf die ihr Immunsystem nicht eingerichtet war. Seit 1999 wurde allein der Stamm der Jarawas von vier Epidemien befallen. Neben den Krankheiten, so meinen Experten, haben von außen importierte kulturelle und soziale Veränderungen die Eingeborenen dahingerafft. (arn)

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